Welche Rotatorenmanschetten-Läsionen können konservativ behandelt werden?13. Januar 2026 Foto: RioPatuca Images – stock.adobe.com Ein Anriss oder kompletter Riss der Rotatorenmanschette ist nicht nur ärgerlich, sondern auch sehr schmerzhaft und stört häufig die Funktion der Schulter. Doch nicht jede Verletzung an der Rotatorenmanschette muss operiert werden. In welchen Fällen konservativ behandelt werden kann und in welchen nicht – darüber referiert Prof. Knut Beitzel, Chefarzt der Schulterchirurgie, Arthroskopie und Sportorthopädie an der Atos Orthoparkklinik Köln, auf dem 36. Jahreskongress des BVASK, der vom 30. bis 31. Januar im Düsseldorfer Medienhafen stattfindet. Unterschiede bei partiellen und Komplett-Abrissen Der wichtigste Punkt für eine Entscheidung zwischen konservativer Therapie und Operation ist laut Beitzel die Frage, ob es zu langfristigen und nicht umkehrbaren Schäden der Muskulatur kommt. Ein Riss allein ist noch keine Indikation zur OP, denn zehn bis 15 Prozent der über 60-Jährigen zeigen zum Beispiel kleinere Risse in der Bildgebung. Mit dem Alter degenerieren die Bänder und Muskeln, sie reißen daher auch schneller ein. Patienten mit partiellen Rissen, die den Arm insgesamt aber normal bewegen können, leiden eher darunter, dass die Sehnenmanschette die Zentrierungsfunktion des Schultergelenkes nicht mehr gewährleisten kann. Hier kann eine konservative Behandlung mit Physiotherapie, Medikamenten oder Infiltrationensehr gut helfen, so Beitzel. Über ein spezielles Training sollten Patienten das Gelenk wieder zentrieren und fehlende Bewegungen kompensieren. Schulterblatt-Übungen, Dehnung, Außenrotation und Ruder-Bewegungen können dabei helfen. Am besten sollte jeder Patient dabei die Bewegungen im schmerzfreien Bereich ausführen, sonst verklebt die Schulter und „macht zu“, berichtet der Mediziner. Bei einem Komplett-Abriss heilen Schulter-Sehnen jedoch nicht mehr an. Der Körper baut den Muskel langsam ab, der Muskel verfettet und ist dann nicht mehr zu „reparieren“, erläütert Beitzel weiter. Nach Unfall, Sturz und Verletzung mit großem Riss in der Rotatorenmanschette und Bewegungseinschränkung im Arm sollte deshalb binnen sechs bis acht Wochen, am besten zeitnah operiert werden. Alter und Belastung wichtige Faktoren bei der individuellen Entscheidungsfindung Allerdings könne mit zunehmendem Alter des Betroffenen auch eine fachmännisch angenähte Sehne schneller wieder reißen. Deshalb, so Beitzel, gilt es abzuwägen: „Man arbeitet viel nach individueller Prognose“. Die Frage sei hier auch, was der Patient für eine erfolgreiche Bewältigung des Alltags benötigt, wie stark er seine Schulter einsetzt. Wenn relativ kraftlose Bewegungen der Schulter für den Alltag eines Patienten ausreichen (z.B. Büro-Job und als Sport Jogging, Radfahren, Bergwandern) ist laut Beitzel der Schmerz gut in den Griff zu kriegen. Für kraftvolle Bewegungen der Schulter, wie beispielsweise in bestimmten Sportarten, wie Tennis oder Basketball oder in bestimmten Berufen, wo viel Last getragen wird, helfe dagegen nur eine Operation.
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