Weniger Muskeln, mehr Fett: Zusammenhang mit chronischen Rückenschmerzen

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Gehen eine geringe magere Muskelmasse (LMM) und viel intramuskuläres Fettgewebe (InterMAT) mit einem erhöhten Risiko für chronische Rückenschmerzen (CBP) einher? Einen solchen Zusammenhang legen jedenfalls MRT-Daten der deutschen Nationalen Kohorte (NAKO) nahe, die kürzlich im Fachmagazin „The Lancet Regional Health – Europe“ publiziert wurden.

Zur Bestimmung von LMM und InterMAT verwendeten die Forscher Ganzkörper-MRT-Scans von 30.868 Teilnehmern der NAKO, die zwischen dem 1. Mai 2014 und dem 1. September 2019 erhoben wurden. CBP wurde als Rückenschmerzen von >3-monatiger Dauer definiert. Die Zusammenhänge wurden mittels gemischter logistischer Regression analysiert, wobei Alter, Geschlecht, Diabetes, Dyslipidämie, Osteoporose (OP), Osteoarthritis (OA), körperliche Aktivität und Studienort berücksichtigt wurden.

Insgesamt wurden 27.518 Teilnehmer (55,7% Männer; Median 49 Jahre; IQR 41–57) in die Analyse einbezogen, von denen 21,8% (n=6003) CBP angaben. Teilnehmer mit CBP waren signifikant älter (Median 53 Jahre; IQR 46–60 vs. 48 Jahre; IQR 39–56), häufiger weiblich (50% vs. 42,7%), hatten einen geringfügig höheren Body-Mass-Index (27,1 ±4,9 kg/m2 vs. 26,3 ±4,6 kg/m2) und litten häufiger an Diabetes mellitus, Dyslipidämie, OP und OA. Teilnehmer mit mäßiger selbstberichteter körperlicher Aktivität hatten am seltensten CBP (hoch 24,6%, niedrig 22,0% vs. mäßig 19,4%; beide p<0,0001). Außerdem waren bei Teilnehmern mit CBP die InterMAT-Werte signifikant höher (7,3 ±2,8% vs. 6,44 ±2,32%) und die LMM-Werte niedriger (25,32 ±6,6 cm3/kg/m2 vs. 26,98 ±6,62 cm3/kg/m2).

Angepasste Analysen ergaben, dass höheres InterMAT (OR 1,22 pro 2-Z-Einheiten; 95%-KI 1,13–1,30; p<0,0001) mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für CBP assoziiert war, während eine höhere LMM (OR 0,87 pro 2-Z-Einheiten; 95%-KI 0,79–0,95; p=0,003) mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit für CBP einherging. Stratifizierte Analysen bestätigten, dass diese Zusammenhänge auch bei Personen mit OA und OP bestanden. Eine höhere Schmerzintensität (NRS ≥4) korrelierte mit einer niedrigeren LMM (OR 0,63 pro 2-Z-Einheiten; 95%-KI 0,57–0,70; p<0,0001) und einem höheren InterMAT (OR 1,22 pro 2-Z-Einheiten; 95%-KI 1,13–1,30; p<0,0001), unabhängig von körperlicher Aktivität, OP und OA.

Fazit
Diese groß angelegte, populationsbasierte Studie hebt die Zusammenhänge zwischen intramuskuläres Fettgewebe und einer geringen mageren Muskelmasse mit chronischen Rückenschmerzen hervor. Da es sich lediglich um Querschnittsdaten handelt, können die Daten lediglich als Anstoß für weitere kausale Untersuchungen in einem breiteren, multidisziplinären Rahmen gesehen werden, wie die Autoren um Sebastian Ziegelmayer, Klinikum rechts der Isar, einschränken. (ah)

Autoren:  Ziegelmayer S et al.
Korrespondenz: Sebastian Ziegelmayer; [email protected]
Studie: Intermuscular adipose tissue and lean muscle mass assessed with MRI in people with chronic back pain in Germany: a retrospective observational study
Quelle: Lancet Reg Health Eur 2025;54:101323.
Web: https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2025.101323