Was die Angst kleiner macht4. Februar 2020 Foto: Menschen mit Flugangst profitieren von anderen Mitreisenden. (Foto: chalabala.cz – stock.adobe.com) In unheimlichen Situationen kann die bloße Anwesenheit einer unbekannten Person beruhigend wirken. Das zeigt die Studie eines Würzburger Teams, das Angsterkrankungen erforscht. Alleine auf eine Reise gehen. Stundenlang im Flugzeug sitzen, in zwölf Kilometern Höhe über dem Atlantik. Mit Turbulenzen und allen Unbequemlichkeiten, die zu einem Langstreckenflug eben so dazu gehören. Vor dieser Situation haben viele Menschen Angst. Wäre nur ein Freund oder eine Freundin auf der Reise dabei! Dann würde man sich bestimmt besser fühlen. Dabei müsste einem vor der Situation im Flieger gar nicht bange sein. Auf die Freundin/den Freund als Begleitung könnte man locker verzichten. Denn es würde schon helfen, wenn einfach irgendjemand neben einem sitzt. Und dieser Jemand müsste sich nicht einmal mit der ängstlichen Person unterhalten oder sich ihr in anderer Weise zuwenden. Seine bloße Präsenz würde genügen, um die Angst zu verringern. Das ergibt sich aus einer Studie, die eine Gruppe um Prof. Grit Hein von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg durchgeführt hat. Physiologische Anspannung über Hautwiderstand gemessen „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Angst und die daraus resultierende physiologische Anspannung durch die bloße Anwesenheit einer anderen Person vermindert werden können, auch wenn diese Person unbekannt ist und keine aktive Unterstützung leistet“, erklärt Hein. Sie hat an der JMU eine Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften inne und forscht über Angsterkrankungen. Die verminderte Angstreaktion trat unabhängig davon auf, ob die unbekannte Person der gleichen oder einer anderen Ethnie angehörte. „Interessanterweise war der angstmindernde Effekt umso stärker, wenn die Probanden die andere Person als weniger ähnlich wahrnahmen – wahrscheinlich, weil sie dann davon ausgingen, dass der andere im Gegensatz zu ihnen selbst keine Angst hat“, so die JMU-Professorin. In der Studie bekamen die Versuchspersonen über Kopfhörer entweder neutrale oder angsterzeugende Geräusche vorgespielt – das Plätschern von Wasser oder menschliche Schreie. Ihre körperlichen Reaktionen darauf wurden über den Hautwiderstand gemessen. War bei den Tests eine unbekannte Person im Raum mit dabei, durfte diese nichts sagen und blieb von der Versuchsperson körperlich abgewandt. Dieses Setting sollte soziale Interaktionen zwischen den beiden verhindern. Folgestudien mit Männern und Frauen Bisher wurden nur Frauen in Anwesenheit von Frauen getestet. In Folgestudien möchte das Würzburger Forschungsteam nun auch die Effekte messen, wenn sich Männer mit Männern oder Männer mit Frauen der unheimlichen Situation im Labor aussetzen. Dabei werden sich eventuell Unterschiede zeigen. „Es gibt Hinweise aus der Stressforschung, dass das Geschlecht der anwesenden Person eine Rolle spielen könnte“, sagt die JMU-Professorin. Die Erkenntnisse aus diesen Forschungen lassen sich womöglich für die Therapie von Angsterkrankungen nutzen. Originalpublikation: Qi Y et al.: The mere physical presence of another person reduces human autonomic responses to aversive sounds. Proc. R. Soc. B 2020;287:20192241.
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