Wilhelm-Griesinger-Medaille für Michael von Cranach

Für seinen Einsatz im Gedenken aller dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallenen psychisch erkrankten Menschen hat die DGPPN Prof. Michael von Cranach die Wilhelm-Griesinger-Medaille verliehen.

Mit der Wilhelm-Griesinger-Medaille würdigt die DGPPN in diesem Jahr den Psychiater und langjährigen Ärztlichen Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, Prof. Michael von Cranach. Der Vorstand der Fachgesellschaft begründete die Entscheidung mit dem großen Engagement von Cranachs für die Aufarbeitung der Rolle der Psychiatrie während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, die er entschieden vorangetrieben habe.

Konfrontiert mit der Vergangenheit seiner Klinik in Kaufbeuren, begann von Cranach schon zu Beginn seiner Tätigkeit dort, die Vorfälle an diesem geschichtsträchtigen Ort aufzuklären. Über viele Jahre und mit hohem persönlichem Einsatz engagierte sich von Cranach für dieses Projekt. Es wurden Archive und historisches Material gesichtet, Quellenstudium betrieben und eine Arbeitsgruppe gegründet. Es ging um die Krankenhausgeschichte, vor allem aber um nichts Geringeres als die Geschichte Deutschlands.

„Alle Psychiater, die sich mit der Geschichte des Faches während des Nationalsozialismus beschäftigt haben, mit dem Mord an mehr als 200.000 Patienten, stellen sich die Frage: Wie konnte es passieren? Wie hätte ich gehandelt, wenn ich damals Psychiater gewesen wäre? Um diese Frage auch nur annähernd zu beantworten, müssen wir uns mit den vielschichtigen Bedingungen auseinandersetzen, die dazu führten, dass ein Großteil der Psychiater aktiv oder zumindest als Mitläufer an den Aktionen beteiligt war, dass die Elite der deutschen Psychiatrie an der Planung und Durchführung beteiligt war,“ sagte von Cranach in seiner Rede anlässlich des DGPPN-Kongresses 2010, der den Opfern der Psychiatrie im Nationalsozialismus gewidmet war.

Im Auftrag der DGPPN hat von Cranach 1999 für den WPA-Kongress in Hamburg auch die Ausstellung „In Memoriam“ konzipiert, die vielerorts gezeigt wurde und wesentlich zur Beschäftigung mit der Geschichte der Psychiatrie während des Nationalsozialismus beigetragen hat. Darüber hinaus brachte von Cranach das Thema mit Veröffentlichungen wie „Psychiatrie im Nationalsozialismus. Die Bayerischen Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1933 und 1945“, als Berater des Films „Nebel im August“ (2016) und über zahlreiche Veranstaltungen einem breiten Publikum nahe. Weiterhin setzte er sich in Kaufbeuren eingehend mit Fragen der Sozialpsychiatrie auseinander und legte den Grundstein für eine moderne und zukunftsweisende psychiatrische Versorgung in der Region und weit darüber hinaus.

Von Cranach wurde 1941 in Berlin geboren, wuchs in Madrid auf und studierte Medizin in Bonn. Seine Weiterbildung zum Psychiater absolvierte er in München und wechselte über ein British Council Stipendiat ans Maudsley Hospital nach London. Von 1980 bis 2006 war er leitender Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, welches unter seiner Führung mit der Aufarbeitung der eigenen Beteiligung an der „Aktion T4“ in der Zeit des Nationalsozialismus begann. Zudem engagiert er sich für die Aufarbeitung der NS-„Euthanasie“ im Münchner NS-Dokumentationszentrum.

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Quellen Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN)