Wiederkehrende Harnwegsinfekte: Methenaminhippurat als mögliche Alternative zu Antibiotika14. März 2022 Modell von Methenamin. Foto: Alexey Novikov – stock.adobe.com Methenaminhippurat hat in einer britischen Nichtunterlegenheitsstudie Erfolg in der Prävention rezidivierender Harnwegsinfekte (HWI) bei Frauen gezeigt. Im Rahmen des “antibotic stewardship” werden vermehrt Alternativen zu Antibiotika darauf untersucht, ob sie wiederkehrende HWI vermeiden können. Zum einen können sich durch regelmäßige Antibiotikaeinnahme Resistenzen bilden, zum anderen kann das Mikrobiom geschädigt werden – mit dem Effekt, dass möglicherweise erst recht vermehrte Infektionen auftreten. Der Urologe Chris Harding vom Freeman Hospital in Newcastle upon Tyne (Großbritannien) und seine Kollegen haben vor diesem Hintergrund eine multizentrische, offene, randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie von Methenaminhippurat gegenüber Antibiotika (Nitrofurantoin, Trimethoprim oder Cefalexin) in 8 Zentren in Großbritannien durchgeführt. Bei der Substanz handelt es sich um ein Derivat von Methenamin (Hexamethylentetramin, Urotropin). Teilnehmerinnen waren Frauen im Alter von ≥18 Jahren mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen, die eine prophylaktische Behandlung benötigten. Sie wurden zufällig einer Antibiotikaprophylaxe (n=120) oder Methenaminhippurat (n=120) zugeteilt. Die modifizierte Intention-to-treat-Analyse mit Nachbeobachtung für ≥6 Monate umfasste 205 (85%) Teilnehmerinnen (Antibiotika: n=102 [85%]; Methenaminhippurat: n=103 [86%]). Das Durchschnittsalter war 50 Jahre, 59% der Patientinnen waren peri-/postmenopausal. Als Nichtunterlegenheitsgrenze wurde vor Studienbeginn unter Beteiligung von Patientinnen und der Öffentlichkeit 1 HWI-Episode pro Person und Jahr festgelegt. Die HWI-Inzidenz während des 12-monatigen Behandlungszeitraums betrug bei den mit Antibiotika behandelten Patientinnen 0,89 Episoden pro Personenjahr (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,65-1,12) und 1,38 (95%-KI 1,05-1,72) in der Methenaminhippurat-Gruppe, mit einer absoluten Differenz von 0,49 (90%-KI 0,15-0,84). Nichtunterlegenheit wurde also erreicht. Über Nebenwirkungen berichteten 34 von 142 (24%) Patientinnen in der Antibiotika-Gruppe und 35 von 127 (28%) Teilnehmerinnen, die Methenaminhippurat nahmen. Die meisten unerwünschten Reaktionen waren leicht. “Eine nichtantibiotische prophylaktische Behandlung mit Methenaminhippurat könnte für Frauen mit wiederkehrenden Episoden von HWI in der Vorgeschichte angemessen sein”, schlussfolgern Chris Harding und Kollegen. Dabei solle man die Präferenzen der Patientinnen berücksichtigen. (ms)
Mehr erfahren zu: "Androgenrezeptor-Degrader zeigt gute Ergebnisse bei metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs" Weiterlesen nach Anmeldung Androgenrezeptor-Degrader zeigt gute Ergebnisse bei metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs In einer kürzlich unter der Leitung der Yale University (New Haven, USA) durchgeführten klinischen Studie zeigte ein neuartiges Medikament gegen Prostatakrebs vielversprechende Ergebnisse bei der Verringerung der Tumoraktivität und der […]
Mehr erfahren zu: "Chirurgen zwischen verschiedenen Kulturen und Ausbildungssystemen" Chirurgen zwischen verschiedenen Kulturen und Ausbildungssystemen In der DKOU-Session „Diversity matters” beschrieb ein junger Arzt aus Indien die Herausforderungen, die er als Assistenzarzt in Orthopädie und Unfallchirurgie ebenso wie viele andere Ärztinnen und Ärzte mit Migrationshintergrund […]
Mehr erfahren zu: "KIM-1 als vielversprechender Biomarker beim Nierenzellkarzinom" Weiterlesen nach Anmeldung KIM-1 als vielversprechender Biomarker beim Nierenzellkarzinom Das Kidney Injury Molecule 1 (KIM-1) könnte einen vielversprechender Biomarker in der Therapie des fortgeschrittenen klarzelligen Nierenzellkarzinoms (ccRCC) und des papillären Nierenzellkarzinoms (pRCC) darstellen. Das ergibt eine explorative Analyse der […]