Warum sarkopene Adipositas ein unterschätztes Gesundheitsrisiko ist2. März 2026 Eine sarkopene Adipositas äußert sich bei Betroffenen nicht zwingend durch Übergewicht und einen zu hohen BMI. Symbolbild: Svetlana/stock.adobe.com Ein normales Körpergewicht gilt häufig als Zeichen guter Gesundheit. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass sarkopene Adipositas – eine ungünstige Körperzusammensetzung aus niedriger Muskelmasse und erhöhtem Fettanteil – mit erhöhten Gesundheitsrisiken verbunden ist. Viele Menschen verlassen sich bei der Einschätzung ihrer Gesundheit auf eine einfache Zahl: das Körpergewicht. Liegt der Body-Mass-Index (BMI) im Normbereich, gilt man als gesund. Doch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass diese Rechnung oft nicht aufgeht. Denn entscheidend ist nicht nur, wie viel wir wiegen, sondern woraus unser Körper besteht. Eine besonders riskante Konstellation ist die sarkopene Adipositas: Wenig Muskelmasse bei gleichzeitig erhöhtem Fettanteil. Wenn die Waage trügt Sarkopene Adipositas ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Betroffene wirken häufig schlank oder allenfalls leicht übergewichtig. Der BMI liegt im grünen Bereich und doch fehlt dem Körper ein entscheidender Schutzfaktor: aktive Muskelmasse. Prof. Timm Bauer, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Internistische Intensivmedizin und Allgemeine Innere Medizin am Sana Klinikum Offenbach, erklärt: „Der BMI sagt oft wenig darüber aus, ob ein Körper leistungsfähig oder metabolisch gesund ist. Dieser Wert kann eine ungünstige Körperzusammensetzung komplett verschleiern.“ Neuere Ansätze wie beispielsweise der metabolische BMI versuchen zwar, diesem Problem entgegenzuwirken. In der klinischen Praxis sind diese aber noch längst nicht implementiert. Auch die neuen Diagnose-Kriterien für Adipositas sind nur auf Menschen mit erhöhtem BMI ausgelegt. Muskelabbau beginnt früher, als viele denken Muskelverlust ist kein Phänomen des hohen Alters. Schon ab dem mittleren Erwachsenenalter beginnt die Muskelmasse abzunehmen, in vielen Fällen geschieht dies unbemerkt. Gleichzeitig nimmt Fettgewebe leichter zu oder bleibt bestehen. Das Körpergewicht verändert sich kaum, doch die Zusammensetzung verschiebt sich zunehmend in eine ungünstige Richtung. „Viele Menschen glauben, Muskelabbau sei erst im Alter relevant“, so Bauer. „Dabei beginnt dieser Prozess oft Jahrzehnte früher.“ Warum fehlende Muskeln das Herz belasten Muskeln sind weit mehr als ein Teil des Bewegungsapparates. Sie spielen eine zentrale Rolle im Stoffwechsel, wirken entzündungshemmend und unterstützen die Regulation des Blutzuckers. Fehlen diese zusätzlichen Funktionen der Muskulatur, steigt die Belastung für Herz und Gefäße. Studien zeigen, dass Menschen mit niedriger Muskelmasse häufiger eine Arteriosklerose entwickeln. Dies ist ein wichtiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Besonders kritisch ist die Kombination aus Muskelarmut und erhöhtem Fettanteil. „Muskeln wirken wie ein Schutzorgan für das Herz“, betont der Kardiologe. „Gehen sie verloren, steigt das kardiovaskuläre Risiko deutlich.“ Höheres Sterberisiko trotz Normalgewicht Sarkopene Adipositas ist mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden. Und zwar unabhängig vom Körpergewicht. Entscheidend ist nicht, ob jemand dünn oder kräftig wirkt, sondern ob ausreichend Muskelmasse vorhanden ist. Die gute Nachricht dabei: Sarkopene Adipositas ist kein Schicksal. Muskelmasse lässt sich erhalten und aufbauen, auch im höheren Alter noch. Gezieltes Krafttraining, ausreichende Proteinzufuhr und frühzeitige Prävention können den Muskelabbau bremsen oder sogar umkehren. „Die Muskelgesundheit ist einer der am stärksten beeinflussbaren Gesundheitsfaktoren. Wer rechtzeitig handelt, kann viel für Herz, Stoffwechsel und Lebensqualität tun“, fasst Bauer die aktuellen Erkenntnisse zusammen.
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