Welche Therapie? Betroffene sollten sich immer in einem interdisziplinären Tumorzentrum beraten lassen23. Februar 2024 Bild: ©shidlovski – stock.adobe.com Bei lokal begrenzten Prostatakarzinomen gibt es mehrere Behandlungsoptionen, die „aktive Surveillance“, die Operation oder die Strahlentherapie. Die beiden Letztgenannten seien mit einem längeren progressionsfreien Überleben verbunden und im Ergebnis weitgehend gleichwertig, unterstreicht die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Die Aufklärung über Therapiewege erfordert entsprechend eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, die derzeit aber nur in zertifizierten Tumorzentren geleistet wird. Die DEGRO rät alle Betroffenen, vor einer Therapieentscheidung ein zertifiziertes Krebszentrum aufzusuchen. „Wichtig ist in dieser Situation, dass die Betroffenen gleichwertig über alle Therapiewege aufgeklärt werden. Liegt die Aufklärung aber in der Hand einer Fachdisziplin, kann dieser Anspruch nicht erfüllt werden, da jede Ärztin und jeder Arzt natürlich sein Fachgebiet repräsentiert und auch nur darüber adäquat aufklären kann“, kommentiert Prof. Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Die Expertin empfiehlt Patienten daher, sich immer in einem zertifizierten Tumorzentrum vorzustellen und beraten zu lassen, da dort jeder Fall interdisziplinär beurteilt und diskutiert wird. Neben Chirurgen sind das Radioonkologen sowie Experten für die medikamentöse Tumortherapie. Kommen zwei Therapien in Frage, erfolgt die Aufklärung an Tumorzentren auch durch beide Fachrichtungen. Dadurch erhalten Patienten alle notwendigen Informationen über die Vor- und Nachteile beider Therapien, die ihnen überhaupt erst eine informierte Entscheidung ermöglichen. Es gibt Organkrebszentren, die auf ein Organ spezialisiert sind, außerdem gibt es Onkologische Zentren, die Expertise zu mehreren Tumorarten unter einem Dach vereinen, und die von der Deutschen Krebshilfe geförderten Onkologischen Spitzenzentren (CCC), deren Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer Therapiestrategien liegt. „Alle diese zertifizierten Zentren sind gute Anlaufstellen. Sie weisen sich durch die Zusammenarbeit aller an der Krebstherapie beteiligten Fachdisziplinen aus und erfüllen darüber hinaus weitere wichtige Qualitätskriterien“, erklärt Combs. Auf der Website der Deutschen Krebsgesellschaft kann man nach Zentren in seiner Nähe suchen: https://www.krebsgesellschaft.de/deutsche-krebsgesellschaft/zertifizierung/zentrumssuche.html Wie wichtig das ist, erläutert die Expertin am Beispiel des Prostatakarzinoms. In der Regel wird die Diagnose in der urologischen Praxis gestellt – also von den operierenden Fachärzten – und die Patienten werden dort dann auch über die weitere Therapie beraten. „Es ist leider gar nicht so selten, dass Patienten erst nach der Operation davon erfahren, dass es andere Therapiewege gegeben hätte bzw. dass die anderen Optionen im Hinblick auf die Heilungschancen nicht schlechter sind“, erklärt Combs. Denn wenn ein lokal begrenztes Prostatakarzinom diagnostiziert wird, sind unter Berücksichtigung der individuellen Gesamtsituation verschiedene Vorgehensweisen möglich. Dabei gelten die Strahlentherapie und die operative Entfernung der Prostata als gleichwertig bezüglich des Langzeitüberlebens bzw. der Heilungsaussichten. Eine weitere Option ist die aktive Überwachung („Active Surveillance“), d.h. es wird zunächst abgewartet und in engmaschigen Kontrolluntersuchungen nach Hinweisen auf eine Tumorprogression gesucht (Tastuntersuchung, PSA-Anstieg, Bildgebung, Kontrollbiopsien). In diesem Fall oder sobald der Patient es wünscht, wird eine Therapie begonnen. Die Studie ProtecT („Prostate Testing for Cancer and Treatment Trial“), die im Vorjahr publiziert wurde, evaluierte die verschiedenen Therapieoptionen bei Patienten mit durch einen PSA-Test entdecktem, lokal begrenzten Prostatakrebs [1]. 1643 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen und in drei gleichgroße Gruppen randomisiert (545 Patienten wurden der aktiven Überwachung, 553 der Operation und 545 der Strahlentherapie zugeführt). 1610 Patienten (98 %) schlossen die Nachbeobachtungszeit ab. Eine lokale Progression wiesen 259 Männer auf (15,8%); in der Überwachungsgruppe 141/545 (25,9 %), in der OP-Gruppe 58/553 (10,5%) und in der Strahlentherapie-Gruppe 60/545 (11%). Zu Metastasen kam es in der Überwachungsgruppe bei 51 Patienten (9,4%), in der OP-Gruppe bei 26 (4,7%) und in der Bestrahlungsgruppe bei 27 (5%). Bei 104 Männern (6,3%) kam es zu Metastasen: 51 (9,4%) in der Gruppe mit aktiver Überwachung, 26 (4,7%) in der Prostatektomie-Gruppe und 27 (5,0%) in der Strahlentherapie-Gruppe. „Die Studie zeigte, dass die aktive Therapie, sei es Strahlentherapie oder Operation, zwar nicht zu einem längeren Leben, aber zu einer längeren progressionsfreien Überlebenszeit geführt hat, was mit einer deutlich besseren Lebensqualität einhergeht. Besonders spannend ist für uns, dass sich auch nach 15 Jahren beim lokal begrenzten Prostatakarzinom kein Unterschied zwischen Strahlentherapie und OP hinsichtlich Metastasierung und Überleben gezeigt hat, beide Therapieverfahren waren in der Langzeitbeobachtung gleichwertig“, kommentiert Combs. „Wenn die Patienten das aber nicht wissen, werden sie sich natürlich für die Operation entscheiden, obwohl nach dieser Therapie häufiger Harninkontinenz und Potenzstörungen als Langzeitfolgen auftreten können. Die DEGRO setzt sich daher für eine interdisziplinäre Therapieaufklärung, d.h. eine umfassende und objektive Aufklärung von Betroffenen ein.“
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