Wirkt Metformin bei Prostatakrebs ähnlich wie Bewegung?9. April 2026 Metformin scheint bei Patienten mit Prostatakrebs den gleichen Signalweg zu aktivieren wie körperliche Bewegung. Symbolbild: luchschenF/stock.adobe.com US-Forschende haben herausgefunden, dass Metformin bei nicht diabetischen Patienten mit Prostatakrebs möglicherweise ähnliche Effekte hat wie körperliche Aktivität. Das Medikament aktiviert ein zentrales Signalmolekül und könnte beeinträchtigte Patienten während der Krebstherapie unterstützen. Eine neue Studie hat ergeben, dass das Diabetesmedikament Metformin möglicherweise eine der zentralen physiologischen Wirkungen von Bewegung bei Männern mit Prostatakrebs nachahmt. Es erhöht die Konzentration eines Moleküls, das mit dem Energiehaushalt und der Gewichtskontrolle zusammenhängt – selbst wenn die Patienten inaktiv sind. Die Studie wurde von Wissenschaftlern des Sylvester Comprehensive Cancer Center an der University of Miami Miller School of Medicine (USA) geleitet. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine veröffentlicht. Sie deuten darauf hin, dass Metformin helfen könnte, die metabolische Belastung einer Hormontherapie auszugleichen, wenn Müdigkeit und andere Nebenwirkungen die körperliche Aktivität oft einschränken. Bewegungseffekte mit Medikamenten nachahmen? Bewegung kann die Gesundheit während einer Krebsbehandlung unterstützen, indem sie dabei hilft, Gewicht, Blutzucker und die Herz-Kreislauf-Gesundheit zu regulieren. Für viele Krebspatientinnen und -patienten ist regelmäßige Bewegung jedoch nicht immer machbar. Müdigkeit, die Auswirkungen einer Hormontherapie (ADT), Schmerzen oder eine fortgeschrittene Erkrankung können die körperliche Aktivität genau dann einschränken, wenn die metabolische Gesundheit am wichtigsten wird. Die Forschenden stellten sich deshalb die Frage: Wenn Bewegung ihre Vorteile durch spezifische biologische Signale vermittelt, könnten diese dann auch auf andere Weise aktiviert werden? Laut den aktuellen Ergebnissen könnte das tatsächlich der Fall sein. Sie zeigen, dass Metformin die Konzentration des natürlich vorkommenden Moleküls N-Lactoyl-Phenylalanin, kurz Lac-Phe, erhöht. Bewegung und Metformin aktivieren gleiches Signalmolekül Lac-Phe wird produziert, wenn der Körper unter metabolischer Belastung steht. Es entsteht durch die Kombination von Laktat mit Phenylalanin. Wissenschaftler wurden erstmals auf Lac-Phe aufmerksam, weil seine Konzentration nach intensiver körperlicher Aktivität stark ansteigt und mit Veränderungen im Energieverbrauch und in der Appetitregulation einhergeht. In präklinischen und frühen Studien am Menschen wurde ein höherer Lac-Phe-Spiegel mit reduziertem Appetit und verbesserter Gewichtskontrolle in Verbindung gebracht – zwei Effekte, die häufig mit regelmäßiger Bewegung einhergehen. Das Molekül steigt jedoch nicht nur durch Bewegung an. Auch bei Menschen, die Metformin einnehmen, konnten erhöhte Lac-Phe-Werte festgestellt werden, selbst ohne körperliche Aktivität. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes schreiben neuere Studien die Wirkung von Metformin zum Teil erhöhten Lac-Phe-Spiegeln zu. In der aktuellen Studie untersuchten die Forschenden, ob sich der Signalweg, der typischerweise mit Bewegung verbunden ist, auch pharmakologisch bei Patienten ohne Diabetes aktivieren lässt. Metformin erhöht Lac-Phe-Spiegel bei Prostatakrebs Für ihre Untersuchungen konzentrierte sich das Forschungsteam auf Patienten mit Prostatakrebs. Bei bei dieser Krebsart stören hormonbasierte Therapien bekanntermaßen den Stoffwechsel und tragen zu Gewichtszunahme, Insulinresistenz und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko bei. Bei übergewichtigen und adipösen Patienten mit Prostatakrebs wurde daher im Rahmen der BIMET-1-Studie der Einsatz von Metformin zusätzlich zur Krebstherapie untersucht. Anhand von