Wiener Start-up entwickelt neue Krebsmedikamente2. März 2023 Richard Moriggl und Anna Orlova Foto: © Thomas Suchanek/Vetmeduni Ein vielversprechendes Spin-off der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni), das vor Kurzem gegründet wurde, geht an den Start, um neue Therapeutika für KrebspatientInnen zu entwickeln. Die technologische Basis ist eine proprietäre Plattformtechnologie zur Entdeckung von Medikamenten, die sich gegen krebsfördernde Protein-Protein-Wechselwirkungen richten. Selektiv auf spezifische onkogene Protein-Protein-Interaktionen (PPI) abzuzielen, war bisher eine kaum zu bewältigende Herausforderung in der Arzneimittelforschung. Anna Orlova, Krebsforscherin an der Vetmeduni, will das ändern: „Wir haben ein einzigartiges zellbasiertes phänotypisches Selektions-System entwickelt, das ein zuverlässiges Screening nach Inhibitoren ermöglicht, welche die Bildung bestimmter krebserregender PPI blockieren.“Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Neue zielgerichtete Therapien gegen Krebs Tyrosinkinase-Inhibitoren werden bereits bisher erfolgreich gegen Krebs eingesetzt und bestätigen die Vorteile zielgerichteter Therapien. Es gibt jedoch zahlreiche andere potente Onkogene, die bisher nicht bekämpft werden können. Ein wesentlicher Grund ist die „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“-Problematik vieler PPI. „Eine große Klasse an PPI gehört zu Proteinen, die nur als Oligomere (mehr als zwei PPI interagieren) Onkogene und damit krebserregend sind und in anderen Formen (z.B. als Dimere, zwei PPI interagieren) Proteine sind, die für den Körper lebenswichtig sind. Deshalb dürfen nur die bösartigen ‚Mr. Hyde‘-Onkogene selektiv angegriffen werden. Mit unserem phänotypischen Screening-System gelingt es, nur diese onkogenen Formen zu adressieren“, erklärt Richard Moriggl, Leiter der Abteilung für Funktionelle Krebsgenomik der Vetmeduni und ebenfalls wie Anna Orlova Co-Gründer von RIANA Therapeutics. Protein STAT5B als therapeutisches Ziel Das Pharma-Start-up nutzt wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Moriggl-Forschungsgruppe („Moriggl Lab“) der Vetmeduni und will daraus neue Therapeutika für KrebspatientInnen entwickeln. Foto: © Thomas Suchanek/Vetmeduni Das erste Molekül mit „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“-Problematik, für das im Moriggl Lab der Vetmeduni erfolgreich Oligomerisierungsinhibitoren identifiziert werden konnten ist STAT5B, ein Molekül das in seiner oligomeren Form die Entstehung von Lymphomen, Leukämien aber auch soliden Tumoren fördert. Aus einer chemischen Bibliothek mit 90.000 Substanzen konnten im Hochdurchsatzverfahren (high-throughput screen) mit Hilfe des neuartigen Screening-Systems mehrere Substanzen herausgesucht werden, die die STAT5B Oligomerisierung inhibieren und nun von dem Start-up weiterentwickelt werden. Dazu Orlova: „Die Ausrichtung auf solche onkogenen PPI, wie z.B. die Oligomerisierung von STAT5B, ist ein neuartiger, innovativer Ansatz zur Entdeckung und Entwicklung wirksamer und sicherer Medikamente gegen hämatopoetische und andere Krebsarten. Aufgrund des hochselektiven Therapiemodells erwarten wir für die von uns entwickelten Wirkstoffe deutlich weniger Nebenwirkungen bei gleichzeitiger Beibehaltung einer guten Wirksamkeit.“Erfolgreicher Technologietransfer der VetmeduniDie Entstehungsgeschichte nahm bereits 2018 ihren Lauf, als Anna Orlova und Richard Moriggl ihr vielversprechendes Forschungsprojekt „STAT5-inhibitors: Targeting STAT5 oligomerization in leukemia“ im Rahmen der VetIdeas Challenge der Vetmeduni präsentierten. Darauf folgte ein Spin-off Fellowship der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), das es Anna Orlova ermöglichte, weitere Daten zu ihrem Projekt zu generieren. Orlova wurde in den SCALEup Inkubator des Wiener Business-Inkubators INiTS aufgenommen und durchlief dort ein Trainingsprogramm für künftige GründerInnen aus dem High Tech Sektor. 2022 erhielt das Gründungsteam die Zusage für einen hochdotierten Zuschuss durch AWS Seedfinancing, wodurch RIANA Therapeutics gegründet werden konnte. Als Co-Gründer beteiligt ist die VetWIDI Forschungsholding, die als wirtschaftlich orientiertes Unternehmen im Mehrheitsbesitz der Veterinärmedizinischen Universität Wien die Lücke zwischen Forschung und Wirtschaft schließt und innovatives Unternehmertum anregt. Auch Oliver Szolar, Biotechnologe und erfolgreicher mehrfacher Biotech-Unternehmer, der das Projekt bereits seit vielen Jahren begleitet und unterstützt, ist ebenfalls als Co-Gründer und Berater mit an Bord.
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