Zusammenhang von Allergie und Asthma im Kindesalter9. Januar 2024 © New Africa – stock.adobe.com (Symbolbild) In der bevölkerungsbasierten Längsschnitt-Kohortenstudie „HealthNuts“ erforschten die Autoren Zusammenhänge zwischen einer Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmittel bzw. einer mittels Nahrungsmittelprovokation ausgelösten Allergie im Säuglingsalter und einer bis zum Alter von 6 Jahren persistierenden bzw. abgeklungenen Nahrungsmittelallergie einerseits und dem Risiko für Lungenfunktionsstörungen und Asthma im Alter von 6 Jahren andererseits. Für die Studie rekrutierte man 5276 Kleinkinder im Alter von 1 Jahr aus einem Impfprogramm in Melbourne (Australien). Die Kinder wurden einem Haut-Pricktest auf 4 Nahrungsmittelallergene (Ei, Erdnuss, Sesam und entweder Garnelen oder Kuhmilch) sowie einem oralen Nahrungsmitteltest (Ei, Erdnuss und Sesam) unterzogen. Die Eltern füllten Fragebögen zur Allergiegeschichte, demografischen Merkmalen und Umwelteinflüssen aus. Als die Kinder 6 Jahre alt waren, lud man sie zu einer erneuten Untersuchung ein. Diese bestand in einem Pricktest (Lebensmittel: Milch, Ei, Erdnuss, Weizen, Sesam, Soja, Garnele, Cashew, Mandel und Haselnuss; Inhalationsallergene: Schimmelpilze Alternaria und Cladasporum, Hausstaubmilben, Katzenhaare, Hundehaare, Bermudagras, Weidelgras und Birkenmischung) sowie oralen Nahrungsmittelprovokationen und Lungenfunktionstests mittels Spirometrie. Von den Eltern ausgefüllte Fragebögen (andere als die zuvor verwendeten) erfassten die Allergie- und Atemwegsgeschichte sowie die demografischen Merkmale des Kindes. Die Wissenschaftler untersuchten Zusammenhänge zwischen Nahrungsmittelallergie-Phänotypen (Nahrungsmittelsensibilisierungstoleranz oder Nahrungsmittelallergie; und vorübergehende, anhaltende oder spät einsetzende Nahrungsmittelallergie, Spirometrie-Messungen (z-Scores der 1-Sekunden-Kapazität [FEV1] und forcierten Vitalkapazität [FVC], FEV1/FVC-Verhältnis, forcierter exspiratorischer Fluss bei 25 % und 75 % des Lungenvolumens [FEF25–75%] und Ansprechen auf Bronchodilatation) und Asthma mittels Regression. In die Modelle wurden nur Kinder mit vollständigen Daten zu Exposition, Outcome und Störfaktoren einbezogen. Als Referenzgruppe dienten Kinder ohne Nahrungsmittelsensibilisierung oder Nahrungsmittelallergie im Alter von 1 Jahr und 6 Jahren. Von 5276 Teilnehmern wurden 3233 im Alter von 6 Jahren untersucht und in die Analyse einbezogen. Eine Nahrungsmittelallergie, jedoch keine Nahrungsmitteltoleranz mit Sensibilisierung, war im Alter von 1 Jahr mit einer verringerten FEV1 und einer geringeren FVC im Alter von 6 Jahren. verbunden (aβ −0,19; 95%-KI −0,32 bis −0,06 bzw. −0,17; 95%-KI −0,31 bis −0,04). Eine vorübergehende Allergie gegen Hühnerei war im Vergleich zu einer niemals vorhandenen solchen mit einer Verringerung bzgl. FEV1 und FVC verbunden (−0,18; 95%-KI −0,33 bis −0,03 bzw. −0,15; 95%-KI −0,31 bis 0,00), während dies bei einer persistierenden Ei-Allergie nicht der Fall war (FEV1: −0,09; 95%-KI −0,48 bis 0,31; FVC: −0,20; 95%-KI −0,62 bis 0,21). Eine transiente Erdnussallergie stand mit Verringerungen bei FEV1 und FVC in Zusammenhang (FEV1: aβ −0,37; 95%-KI −0,79 bis 0,04; FVC: aβ −0,55; 95%-KI −0,98 bis −0,12), zusätzlich zu einer persistierenden