Wildesel und Weidetiere – neue Studie zeigt Möglichkeiten zur Koexistenz15. Mai 2024 Foto: © Bishnu Sarangi – Pixabay.com Die Populationen des Persischen Wildesels (Onager) im Iran sind stark gefährdet. Eine Studie unter Beteiligung des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt nun, dass der Mensch und von ihm gehaltene Weidetiere Tiere nicht nur Konkurrenz und Gefahr sind. Demnach könnte unter bestimmten Bedingungen die Erhaltung eines gefährdeten Säugetiers mit der Viehzucht vereinbar sein – und sogar zum Schutz der Art beitragen. Die Überlebensfähigkeit vieler gefährdeter Wildtierpopulationen hängt davon ab, ob die Interaktionen mit dem Menschen und seiner Landnutzung negativ, neutral oder positiv sind. Im Zentraliran haben Wissenschaftler nun das Zusammenleben der gefährdeten Onager (Equus hemionus onager) mit dem dortigen Viehbestand analysiert. Dazu erhoben sie Vegetationsdaten in den Weidegebieten der Tiere, trackten neun Onager mit GPS-Telemetrie und bewerteten deren Nahrungsqualität anhand von Kotproben. Nachteile während der Trockenzeit – Vorteile während der Regenzeit „Während der Trockenzeit verringerte der Viehbestand das Futterangebot für Onager im Vergleich zu den Zeiten vor der Beweidung. Das weist auf eine mögliche Verdrängung der Onager durch den Viehbestand hin, wenn die Ressourcen knapp sind“, so Studien-Co-Autorin Petra Kaczensky vom FIWI der Vetmeduni. Darüber hinaus verstärkten die Wildesel ihre Futtersuche während der Nacht, wenn kein Vieh vorhanden war, was darauf hindeutet, dass Onager die Weidetiere und ihre Hirten meiden. Während der Regenzeit hingegen verfügten die Onager, die nahe bei Viehherden waren, über eine hochwertigere Ernährung als jene, die fernab von Viehherden lebten. „Dies könnte darauf hindeuten, dass die Beweidung durch Viehherden die Futterqualität für Onager möglicherweise verbessert, oder aber, dass das Nahrungsangebot wo Viehherden weiden grundsätzlich besser ist. Folglich könnte eine Zusammenarbeit mit den Viehzüchtern, um die Standorte während der Trocken- und Regenzeit regelmäßig zu wechseln, die negativen Auswirkungen der Viehbeweidung auf die Onager abmildern,“ sagt Petra Kaczensky. Chancen zur Populationserhaltung von Wildtieren durch ein kluges Miteinander Laut den Wissenschaftlern ist die nun präsentierte Studie die erste eingehende Untersuchung einer der weltweit verbliebenen Onager-Populationen und zeigt die Möglichkeit auf, dass die Erhaltung eines gefährdeten Säugetiers mit der Viehzucht vereinbar sein könnte, zumindest während der Regenzeit. Ein solch gedeihliches Miteinander wäre wichtig, weil Schutzgebiete zwar die Aussichten für die Erhaltung gefährdeter Arten verbessern können, oft aber auch eine kontrollierte menschliche Nutzung ermöglichen sollen. Wo ein Schutzgebiet auch menschliche Interessen berücksichtig, ist auch die Akzeptanz für Wildtiere meist deutlich höher.
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