Weltpremiere: Erstmals Spenderleber in einer Maschine behandelt und danach erfolgreich transplantiert1. Juni 2022 Das Wyss-Zurich-Team schließt die Spenderleber im Reinraum an die Perfusionsmaschine an. (Foto: © USZ) Dem multidisziplinären Zürcher Forschungsteam Liver4Life ist es gelungen, eine ursprünglich geschädigte Spenderleber drei Tage lang außerhalb eines Körpers in einer Maschine zu behandelnd und das erholte Organ danach einem krebskranken Patienten einzusetzen. Ein Jahr später ist der Patient nach Angaben des Universitätsspitals Zürich (Schweiz) wohlauf. Dass es möglich wurde, ein Spenderorgan nach einer Aufbewahrungszeit von drei Tagen außerhalb eines Körpers einem Patienten einzusetzen, verdankt das Forschungsteam Liver4Life einer selbst entwickelten Perfusionsmaschine. Die Maschine imitiert den menschlichen Körper möglichst genau, um den Spenderlebern ideale Bedingungen zu bieten. Eine Pumpe dient als Herzersatz, ein Oxygenator ersetzt die Lungen und eine Dialyseeinheit die Nieren. Daneben übernehmen zahlreiche Hormon- und Nährstoffinfusionen die Funktionen des Darms und der Bauchspeicheldrüse. Wie das Zwerchfell im menschlichen Körper bewegt die Maschine zudem die Leber im Takt der menschlichen Atmung. Im Januar 2020 zeigte das multidisziplinäre Zürcher Forschungsteam – eine Zusammenarbeit von Universitätsspital Zürich (USZ), ETH Zürich und Universität Zürich (UZH) – erstmals, dass es dank der Perfusionstechnologie möglich ist, eine Leber mehrere Tage außerhalb des Körpers aufzubewahren. Von mangelhaft zu gut in drei Tagen In der Maschine bereitete das Team die Leber mit diversen Medikamenten auf. So konnte die Leber in ein gutes Spenderorgan umgewandelt werden, obwohl sie ursprünglich aufgrund ihrer mangenden Qualität nicht für die Transplantation freigegeben war. Die mehrtägige Perfusion ermöglicht beispielsweise antibiotische oder hormonelle Therapien oder die Optimierung des Leberstoffwechsels. Zudem können langwierige Labor- oder Gewebeuntersuchungen ohne Zeitdruck gemacht werden. Unter normalen Umständen ist dies nicht möglich, weil Organe mit der herkömmlichen Lagerung auf Eis und den handelsüblichen Perfusionsmaschinen lediglich während zwölf Stunden aufbewahrt werden können. Heilversuch geglückt Die Ärzte boten im Rahmen eines bewilligten individuellen Heilversuches einem Krebspatienten auf der Swisstransplant-Warteliste an, die behandelte Spenderleber einzusetzen. Nach dessen Zustimmung wurde das Organ im Mai 2021 transplantiert. Der Patient konnte wenige Tage nach der Transplantation das Spital verlassen und ist heute wohlauf. Der Beitrag über die erstmalige Transplantation einer in der Perfusionsmaschine aufbereiteten Leber wurde am 31.05.2022 in „Nature Biotechnology“ publiziert. „Unsere Therapie zeigt, dass es mit der Behandlung von Lebern in der Perfusionsmaschine möglich ist, den Mangel an funktionsfähigen Spenderorganen zu mildern und Leben zu retten“, erklärt Prof. Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich (USZ). Prof. Mark Tibbitt, Professor für Makromolekulares Engineering an der ETH Zürich, ergänzt: „Die in diesem Projekt gelebte interdisziplinäre Herangehensweise zum Lösen von komplexen biomedizinischen Herausforderungen ist die Zukunft in der Medizin. So können wir neue Erkenntnisse noch schneller für die Behandlung der Patient*innen nutzen.“ Der nächste Schritt im Liver4Life Projekt besteht darin, das Verfahren an weiteren Patienten zu überprüfen und die Wirksamkeit und Sicherheit in Form einer multizentrischen Studie zu zeigen. Künftig würde damit eine Lebertransplantation, welche zumeist ein Notfalleingriff darstellt, in einen planbaren Wahleingriff verwandelt. Parallel dazu wird eine nächste Generation der Maschinen entwickelt. Daneben wird in der Grundlagenforschung weiterhin nach Wegen gesucht, weitere Lebererkrankungen außerhalb des Körpers mit Medikamenten, Molekülen oder Hormonen zu behandeln. Das Projekt Liver4Life ist 2015 unter dem Dach des Wyss Zurich Translational Center (Wyss Zurich) entstanden. Es bringt das technische Know-how und das biomedizinische Wissen von rund zehn Medizinern, Biologen und Ingenieuren zusammen. Finanziert wird das Projekt mit Spenden des Initiators von Wyss Zurich, Dr. Hansjörg Wyss.
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