Proben der Studienteilnehmer analysierten die Forschenden, wie sich Metformin auf die Lac-Phe-Siegel auswirkt. Tatsächlich entsprachen die Lac-Phe-Spiegel bei mit Metformin behandelten Patienten in etwa denen, die nach intensiver körperlicher Anstrengung beobachtet wurden. Dies trat auf, obwohl die Patienten zum Zeitpunkt der Blutentnahme nicht trainierten. Außerdem hielt der Effekt auch nach Beginn einer ADT an. Höhere Lac-Phe-Spiegel standen hingegen nicht mit einer antitumoralen Wirkung von Metformin in Zusammenhang. So korrelierte der Metabolit nicht mit Veränderungen des prostataspezifischen Antigens (PSA). Bessere Gewichtskontrolle während Hormontherapie Für eine krebshemmende Wirkung der Metformin/Lac-Phe-Achse gibt es bisher also keine Indizien. Die Forschenden argumentieren, dass hierfür größere Studien erforderlich seien. Ihre Ergebnisse zeigten jedoch, dass Patienten, die zusätzlich zu ihrer Krebstherapie Metformin einnahmen, ihr Gewicht während der ADT besser kontrollieren konnten. „Für Patienten, deren Behandlung oder Symptome die körperliche Aktivität einschränken, könnte ein solcher Effekt besonders bedeutsam sein“, resümiert Erstautor Marijo Bilusic. Tatsächlich wurden ähnliche Effekte auch bei Patienten beobachtet, die andere metabolische Therapien erhielten. Das deute darauf hin, dass Lac-Phe eine allgemeinere metabolische Reaktion widerspiegeln könnte und keinen medikamentspezifischen Effekt, so die Forschenden. Ganzheitliche Unterstützung von Krebspatienten Die Ergebnisse bedeuten wiederum nicht, dass körperliche Aktivität durch eine Tablette ersetzt werden kann. Vielmehr liefern sie Einblicke in die inneren Signalwege, die den metabolischen Vorteilen von Bewegung zugrunde liegen – und wie diese Wege möglicherweise auch dann aktiviert werden können, wenn Bewegung eingeschränkt ist. „Krebstherapien beeinflussen den Körper oft über den Tumor hinaus“, sagt Priyamvada Rai, eine der Korrespondenzautorinnen. „Die Unterstützung der metabolischen Gesundheit kann beeinflussen, wie gut Patienten die Behandlung vertragen und wie sie sich im Laufe der Zeit fühlen.“ Bei der Krebsbehandlung ginge es nicht nur darum, den Tumor zu bekämpfen, so Rai, sondern den gesamten Patienten zu unterstützen. „Indem wir besser verstehen, wie Therapien den Stoffwechsel beeinflussen, können wir Wege finden, Patienten zu helfen, ihre Kraft, Widerstandsfähigkeit und Lebensqualität während der gesamten Behandlung zu erhalten“, ergänzt die Wissenschaftlerin abschließend. (mkl/BIERMANN) Mehr zum Thema Prostatakrebs: PSMA-PET/CT nach unklarem MRT-Befund könnte unnötige Prostatabiopsien reduzieren Prostatakrebstherapie mit Selbsteinschätzungen der Patienten verbessern
Mehr erfahren zu: "Obstruktive Azoospermie: Gute Erfolge mit longitudinaler Intussuszeptions-Vasoepididymostomie" Obstruktive Azoospermie: Gute Erfolge mit longitudinaler Intussuszeptions-Vasoepididymostomie Eine Metaanalyse aus China bestätigt die Wirksamkeit der mikrochirurgischen Vasoepididymostomie (MVE) bei epididymaler obstruktiver Azoospermie (EOA). Dabei hat die longitudinale Intussuszeptions-Vasoepididymostomie (IVE) die End-zu-End- bzw. End-zu-Seite-Techniken (EE/ES) abgelöst.
Mehr erfahren zu: "Mehrheit der Medizinstudierenden in Sachsen offen für Niederlassung" Mehrheit der Medizinstudierenden in Sachsen offen für Niederlassung Viele Medizinstudierende in Sachsen können sich eine eigene Praxis vorstellen – auch auf dem Land. Welche für sie dabei besonders wichtige Bedienungen für eine Niederlassung sind, zeigt eine Umfrage.
Mehr erfahren zu: "NCT/UCC Dresden: Förderung mit 3,8 Mio. Euro in den nächsten vier Jahren" NCT/UCC Dresden: Förderung mit 3,8 Mio. Euro in den nächsten vier Jahren Die Deutsche Krebshilfe setzt die Förderung für das Onkologische Spitzenzentrum (Comprehensive Cancer Center, CCC) am universitären Standort Dresden fort.