Wenn Hepatitis-E-Viren Nervenzellen angreifen22. November 2024 Mit Hepatitis E infizierte primäre Neurone aus menschlichen Nierenzellen, die mit dem Urin ausgeschieden werden. (Quelle: © Molekulare und Medizinische Virologie, RUB) Forschende der Ruhr-Universität Bochum haben ein Zellmodell entwickelt, an dem sich die Interaktion von Hepatitis-E-Viren (HEV) mit Nervenzellen erstmals untersuchen lassen. Damit gelang der Nachweis, dass das Virus die Zellen direkt infizieren kann und dass die Zellen sich davor nicht durch eine Immunreaktion schützen können. Hepatitis E tritt weltweit häufig auf, verläuft aber oft unbemerkt. „Genaue Daten über die Häufigkeit neurologischer Auswirkungen der Infektion gibt es nicht“, erklärt Michelle Jagst aus der Abteilung Molekulare und Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bochum. Bekannt ist, dass bis zu elf Prozent der Patienten mit bestimmten neurologischen Krankheitsbildern wie Guillain-Barré-Syndrom oder Neuralgische Amyotrophie Antikörper gegen HEV aufweisen oder mit dem Virus infiziert sind. Zellen werden direkt infiziert Um mehr Licht ins Dunkel bringen zu können, nutzt die Forschungsgruppe ein Zellmodell, das im Forschungszentrum Neuroimmunologie entwickelt wurde und mit dem sich erstmals untersuchen lässt, was HEV mit Nervenzellen machen. „Dazu werden menschliche Nierenzellen genutzt, welche mit dem Urin ausgeschieden werden, und so umprogrammiert, dass sie sich zu Nervenzellen entwickeln“, erklärt Dr. Barbara Gisevius aus dem Forschungszentrum Neuroimmunologie. Mithilfe dieser primären Neuronen konnten die Forschenden feststellen, dass HEV in der Lage sind, die Nervenzellen direkt zu infizieren. Die Nervenzellen verfügen über eine geringe Immunantwort gegen das Virus, können sich also selbst nicht davor schützen. „Das bedeutet, dass die neurologischen Auswirkungen von HEV zumindest zum Teil auf einer direkten Infektion der Nervenzellen beruhen könnten und nicht ausschließlich auf anderen Mechanismen wie etwa einer Reaktion des Immunsystems, auch wenn diese eine zusätzliche Rolle spielen könnten“, erklärte Prof. Eike Steinmann, Abteilung Molekulare und Medizinische Virologie. Außerdem konnten die Forschenden beobachten, dass sich bei HEV-Kontakt die Fortsätze der Nervenzellen verkürzen. „Das ist ein Hinweis auf morphologische Veränderungen durch das Virus, die auch bei anderen viralen Erkrankungen zu beobachten sind“, berichten die Forschenden. Sie wollen in Zukunft weiter daran arbeiten, die Interaktion zwischen HEV und Neuronen zu verstehen. „Interessant wäre zum Beispiel der Vergleich zwischen den Nervenzellen gesunder und HEV-infizierter Menschen“, erklärt Jagst.
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