Wetterextreme: Studie deutet auf sozial geprägte Wahrnehmung hin23. Juni 2026 Abbildung/KI-generiert: Vadym/stock.adobe.com Soziale Stellung, Wohnort und persönliche Erfahrungen beeinflussen, wie ältere Menschen extremes Wetter wahrnehmen. Darauf weisen die Ergebnisse einer neuen Studie hin. Die Untersuchung unter der Leitung von Forschenden der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL Krems; Österreich), dass Umweltbewusstsein, Wohnort, Bildungsniveau und finanzielle Situation die Wahrnehmung von Extremwetter bei Menschen ab einem Alter von 50 Jahren mitprägen. In der Studie untersuchten deren Autoren die Wahrnehmung von Veränderungen in der Häufigkeit und Intensität von Hitze, Dürre, Stürmen, Niederschlägen und Überschwemmungen sowie Veränderungen der Schneemengen im Winter. Basierend auf österreichischen Daten einer europaweiten Umfrage zeigt die Studie, dass Menschen den Klimawandel nicht nur anhand messbarer Wetterveränderungen erleben, sondern ihn auch durch ihre Lebensumstände und persönlichen Erfahrungen einordnen. Erfahrung Älterer nutzen, für geeignete Lebensumstände sorgen Ältere Menschen sind aus mehreren Gründen auch für die Klimaforschung von Bedeutung. Einerseits sind sie besonders anfällig für Hitze, Überschwemmungen, Stürme und andere klimabedingte Gefahren, andererseits verfügen sie über ein langjähriges Gedächtnis hinsichtlich des Wechsels der Jahreszeiten und der lokalen Umwelt. Dennoch sind sie nicht nur passive „Opfer”: Da ihr Anteil an der Gesellschaft wächst, gewinnen ihre Wohnbedürfnisse, ihre Mobilität, ihr Konsum und ihr Alltagsverhalten zunehmend an Bedeutung für die Klimapolitik. Gleichzeitig könne ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr soziales Kapital die Anpassung an den Klimawandel unterstützen, heißt es in einer Mitteilung der KL Krems. Die Wissenschaftler von der KL Krems und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten (ebenfalls Österreich) untersuchten daher, wie ältere Menschen Extremwetterereignisse erleben und welche sozialen Einflüsse dabei eine Rolle spielen. Mehr als nur das Wetter „Ältere Menschen erleben den Klimawandel nicht in einem sozialen Vakuum“, erläutert Jasmin Riederer vom Kompetenzzentrum für Gerontologie und Gesundheitsforschung an der KL Krems. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung von Extremwetterereignissen stark von Umweltbewusstsein, Lebensumfeld und sozioökonomischen Faktoren geprägt ist. Dieses Wissen ist entscheidend, damit Klimakommunikation und Anpassungsmaßnahmen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen wirksam erreichen können.“ Die Analyse basiert auf österreichischen Daten aus dem Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE). Die Antworten von 3170 Personen im Alter ab 50 Jahren wurden mithilfe von Regressionsmodellen analysiert, um zu untersuchen, welche sozialen Faktoren mit einer stärkeren Wahrnehmung von Extremwetter in Verbindung stehen. Die meisten Befragten berichteten, seit ihrer Kindheit eine Zunahme der Häufigkeit oder Intensität verschiedener Wetterphänomene beobachtet zu haben, insbesondere von Hitzetagen, Dürren, Stürmen und Durchschnittstemperaturen. Das auffälligste Ergebnis betraf den Schnee: 91,1 Prozent berichteten von einem Rückgang einer durchgängigen Schneedecke, wobei 61 Prozent einen erheblichen Rückgang wahrnahmen. Doch dieses breite Bewusstsein war nur ein Teil des Gesamtbildes. Den stärksten Zusammenhang zeigte das Umweltbewusstsein, wobei im Rahmen der Studie nicht festgestellt wurde, ob das Bewusstsein die Wahrnehmung prägt oder – umgekehrt – ob wahrgenommene Veränderungen das Bewusstsein stärken. Auch der Wohnort machte einen Unterschied. So nahmen ältere Menschen, die in Großstädten lebten, stärkere Zunahmen von Extremwetter wahr als diejenigen, die in mittleren Städten, Kleinstädten oder ländlichen Gebieten lebten. