Wie gesunder Schlaf die Hirngesundheit schützt

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Ausreichend Schlaf ist ein wichtiger Baustein der Hirngesundheit: Er unterstützt die Gedächtnisbildung und könnte das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer senken. Zum World Brain Day 2026 rufen DGN und Deutsche Hirnstiftung dazu auf, Schlaf stärker zu beachten.

„Viele Menschen betrachten Schlaf noch immer als verlorene Zeit. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Schlaf ist Hochleistungsmedizin für das Gehirn. Erst während des Schlafs werden neu gelernte Informationen dauerhaft gespeichert und das Gehirn auf den nächsten Tag vorbereitet“, erklärt Prof. Peter Young, Bad Feilnbach, Schlafexperte und Fachbeirat der Deutschen Hirnstiftung.

Bereits eine Nacht Schlafmangel beeinträchtigt das Gedächtnis

Dass Schlaf unverzichtbar für die geistige Leistungsfähigkeit ist, belegen zahlreiche experimentelle Studien. Bereits eine einzige Nacht ohne Schlaf reduziert am folgenden Tag die Fähigkeit des Gehirns, neue Erinnerungen zu bilden, um rund 40 Prozent. Besonders betroffen sind Aufmerksamkeit, Konzentration, Arbeitsgedächtnis sowie komplexe Denkprozesse wie Planung, Problemlösen und Entscheidungsfindung. Umgekehrt verbessert ausreichend langer und qualitativ hochwertiger Schlaf nachweislich die Gedächtnisleistung und erleichtert das Lernen.

Entscheidend ist dabei vor allem der Tiefschlaf. In dieser Schlafphase werden neue Erinnerungen aus dem Hippocampus in den Neokortex übertragen und dort langfristig gespeichert. Gleichzeitig werden weniger wichtige synaptische Verbindungen wieder abgeschwächt. Das Gehirn spart dadurch Energie und schafft Platz für neue Informationen – ein Prozess, den Forschende als „synaptische Homöostase“ bezeichnen.

Guter Schlaf: Ein Schutz vor Alzheimer

In den vergangenen Jahren hat sich zudem gezeigt, dass Schlaf weit mehr beeinflusst als die kognitive Leistungsfähigkeit. Menschen, die über Jahre zu wenig oder schlecht schlafen, erkranken häufiger an einer Demenz. Eine große Langzeitstudie zeigte, dass Personen, die zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr regelmäßig weniger als sechs Stunden pro Nacht schliefen, später ein rund 30 Prozent höheres Demenzrisiko hatten. Gleichzeitig verändern frühe Alzheimer-Prozesse bereits jene Hirnregionen, die den Schlaf steuern. Schlafstörungen können daher viele Jahre vor ersten Gedächtnisproblemen auftreten – Ursache und Folge der Erkrankung verstärken sich gegenseitig.

Ganz wesentlich tragen die Eiweißproteine Amyloid-β und Tau zur Krankheitsentwicklung bei Alzheimer bei. Während längerer Wachphasen steigt ihre Konzentration im Gehirn an. Schon eine einzige Nacht Schlafentzug kann den Amyloidspiegel erhöhen; auch Tau reagiert empfindlich auf Schlafmangel. Beide Proteine gelten als Treiber der Alzheimer-Erkrankung: Amyloid scheint krankhafte Tau-Veränderungen zu begünstigen, während Tau eng mit dem Verlust von Nervenzellen und dem Fortschreiten der Gedächtnisstörungen verbunden ist. Weitere Mechanismen – etwa die Rolle von Mikroglia, Astrozyten oder des Orexin-Systems – werden derzeit intensiv erforscht.

„Wir können unser Alter nicht beeinflussen – unseren Schlaf aber sehr wohl. Ausreichender und erholsamer Schlaf gehört neben Bewegung, gesunder Ernährung, geistiger Aktivität und der Behandlung von Gefäßrisikofaktoren zu den wichtigsten Maßnahmen, mit denen wir unsere Gehirngesundheit aktiv schützen können“, erklärt Prof. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie am UKSH in Kiel und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

„Schlaf ist keine Luxusreserve, die man beliebig kürzen kann. Er ist eine biologische Grundvoraussetzung für ein gesundes Gehirn – in jedem Lebensalter. Deshalb möchten wir den World Brain Day nutzen, um das Bewusstsein dafür zu stärken, dass guter Schlaf eine Investition in die Hirngesundheit von morgen ist“, betont Prof. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung.

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