Was sich im Gehirn vor einem Bungee-Sprung abspielt2. Februar 2018 Foto: © mur162 – Fotolia.com Tübinger Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, das Bereitschaftspotenzial vor einem Bungee-Sprung aus 192 Metern Höhe zu messen. Dem Tübinger Psychiater und Neurowissenschaftler Surjo R. Soekadar und seinem Doktoranden Marius Nann ist es erstmals gelungen, das sogenannte Bereitschaftspotenzial außerhalb des Labors und unter Extrembedingungen zu messen, nämlich vor einem Bungee-Sprung. Das Bereitschaftspotenzial ist die charakteristische elektrische Spannungsverschiebung im Gehirn, die eine bevorstehende willentliche Handlung anzeigt, und die entsteht, noch bevor sich der Handelnde bewusst wird, dass er gleich eine Bewegung ausführen wird. Das Bereitschaftspotenzial wurde erstmals 1964 von Hans-Helmut Kornhuber und Lüder Deecke beschrieben, die hierzu unter strengen Laborbedingungen die Hirnströme eines Probanden über hunderte von Fingerbewegungen maßen. Trotz zahlreicher Studien wurde es bisher nie in lebensnahen Situation gemessen: Da die Spannungsverschiebung im Bereich von lediglich einigen wenigen Millionstel-Volt liegt, galten nur Messungen unter Laborbedingungen als möglich. Insbesondere für die Weiterentwicklung alltagstauglicher Gehirn-Maschine-Schnittstellen wollten die Forscher jedoch herausfinden, ob das Bereitschaftspotenzial auch in Alltagsumgebungen messbar ist. Zudem interessierte sie, ob die für eine Handlung nötige Willenskraft Einfluss auf die Ausprägung des Bereitschaftspotenzials hat. Für die Studie erklärten sich zwei semi-professionelle Klippenspringer bereit, ihre Hirnströme vor Bungee-Sprüngen von der 192-Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck aufzeichnen zu lassen. Nach nur wenigen Sprüngen gelang es den Forschern, das Bereitschaftspotenzial zweifelsfrei nachzuweisen. „Das aktuelle Experiment zeigt einmal mehr, dass sich die Grenzen des technisch Machbaren immer weiter verschieben und Neurotechnologie schon bald zum Alltag gehören wird“, sagte Soekadar. Die geringe Anzahl der Sprünge belege, dass das Bereitschaftspotenzial vor Bungee-Sprüngen sehr stark ausgeprägt sei, erklärt Nann. Originalpublikation: Nann M et al.: bioRxiv 255083.
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