Wie ein Protein die Bauchspeicheldrüse rettet – und vernarbt

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An der Universitätsmedizin Greifswald wird Grundlagenforschung zum Krankheitsverlauf bei Pankreatitis betrieben, um langfristig gezieltere Therapieansätze entwickeln zu können.

Ein Forschungsprojekt befasste sich mit der Antwort des Immmunsystems bei einer akuten Entzündung, die sich bei einer Pankreatitis komplexer als bisher angenommen herausstellte. Die neuen Erkenntnisse können zu einer gezielteren Entwicklung von Medikamenten beitragen. Die Ergebnisse wurden im Journal „Advanced Science“ veröffentlicht.

In etwa 20 Prozent der Pankreatitis-Fälle können schwere Komplikationen bis hin zum Organversagen auftreten. Die Aktivierung von Immunreaktionen in der Bauspeicheldrüse beeinflusst maßgeblich den Verlauf einer akuten oder chronischen Entzündung. Entscheidend für diese Reaktion ist das Signalmolekül STAT6.

Wie ein Schalter reguliert STAT6 die Abwehrreaktion der Bauchspeicheldrüse. Über spezielle Botenstoffe empfängt es wie auf einer Notrufleitung das Signal zum Einschreiten. Um die Vorgänge dieses Signalwegs in der Bauchspeicheldrüse zu erforschen, schaltete die Forschungsgruppe den Signalweg und damit das STAT 6 aus.

Ausbalancierte Immunreaktion ist zur Rettung des Pankreas notwendig

Während einerseits die Entzündung anhält, verzögerte sich andererseits die Regenerierung zerstörten Gewebes in der Bauchspeicheldrüse. „Dies bedeutet, dass eine ausbalancierte Immunreaktion notwendig ist, um die Rettung des Organs einzuleiten“, sagt Dr. Juliane Glaubitz von der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin A in Greifswald, die als Co-Letztautorin an dieser ausschließlich von Greifswalder Wissenschaftlern durchgeführten Studie beteiligt war.

Auch ohne stabilisierendes STAT6 kommt es zur Vernarbung

So wichtig die Rolle von STAT6 bei der Geweberegeneration ist, so nachteilig kann seine Beteiligung am Prozess der Vernarbung des Organs sein. Vernarbung dient dazu, das geschädigte Gewebe zu stabilisieren, was ebenfalls von STAT6 beeinflusst wird. Zu viel Vernarbung verdrängt jedoch gesundes Gewebe und führt letztendlich zum Funktionsverlust des Organs.

Eine Reduzierung der Wirkung von STAT6 erscheint daher zwar sinnvoll, jedoch zeigen die Ergebnisse, dass es auch ohne STAT6 zur Vernarbung kommt. „Das bedeutet, dass der Körper auch hier Mittel und Wege findet, alternative und bisher unbekannte Prozesse zu aktivieren“, schlussfolgert Glaubitz.

Nötig sind zielgerichtete Medikamente

Für eine Therapieentwicklung ist diese Entdeckung wichtig, weil beispielsweise eine einfache Blockade des Schalters STAT6 gefährliche Nebenwirkungen haben könnte. Zukünftige Medikamente müssen folglich zielgerichteter entwickelt werden. „Hier ist die Balance entscheidend. Unsere Untersuchungen zeigen, dass es nicht zielführend ist, nur einen Schalter zu bewegen. Das System muss als Ganzes betrachtet werden,“ sagt Glaubitz.

„Diese Form der Grundlagenforschung erzielt langfristige Ergebnisse“, sagt Professor Karlhans Endlich, wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin. „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen beispielhaft am Pankreas die Komplexität des menschlichen Körpers und seiner vielen noch unerforschten Heilungsmechanismen. Die Unimedizin Greifswald wird auch in Zukunft weiter in diesem Feld forschen, um Wege zu neuen Therapien und Medikamenten zu finden.“