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich bestimmte Klimaeffekte – insbesondere Hitze – in dicht bebauten Städten unmittelbarer bemerkbar machen. Bewohner ländlicher Gebiete interpretieren Wetterschwankungen möglicherweise häufiger als Teil langfristiger saisonaler Schwankungen. Soziale Filter Auch Bildung und finanzielle Situation beeinflussten die Ergebnisse: Befragte mit höherem Bildungsniveau nahmen stärkere Zunahmen von Wetterextremen wahr als jene mit niedrigerem Bildungsniveau. Erhebliche finanzielle Schwierigkeiten gingen ebenfalls mit einer stärkeren Wahrnehmung von Wetterextremen einher, während moderate finanzielle Herausforderungen keinen signifikanten Unterschied zur Wahrnehmung von Personen in gesicherten finanziellen Verhältnissen zeigten. Keinen statistisch signifikanten Zusammenhang fanden die Forschenden hingegen für subjektive Gesundheit und Einsamkeit – ein Befund, der bisherige Annahmen infrage stellt. Lukas Richter von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten und der Wirtschaftsuniversität Wien sagt: „Diese Unterschiede zeigen, warum Klimakommunikation nicht nach einem Einheitsschema erfolgen kann. Ältere Menschen interpretieren Umweltveränderungen anhand ihrer täglichen Umgebung, ihrer sozialen Situation und der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen. Anpassungsstrategien müssen diese Unterschiede ernst nehmen.“ Die Ergebnisse leisten nach Auffassung der Autoren einen Beitrag zur Klimagerontologie – einem Forschungsgebiet, das sich mit der Schnittstelle zwischen Bevölkerungsalterung und Klimawandel befasst. Ältere Menschen sollten demzufolge nicht nur als besonders betroffene Gruppe betrachtet werden, sondern auch als Akteure, deren Erfahrungen und Entscheidungen für die Anpassung an den Klimawandel relevant sind. Nötig seien nun klimaresiliente Wohnformen, barrierefreie Informationen, starke lokale Netzwerke und eine entsprechende Kommunikation, schreibt die KL Krems in einer Mitteilung anlässlich der Veröffentlichung der Studie in „Frontiers in Psychology“.
Mehr erfahren zu: "US-Untersuchung wegen deutscher Arzneipreise – Zölle drohen" US-Untersuchung wegen deutscher Arzneipreise – Zölle drohen US-Präsident Trump will gegen die horrenden Preise für Arzneimittel in seinem Land vorgehen – auch mit seinem liebsten Handelswerkzeug. Eine neue Maßnahme könnte für Deutschland schmerzhaft werden.
Mehr erfahren zu: "Starke Muskeln, gesundes Herz: Krafttraining schützt Frauen vor kardiovaskulären Erkrankungen" Starke Muskeln, gesundes Herz: Krafttraining schützt Frauen vor kardiovaskulären Erkrankungen Frauen, die Krafttraining betreiben, haben möglicherweise ein geringeres Risiko für schwere Herzerkrankungen, insbesondere in Kombination mit Ausdauertraining. Zu diesem Ergebnis gelangt eine prospektive Kohortenstudie unter mehr als 115.000 US-Amerikanerinnen.
Mehr erfahren zu: "Smartphones und Wearables verhelfen Herz-Kreislauf-Erkrankten zu mehr Bewegung" Smartphones und Wearables verhelfen Herz-Kreislauf-Erkrankten zu mehr Bewegung Smartphones und Wearables helfen Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dabei, sich im Alltag körperlich mehr zu betätigen. Das zeigt eine aktuelle Studie im „Journal of the American Heart Association“.