Erdnussallergie (FEV1: aβ −0,30; 95%-KI −0,54 bis −0,06; FVC: aβ −0,30; 95%-KI −0,55 bis −0,05) und einer spät auftretenden Erdnussallergie (FEV1: aβ −0,62; 95%-KI −1,06 bis −0,18; FVC: aβ −0,49; 95%-KI −0,96 bis −0,03). Schätzungen deuten laut den Forschenden darauf hin, dass Nahrungsmitteltoleranz mit Sensibilisierung und Nahrungsmittelallergien mit verringerten FEF25–75% verbunden sind, obwohl einige ungenau waren. Phänotypen einer Nahrungsmittelallergie standen nicht mit einem FEV1/FVC-Verhältnis in Zusammenhang. Eine spät auftretende Erdnussallergie stellte den einzigen Allergiephänotyp dar, der möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für ein Ansprechen auf Bronchodilatation assoziiert war (2,95; 95%-KI 0,77–11,38). Bei 430 (13,7%) von 3135 Kindern wurde Asthma vor dem 6. Lebensjahr diagnostiziert (95%-KI 12,5–15,0). Sowohl Nahrungsmitteltoleranz mit Sensibilisierung als auch Nahrungsmittelallergie im Alter von 1 Jahr waren mit einem erhöhten Asthmarisiko im Alter von 6 Jahren assoziiert (adjustierte OR 1,97; 95%-KI 1,23–3,15 bzw. 3,69; 95%-KI 2,81–4,85). Eine persistierende bzw. spät auftretende Erdnussallergie stand mit einem höheren Asthmarisiko in Zusammenhang (3,87; 95%-KI 2,39–6,26 bzw. 5,06; 95%-KI 2,15–11,90). Fazit Eine Nahrungsmittelallergie im Säuglingsalter ist – unabhängig davon, ob sie im Laufe der Zeit verschwindet oder nicht – mit Lungenfunktionsdefiziten und Asthma im Alter von 6 Jahren verbunden. Das haben die Autoren einer aktuellen Studie ermittelt. Folgeuntersuchungen zu vorbeugenden Interventionen böten die Möglichkeit zu ermitteln, ob eine Prävention von Nahrungsmittelallergien die Atemwegsgesundheit verbessert, schreiben sie. (ac) Autoren: Peters RL et al. Korrespondenz: Rachel L. Peters; [email protected] Studie: Infant food allergy phenotypes and association with lung function deficits and asthma at age 6 years: a population-based, prospective cohort study in Australia Quelle: Lancet Child Adolesc Health 2023;7(9):636–647. Web: https://doi.org/10.1016/S2352-4642(23)00133-5
Mehr erfahren zu: "Deutsche Krebshilfe: Weitere 35,4 Millionen Euro für Comprehensive Cancer Center" Deutsche Krebshilfe: Weitere 35,4 Millionen Euro für Comprehensive Cancer Center Die Deutsche Krebshilfe setzt ihre Förderung der Onkologischen Spitzenzentren (Comprehensive Cancer Center, CCCs) fort und entwickelt dieses Netzwerk konsequent weiter. Mit den Universitätskliniken Kiel, Lübeck und Mannheim werden drei neue […]
Mehr erfahren zu: "Unfallverletzte in der Primärversorgung: Vorbild Durchgangsarztverfahren" Unfallverletzte in der Primärversorgung: Vorbild Durchgangsarztverfahren Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) fordert, Unfallverletzte in einem Primärarztsystem von der verpflichtenden Erstvorstellung beim Hausarzt zwingend auszunehmen. Als Vorbild empfiehlt der BDC das Durchgangsarztverfahren.
Mehr erfahren zu: "Hilfsmittelreform: Viele Familien kämpfen weiter um Rollstühle und Orthesen für ihre Kinder" Hilfsmittelreform: Viele Familien kämpfen weiter um Rollstühle und Orthesen für ihre Kinder Laut einer Studie der Universität Witten/Herdecke (UW/H) verfehlt die Hilfsmittelreform ihr Ziel. Sie zeigt, dass drei von vier Eltern nach der Gesetzesänderung keine Verbesserung erleben.