Weißbuch „Cochlea-Implantat(CI)-Versorgung in Deutschland“22. Juni 2018 Foto: © elsahoffmann – Fotolia.com Die DGHNO-KHC hat das Weißbuch „Cochlea-Implantat(CI)-Versorgung in Deutschland“ erstellt, ebenso wie die erste Fassung eines nationalen Cochlea-Implantat-Registers und setzt damit neue Qualitäts- und Versorgungsstandards. Seit mehreren Jahrzehnten gelingt es, hochgradig schwerhörigen Menschen und Ertaubten mithilfe von Cochlea-Implantaten (CI) das Hören zu ermöglichen. „Durch diese bahnbrechende Methode gelingt in der Regel nicht nur die (Wieder )Herstellung des Hörvermögens, sondern auch die Rehabilitation in die ‘hörende Welt‘, denn Hörbeeinträchtigungen bedeuten immer auch soziale Isolation“, erklärt Prof. Stefan Dazert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC), der am Weißbuch federführend mitgewirkt hat. Der Erfolg der Versorgung mit einem CI beruht neben der operativen Implantation der elektronischen Innenohrprothese vor allem auch auf einer Hör-Sprach-Therapie, der audiologisch-technischen Betreuung sowie einer lebenslangen medizinischen Nachsorge. „Das komplexe interdisziplinäre Zusammenspiel verschiedener hochspezialisierter Disziplinen ist von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Versorgung mit einem CI. Es wird von der Klink für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, die den Patienten versorgt, koordiniert“, betont Dazert. „Hierfür brauchen wir einheitliche Standards, um etwaigen Risiken entgegenzuwirken. Wenn betroffene Kinder beispielsweise keine umfassende Hör-Sprach-Therapie erhalten, kann ihre Sprachentwicklung gefährdet sein.“ Die DGHNO-KHC hat daher die Initiative ergriffen, um den hochkomplexen Versorgungs- und Behandlungsprozess zu analysieren, zu strukturieren und gleichzeitig einheitliche Empfehlungen auszusprechen. Diese wurden in dem Weißbuch „Cochlea-Implantat(CI)-Versorgung in Deutschland“ im April 2018 veröffentlicht. Das Weißbuch stellt damit die Grundlage einer zukünftig geplanten Zertifizierung des Behandlungsprozesses unter Leitung der HNO-Fachgesellschaft dar. „Unser Ziel ist die Etablierung und Qualitätssicherung eines national einheitlichen Behandlungsstandards für alle Patienten“, so Dazert. Parallel zur Erarbeitung des Weißbuchs hat die DGHNO-KHC auch die inhaltliche Struktur eines nationalen wissenschaftlichen Cochlea-Implantat-Registers entwickelt und veröffentlicht. Dieses wird zukünftig durch die HNO-Fachgesellschaft wissenschaftlich begleitet. „Ziel des Registers ist die anonyme Erhebung von qualitätsrelevanten Informationen, um erstmals eine deutschlandweite, umfassende Datenlage zur Versorgungsstruktur und -qualität zu schaffen“, erläutert Dazert. „Damit legen wir das wissenschaftliche Fundament für die zukünftige Entwicklung der Versorgung von Menschen mit implantierbaren Hörsystemen in Deutschland.“ Sowohl die Entwicklung des CI-Weißbuchs als auch des CI-Registers stellen aus Sicht der DGHNO-KHC herausragende Meilensteine in der langfristig wissenschaftlich geführten Qualitätssicherung hochkomplexer, interdisziplinärer medizinischer Maßnahmen dar. Diese einzigartige Initiative belege das hohe wissenschaftliche und klinische Innovationspotential des Fachs Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und sei damit nicht zuletzt auch wegweisend für andere Fachdisziplinen der Medizin.
Mehr erfahren zu: "Krebsforschung: Mini-Antikörper reaktivieren den Wächter des Genoms" Krebsforschung: Mini-Antikörper reaktivieren den Wächter des Genoms Das Protein p53 ist in vielen Krebszellen mutiert, sodass es seine Schutzfunktion vor der Entstehung von Tumoren nicht mehr erfüllen kann. Forschern ist es jetzt gelungen, eine Art Mini-Antikörper (DARPins) […]
Mehr erfahren zu: "Breite Missbilligung des Gesundheits-Sparpakets" Breite Missbilligung des Gesundheits-Sparpakets Die schwarz-rote Koalition will die Krankenkassen stabilisieren und dafür die stark steigende Milliardenausgaben bremsen. Die Gesetzespläne zur GKV-Reform sind jetzt da – und stoßen auf viele Proteste.
Mehr erfahren zu: "GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz: Kürzungen von bis zu 68.000 € pro Arzt im Jahr" GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz: Kürzungen von bis zu 68.000 € pro Arzt im Jahr Rund zwei 2,4 Milliarden Euro sollen mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz bei ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen eingespart werden. Das bedeutet ein Minus von 24.000 Euro Gesamtvergütung pro Praxis und je nach Fachrichtung […]