Wirkstoffkandidat kann Frühgeburt verhindern

Aufgrund nicht vollständig ausgereifter Organe sind zu früh geborene Kinder zahlreichen Risiken ausgesetzt. (Foto: © Iryna – stock.adobe.com)

Der entzündungshemmende Wirkstoffkandidat Rytvela hat in einem präklinischen Mausmodell nach Einsetzen vorzeitiger Wehen die Frühgeburtenrate und Säuglingssterblichkeit gesenkt. Die derzeitige Standardbehandlung für vorzeitige Wehen konnte keine vergleichbaren Vorteile erzielen.

„Rytvela deckt einen bisher ungedeckten medizinischen Bedarf und stellt einen vielversprechenden Behandlungsansatz dar, um die Schwangerschaft und das Wachstum des Fötus sicher zu verlängern und gleichzeitig die Entwicklung der Organe des Neugeborenen im Mutterleib zu ermöglichen“, erklärte Dr. Sylvain Chemtob, Neonatologe am Centre Hospitalier Ste Justine in Montreal (Kananda) und leitender Autor der Studie.

Die präklinische Studie, deren Ergebnisse im „Journal of Immunology“ veröffentlicht wurden, verglich den Medikamentenkandidaten Rytvela mit Nifedipin, dem in Nordamerika am häufigsten verwendeten Medikament gegen Frühgeburten. Rytvela senkte die Frühgeburtenrate um 40 Prozent, wodurch die Schwangerschaft und die Entwicklung des Fötus verlängert wurden. Das allosterische D-Peptid verhinderte entzündungsbedingte Gewebeschäden bei Neugeborenen und förderte deren Entwicklung, selbst wenn es nach Auftreten einer Entzündung verabreicht wurde.

Entzündungsprozesse ohne Immunsuppression unterbinden

Entzündungen in der Gebärmutter und der Plazenta tragen wesentlich zu vorzeitigen Wehen bei, da sie häufig eine Reihe von Entzündungssignalen auslösen, die Wehen induzieren. Rytvela ist ein negativer Modulator des Interleukin-1-Rezeptors (IL-1R) und hemmt Entzündungsprozesse. Im Gegensatz zu bestehenden IL-1ß-gerichteten Medikamenten vermeidet Rytvela eine Immunsuppression und lässt das Immunsystem intakt, um Mutter und Fötus zu schützen.

„Unsere Absicht bei der Entwicklung von Rytvela für den klinischen Einsatz war es, eine bessere Reifung des Fötus vor der Geburt zu ermöglichen und gleichzeitig schädliche Entzündungen zu unterdrücken, was mit den derzeit verfügbaren Medikamenten nicht möglich ist. Rytvela stellt einen vielversprechenden Behandlungsansatz dar, um die Schwangerschaft und die Reifung des Nachwuchses sicher zu verlängern und so den Fötus/das Neugeborene vor einer schädlichen, durch Entzündungen ausgelösten Frühgeburt zu schützen“, erklärte Dr. Tiffany Habelrih, Hauptautorin der Studie.

Vorbereitung klinischer Studien

Derzeit verfügbare Behandlungen für Frauen mit vorzeitigen Wehen sind Medikamente, die versuchen, die Wehen zu stoppen oder zu verlangsamen. Diese Medikamente verzögern die Wehen jedoch in der Regel um weniger als 48 Stunden, was eine Frühgeburt nicht verhindert und dem Fötus keine zusätzliche Entwicklungszeit verschafft.

Die Forscher schließen derzeit ihre präklinische Forschung ab und bereiten sich auf die Durchführung klinischer Studien am Menschen vor. (ej/BIERMANN)