Zöliakie: Frühe Gabe von Medikamenten erhöht das Risiko

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Zöliakie ist eine der häufigsten nicht­infektiösen Darmerkrankungen, die Kinder und Erwachsene betreffen kann. In Deutschland gehen Experten mittlerweile von einer Prävalenz von 0,9% aus.

Ursachen der Zöliakie sind eine genetische Veranlagung (HLA-DQ2 und/oder HLA-DQ8) sowie die Zufuhr glutenhaltiger Nahrung. Eine US-amerikanische Studie, die im „Journal of Pediatrics“ erschienen ist, zeigt nun, dass Kinder, die in den ersten 6 Lebensmonaten Antibiotika, Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder Histamin-2-Rezeptor-Antagonisten (H2RA) erhalten haben, ein erhöhtes Risiko für eine frühkindliche Diagnose einer Zöliakie haben.

Für die Studie analysierten Micheal Boechler und Kollegen vom Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda, USA, retrospektiv Daten des Military Healthcare Systems zu Kindern, die zwischen 2001 und 2013 zur Welt gekommen waren. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf ambulante Verschreibungen von Antibiotika-, PPI- und H2RA in den ersten 6 Lebensmonaten sowie eine spätere Zöliakie­Diagnose. Mithilfe einer Cox-Proportional-Hazards-Regression errechneten die Autoren das Risikoverhältnis (HR) für die Entwicklung von Zöliakie auf der Grundlage der Medikamentenexposition. Die mediane Nachbeobachtungszeit für die Kohorte betrug 4,5 Jahre.

Bei 968.524 Kindern, die die Einschlusskriterien der Studie erfüllten, traten 1704 Fälle von Zöliakie auf. Dabei war die Einnahme von PPI (HR 2,23; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,76–2,83), H2RA (HR 1,94; 95%-KI 1,67–2,26) und Antibiotika (HR 1,14; 95%-KI 1,02–1,28) jeweils mit einem erhöhten Risiko für Zöliakie verbunden.

Fazit
Die Studie zeige modifizierbare Faktoren wie die Gabe von Medikamenten, die Einfluss auf das Zöliakie-Risiko von Kindern haben, schreiben die Autoren und plädieren für einen verantwortungsvollen Umgang. (ej)

Autoren: Boechler M et al.
Korrespondenz: Michael Boechler; [email protected]
Studie: Acid Suppression and Antibiotics Administered during Infancy Are Associated with Celiac Disease
Quelle: J Pediatr 2023;254:61–67.e1.
Web: https://doi.org/10.1016/j.jpeds.2022.10.013