Zusammenhang zwischen langfristiger Feinstaub-Belastung und der Hospitalisierung wegen Bluthochdruck vermutet

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Eine neue Studie unter der Leitung der Peking-Universität in Peking, China, liefert zusätzliche Belege für mögliche kausale Zusammenhänge zwischen der Langzeitbelastung durch Feinstäube im Submikron-Bereich (insbesondere PM1) und dem Risiko einer Krankenhauseinweisung wegen Bluthochdruck.

Der Zusammenhang zwischen einer Exposition gegenüber Feinstaub in den Partikelgrößen PM2,5 und PM10 und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko ist nicht neu. Zwar sind Feinstäube in der Größe bis 1 µm (PM1) ein Teil der nächstgrößeren Feinstaubkategorie (PM2,5), bisherige Studien hatten sich aber auf den Einfluss des routinemäßig überwachten Feinstaubs der Kategorie PM2,5 konzentriert. Somit besteht eine Lücke im Verständnis der blutdrucksteigernden Auswirkungen von PM1. Dem nahm sich eine Gruppe chinesischer Wissenschaftler an. Die Ergebnisse ihrer jüngsten Forschungsarbeit präsentierten sie kürzlich im Fachmagazin „Science Bulletin“.

Den potenziellen kausalen Zusammenhang einer Hospitalisierung wegen Bluthochdruck aufgrund der Langzeitexposition gegenüber PM1 und PM2,5 untersuchten sie anhand der Pearl River-Kohorte in Guangdong – einer Bevölkerungskohorte aus Südchina. Dazu setzten sie marginale strukturelle Cox-Modelle unter Verwendung verschiedener Methoden zur inversen Wahrscheinlichkeitsgewichtung ein. Zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Dezember 2020 wurden insgesamt 36.000 erwachsene Teilnehmer in die Studie aufgenommen, davon 40,6 Prozent Männer. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 50,9 Jahre.

Die Daten zur Feinstaubexposition gewannen die Forscher aus dem ChinaHighAirPollutants(CHAP)-Datensatz, der von der University of Maryland, USA, zur Verfügung gestellt wurde und hochwertige, hochauflösende Daten zur oberflächennahen Luftverschmutzung bietet. Die PM1– und PM2,5-Konzentrationen wurden mit Hilfe von räumlich-zeitlich randomisierten Baummodellen auf der Grundlage von hochauflösenden Satellitendaten geschätzt. Während des Studienzeitraums betrugen die jährlichen Durchschnittskonzentrationen von PM1 und PM2,5 17,4 μg/m³ bzw. 33,7 μg/m³.

Gemäß den aktuellen chinesischen „Ambient Air Quality Standards“ war die PM2,5-Konzentration in der Studie etwas niedriger als die Norm für die jährliche Durchschnittskonzentration von 35 μg/m3 in China. Sie übersteigt jedoch deutlich die von der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2021 veröffentlichten Luftqualitätsrichtlinien, die eine jährliche Durchschnittskonzentration von 5 μg/m3 empfehlen. Aufgrund der begrenzten Forschung existieren bislang weder internationale noch chinesische Standards für die PM1-Konzentration.

Ergebnisse der Studie

Die Studie konzentrierte sich auf den Endpunkt der ersten Krankenhauseinweisung sowohl aufgrund von allgemeiner Hypertonie als auch von essentieller Hypertonie. Für jeden Anstieg der PM1-Exposition um 1 μg/m³ im 1-Jahres-Zeitraum stieg das Risiko einer ersten Krankenhauseinweisung aufgrund von Bluthochdruck insgesamt sowie aufgrund von essentieller Hypertonie um 13,1 Prozent bzw. 15,3 Prozent. Bei einer 2-jährigen PM1-Belastung stieg das Risiko einer ersten Krankenhauseinweisung wegen allgemeiner Hypertonie und essentieller Hypertonie um 20,7 Prozent bzw. 19,0 Prozent. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die schädlichen Auswirkungen der langfristigen PM1-Exposition mindestens 2 Jahre lang anhalten. Das Risiko einer Krankenhauseinweisung wegen Bluthochdruck war bei langfristiger PM1-Exposition um 6,0 Prozent bis 11,0 Prozent höher als bei PM2,5-Exposition.

Die Studie ergab eine lineare Expositions-Wirkungs-Beziehung zwischen der PM1-Expositionskonzentration und dem Ergebnis, was darauf hindeutet, dass mit zunehmender PM1-Konzentration das Risiko einer Krankenhauseinweisung wegen Bluthochdruck monoton anstieg, ohne dass es einen sicheren Schwellenwert gab. Die Studie zeigte auch, dass das Risiko einer Krankenhauseinweisung wegen Bluthochdrucks bei Frauen um 15,3 Prozent höher war als bei Männern.

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die PM1-Feinstaubbelastung zu kontrollieren und gefährdete Bevölkerungsgruppen zu schützen, betonen die Forscher. Eine Verringerung der Partikelbelastung könne dazu beitragen, das Risiko einer bluthochdruckbedingten Krankenhauseinweisung innerhalb von 1–2 Jahren zu senken.