Wie Bakterien an Zellen andocken: Basis für die Entwicklung einer neuen Klasse von Antibiotika30. Juni 2022 Adhäsion von Bartonella henselae (blau) an menschliche Blutgefäßzellen (rot). Diese Bindung des Bakteriums an die Wirtszellen könnte mithilfe von Antiliganden blockiert werden. (Abbildung. © https://www.mdpi.com/2075-4418/11/7/1259) Forscher des Universitätsklinikum Frankfurt und der Goethe-Universität haben die „Anheftung“ von Bakterien an Wirtszellen aufgeschlüsselt und damit den ersten Schritt gemacht, um eine neue Klasse von Antibiotika zu entwickeln. Die Adhäsion von Bakterien an Zellen ist immer der erste und einer der wichtigsten Schritte bei der Entstehung von Infektionserkrankungen. Diese Adhäsion der Infektionserreger dient dazu, den Wirtsorganismus, beispielsweise den Menschen, erst zu besiedeln und anschließend eine Infektion auszulösen, die im schlechtesten Fall tödlich endet. Das genaue Verständnis dieser Adhärenz der Bakterien an Wirtszellen ist ein Schlüssel, um therapeutische Alternativen zu finden, die diese entscheidende Interaktion im frühestmöglichen Stadium einer Infektion blockieren. Entscheidende Wechselwirkung mit dem menschlichen Protein Fibronektin Wissenschaftler des Universitätsklinikum Frankfurt und der Goethe-Universität haben in Kollaboration mit anderen Forschern nun den Mechanismus der bakteriellen Adhärenz anhand des humanpathogenen Bakteriums Bartonella henselae aufgeklärt. Es handelt sich um den Erreger der „Katzenkratzkrankheit“, die von Tieren auf Menschen übertragen wird. In einem internationalen Kooperationsprojekt unter Leitung der Frankfurter Forschungsgruppe um Univ.-Prof. Volkhard Kempf wurde der bakterielle Adhärenz-Mechanismus mithilfe einer Kombination aus In-vitro-Adhärenztests und Hochdurchsatz-Proteomik entschlüsselt. Die Wissenschaftler haben einen zentralen Mechanismus aufgeklärt: Die bakterielle Anheftung an die Wirtszellen kann auf die Interaktion einer bestimmten Adhäsin-Klasse – den trimeren Autotransporter-Adhäsinen – mit dem im menschlichen Gewebe häufig vorkommenden Protein Fibronektin zurückgeführt werden. Bei Adhäsinen handelt es sich um bakterielle Oberflächenkomponenten, die es dem Erreger ermöglichen, sich an die biologischen Strukturen des Wirts anzuheften. Die hier als entscheidend identifizierte Adhäsin-Klasse kommt auch in vielen anderen humanpathogenen Bakterien, so zum Beispiel dem multiresistenten Acinetobacter baumannii vor, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Priorität-1-Erreger zur Erforschung neuer Antibiotika klassifiziert wurde. Die genauen Wechselwirkungspunkte zwischen den Proteinen wurden unter Einsatz modernster Protein-Analytik sichtbar gemacht. Es konnte darüber hinaus gezeigt werden, dass die experimentelle Blockade dieser Abläufe die bakterielle Adhärenz nahezu komplett verhindert. Therapeutische Ansätze, die auf eine derartige Unterbindung der bakteriellen Adhärenz zielen, könnten als neue Klasse von Antibiotika (Antiliganden) eine vielversprechende Behandlungsalternative auf dem stetig wachsenden Gebiet der multiresistenten Bakterien darstellen. Die Forschungsarbeit wurde im Rahmen eines „Marie-Curie-Trainingsnetzwerks der Europäischen Union“ („ViBrANT: Viral and Bacterial Adhesin Network Training“) im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms HORIZON 2020 der Europäischen Union gefördert. Die wissenschaftliche Arbeit wurde am 18. Juni 2022 als „Paper of the month“ durch die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) ausgezeichnet.
Mehr erfahren zu: "Chronische Hepatitis B: Schätzung der Betroffenen in Europa reicht von 2,4 bis 4,1 Millionen" Chronische Hepatitis B: Schätzung der Betroffenen in Europa reicht von 2,4 bis 4,1 Millionen Die Chronische Hepatitis B ist in der Europäischen Union und im Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EWR) weit verbreitet. Sie betraf im Jahr 2022 schätzungsweise 0,7 Prozent der Bevölkerung.
Mehr erfahren zu: "Innere Uhr der Leber steuert die tägliche Triglyceridsekretion" Innere Uhr der Leber steuert die tägliche Triglyceridsekretion Eine neue Studie zeigt einen bisher unbekannten zirkadianen Mechanismus des Transports von Triglyceriden aus der Leber auf, der für die Behandlung steatotischer Lebererkrankungen von Bedeutung sein könnte.
Mehr erfahren zu: "Alkohol und Leberschäden: Gelegentlicher starker Konsum kann bei MASLD das Risiko verdreifachen" Alkohol und Leberschäden: Gelegentlicher starker Konsum kann bei MASLD das Risiko verdreifachen Eine neue Studie legt nahe, dass nicht nur die insgesamt konsumierte Menge Alkohol, sondern auch das Muster des Konsums sogar bei moderatem Alkoholkonsum negative Effekt haben kann.