Wir stehen kurz vor dem „Point of no Return“4. November 2020 Prof. Dr. Jan C. Galle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e.V. Foto: DGfN Die Deutsche Geschellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN) stellt sich gegen das Positionspapier der KBV und hinter die politisch angeordneten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Professor Dr. Jan C. Galle, der Präsident der DGfN, schrieb in einer am 2. November veröffentlichten Stellungnahme: Vergangene Woche hatte die KBV und mit ihr zahlreiche ärztliche Berufsverbände – einige sollen sich zwischenzeitlich bereits distanziert haben – die harten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung mit einem Teil-Lockdown beginnend ab dem 2. November angezweifelt. Man solle stattdessen eine „Gebotskultur an erste Stelle setzen“. Im Positionspapier heißt es: „Yes, we can. So sollte auch unsere Strategie sein. Wir wollen und müssen die Menschen mitnehmen, ihnen Mut machen. Wir wollen und können es zusammen schaffen und zwar nicht mit Angst, Panik und Verboten, sondern mit dem Aufzeigen von Alternativen.“ Die im Positionspapier aufgezeigten Alternativen heißen dann AHA-Regeln und Nutzen der Corona-Warn-App – und entsprechen somit weitgehend den Maßnahmen, um deren konsequente Umsetzung seit Monaten in der Bevölkerung geworben wird. Im Ergebnis muss man aber konstatieren: „Obviously, we can´t !“ Wären die im Positionspapier aufgeführten Maßnahmen erfolgreich umgesetzt worden, stünden wir als Gesellschaft jetzt nicht vor dieser Situation. Die Pandemie hat sich trotz der Appelle an die Vernunft rasant verbreitet und ohne ein beherztes Handeln und drastische Einschränkungen von Kontakten ist nun ein Überlaufen der Intensivstationen zu befürchten: Am 2. Oktober gab es 2.673 Neuinfektionen und 373 COVID-19-Patientintinnen und Patienten wurden auf Intensivstationen behandelt.Am 16. Oktober gab es 7.334 Neuinfektionen und 690 COVID-19-Patientinnen und Patienten wurden auf Intensivstationen behandelt.Am 30. Oktober gab es 18.681 Neuinfektionen und 1.839 COVID-19-Patientinnen und Patienten wurden auf Intensivstationen behandelt. Anfang Oktober ist die Zahl der Intensivpatienten binnen zwei Wochen um den Faktor 1,8 gestiegen, Mitte Oktober dann binnen zwei Wochen bereits um den Faktor 2,7. Wir sehen ein exponentielles Wachstum und das legt nahe, dass wir ohne die verordneten Maßnahmen bis Mitte November eine Verdreifachung der Zahl intensivpflichtiger COVID-19-Patientinnen und Patienten sehen würden, wir wären dann bei über 5.500, eine Zahl, die zwar noch nichtdie Betten-, aber bereits die Personalkapazität an den Rand bringt. Damit sind wir dem „Point of no Return“, nach dessen Verstreichen einer Überlastung der Intensivstationen nicht mehr nachhaltig entgegengewirkt werden kann, bereits sehr nah – und wir dürfen daher nicht weiter nur auf Appelle und gutes Zureden setzen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) distanziert sich vom KBV-Vorschlag, den sie als irreführend und die Situation stark verharmlosend einschätzt. Der Teil-Lockdown ist alternativlos, noch mehr Zeit ohne gravierende Maßnahmen verstreichen zu lassen, würde das Gesundheitssystem zum Kollaps bringen und viele Menschenleben kosten. Aus Sicht der DGfN ist es bedauerlich und irritierend, dass gerade aus der Ärzteschaft Zweifel an der Notwendigkeit der verordneten Maßnahmen gestreut werden, was Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker ist und zur weiteren Verunsicherung der Bevölkerung beiträgt.
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