Zahl der Tuberkulosefälle im Kindesalter ist in der EU um 26 Prozent gestiegen24. März 2025 Schätzungsweise 225.000 Menschen erkrankten im Jahr 2023 in der Europäischen Region der WHO an Tuberkulose. (Quelle: © Science Photo Library) Länder der Europäische Union und des Europäischen Wirtschaftsraums verzeichnen das dritte Jahr in Folge einen Anstieg der Tuberkulose-Fälle bei Kindern und Jungendlichen unter 15 Jahren. Neue, vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) und dem WHO-Regionalbüro für Europa veröffentlichte Daten zeigen, dass die 29 Länder der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EWR) mit fast 39.000 gemeldeten Tuberkulosefällen im Jahr 2023 weiterhin einen Anstieg der Tuberkulose-Meldungen verzeichnen. Da Kleinkinder ein erhöhtes Risiko haben, im ersten Jahr nach der Infektion an Tuberkulose zu erkranken, dient die Tuberkulose im Kindesalter als Marker für die laufende Übertragung innerhalb einer Gemeinschaft. Die neuen Daten für 2023 zeigen, dass Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren 4,3 Prozent aller Tuberkulosefälle in der EU/im EWR ausmachten. Die Zahl der gemeldeten Fälle in dieser Altersgruppe ist das dritte Jahr in Folge angestiegen: von 1341 im Jahr 2022 auf 1689 Fälle im Jahr 2023. Das entspricht einem Plus von 26 Prozent. Darüber hinaus ist bei einem Fünftel der Kinder mit Tuberkulose in der Region nicht bekannt, ob sie ihre Tuberkulosebehandlung abgeschlossen haben. Eine unvollständige Behandlung kann zum Auftreten von arzneimittelresistenter Tuberkulose und zur weiteren Übertragung der Krankheit auf andere führen. „Die Zeit zum Handeln ist jetzt gekommen, um die Tuberkulose zu beenden. Angesichts der Tatsache, dass wir nur fünf Jahre Zeit haben, um unsere Ziele für 2030 zu erreichen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Europa seinen Schwerpunkt erneut auf Prävention und rechtzeitige, wirksame Behandlung legt. Angesichts der Zunahme der arzneimittelresistenten Tuberkulose werden wir alle morgen den Preis für unsere Untätigkeit zahlen müssen“, warnte ECDC-Direktorin Pamela Rendi-Wagner. Behandlungserfolgsquoten bleiben zurück Ähnlich wie in den Vorjahren war die Erfolgsquote der Tuberkulosebehandlung im Jahr 2023 in den EU-/EWR-Ländern niedriger als in der übrigen Europäischen Region der WHO (67,9% bzw. 77,2%). Damit klafft eine erhebliche Lücke zwischen den derzeitigen Behandlungserfolgsraten und den von der WHO gesetzten globalen Zielen, die einen Behandlungserfolg bei mindestens 90 Prozent der Patienten anstreben. Die multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar: Nur etwa jeder zweite (56 %) MDR-TB-Patient schloss den veröffentlichten Daten zufolge sein Behandlungsregime erfolgreich ab. Dies zeigt deutlich, dass es in der gesamten Region immer wieder Probleme bei der wirksamen Behandlung von arzneimittelresistenter Tuberkulose gibt. Mögliche Gründe hierfür könnten mangelnde Therapietreue, Verzögerungen bei der Diagnose und unzureichender Zugang zu geeigneten Therapien sein. Trotz der Verbesserungen in der Tuberkulosediagnostik und -behandlung unterstreicht das Fortbestehen der MDR-TB und anderer arzneimittelresistenter Formen der Tuberkulose des ECDC zufolge die dringende Notwendigkeit wirksamerer Behandlungsstrategien und eines besseren Patientenmanagements, beispielsweise durch neue und kürzere orale Behandlungsschemata ohne Injektionen.
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