Zi-Studie: Ambulanter Versorgung Nierenkranker droht Engpass8. Juli 2025 Foto: © mi_viri/stock.adobe.com Bis 2030 muss mit einer Zunahme der Nachfrage an nephrologischer Versorgung um bis zu 24 Prozent gegenüber 2022 gerechnet werden. Das teilt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) mit. Gleichzeitig treten bis 2030 voraussichtlich 27 Prozent der 2022 aktiven Nephrologen in den Ruhestand. Die durchschnittliche Arbeitszeit wird sich, bedingt durch den Trend zu mehr Anstellungen und Teilzeit, auf etwa 92 Prozent des Niveaus von 2022 verringern. Um das Versorgungsniveau von 2022 aufrecht zu erhalten, fehlen bei geschätzten Nachbesetzungen von 85 Nephrologen pro Jahr bis 2030 voraussichtlich bis zu 425 entsprechende Fachärzte. Das sind die zentralen Ergebnisse der aktuell vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) gemeinsam mit Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel veröffentlichten Studie zur „Projektion nephrologischer Versorgung in Deutschland. Ambulante Inanspruchnahme und Verfügbarkeit 2022 bis 2040“. Grundlage für diese Einschätzung ist die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung und Fallzahlabschätzung. CKD im Fokus Derzeit seien in der Altersgruppe ab 40 Jahren knapp drei Millionen gesetzlich Versicherte mit einer Chronischen Nierenkrankheit (CKD) in vertragsärztlicher Versorgung, so die Studie. Zwischen 2013 und 2022 sei die Diagnoseprävalenz der CKD in dieser Altersgruppe von 4,4 auf 7,1 Prozent angestiegen. Dies entspricht einem Zuwachs um 60 Prozent. Das weise darauf hin, dass in zunehmendem Maße Personen mit zuvor unerkannter CKD in der vertragsärztlichen Versorgung erkannt, diagnostiziert und ambulant behandelt würden. Die Fallzahlen pro Versicherten unterschieden sich stark nach Alters- und Geschlechtsgruppe: Im Jahr 2022 kamen auf 1.000 30- bis 44-Jährige durchschnittlich weniger als 25 nephrologische Behandlungsfälle, wohingegen auf 1.000 Männer im Alter von 75 Jahren und älter im Durchschnitt mehr als 160 Fälle entfielen. Während die Nachfrage nach ambulanter nephrologischer Versorgung kontinuierlich zunimmt, sinkt gleichzeitig die Anzahl der in der fachärztlichen Versorgung tätigen Vertragsärzte. Im Referenzjahr 2022 sind laut Bundesarztregister 1.734 Nephrologen in der vertragsärztlichen Versorgung zugelassen oder angestellt gewesen. 27,3 Prozent waren 60 Jahre oder älter, weitere 22,2 Prozent waren zwischen 55 und 59 Jahre und weitere 18,9 Prozent zwischen 50 und 54 Jahre alt. Unter Berücksichtigung der Facharztanerkennungen der vergangenen Jahre sowie einem zunehmenden Trend bei den ambulant tätigen Nephrologen zur Anstellung und Teilzeit fehlen zur Aufrechterhaltung der ambulanten Versorgung pro Jahr bis 2030 insgesamt 222 bis 425 Leistungserbringende. Der Bedarf läge nach der Berechnung im Jahr 2030 bei bis zu 2.365 Nephrologen. Im Vergleich: 2022 waren es 1.734 Fachärzte in der ambulanten Versorgung. Demografische Entwicklung berücksichtigen „Die nephrologische Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten in Deutschland ist seit vielen Jahren eine anhaltende Erfolgsstory: Die stetig steigende Anzahl von CKD-Behandelten spricht für eine Verbesserung der ambulanten Versorgung von chronisch Nierenerkrankten. Denn: Ambulante Versorgung kann stationäre Aufenthalte vermeiden und ist damit entscheidend für die Entlastung des gesamten Gesundheitssystems, insbesondere bei älteren Versicherten mit chronischer CKD. Doch angesichts der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts droht sich langsam eine Versorgungslücke zu öffnen. Denn während der Bedarf weiter deutlich steigt, fehlen Fachkräfte. Wenn wir jetzt nicht gezielt gegensteuern, droht in wenigen Jahren eine spürbare Eintrübung der fachärztlichen Versorgung, die insbesondere Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen treffen würde“, kommentiert der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.
Mehr erfahren zu: "Datenbasierte Früherkennung soll chronische Nierenkrankheit schneller diagnostizieren" Datenbasierte Früherkennung soll chronische Nierenkrankheit schneller diagnostizieren Die Betriebskrankenkassen (BKK) starten gemeinsam mit dem BKK Dachverband, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), der Charité Berlin und dem Nephrologen Prof. Thorsten Feldkamp (Rendsburg/Eckernörde) ein Pilotprojekt für die datenbasierte Früherkennung der […]
Mehr erfahren zu: "CKM-Syndrom: Starker Anstieg des hs-CRP-Werts bereits im Frühstadium" CKM-Syndrom: Starker Anstieg des hs-CRP-Werts bereits im Frühstadium US-amerikanische Daten deuten an, dass sich das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) bereits in Stadium 1 des kardiovaskulär-renalen-metabolischen (CKM-)Syndroms nahezu verdoppelt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer frühzeitigen Prävention von Herz-Kreislauf- […]
Mehr erfahren zu: "Wer bekommt die Niere? – KI trifft ethische Entscheidungen anders als Menschen" Wer bekommt die Niere? – KI trifft ethische Entscheidungen anders als Menschen Auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Sprachmodelle gewichten Patientenmerkmale offenbar anders als Menschen und entscheiden selbst bei unklarer Sachlage mit hoher Sicherheit, wie eine Studie zeigt. Das wirft Fragen zum Einsatz […]