25 Jahre TraumaRegister DGU®14. November 2018 Foto: © adiruch na chiangmai – Fotolia.com In Deutschland profitieren durchschnittlich 30.000 Schwerverletzte pro Jahr von der Traumaregister-Forschung. Das TraumaRegister DGU® (TR-DGU) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) erfasst nahezu komplett alle Schwerverletzten. Damit stehen der DGU epidemiologisch verlässliche Daten zur Versorgung und zum Behandlungsergebnis dieser Patientengruppe zur Verfügung. Die Daten sind Kernstück der nationalen Qualitätssicherung in der Schwerverletztenversorgung. Zudem ermöglicht das TR-DGU intensive Forschungsarbeiten: Mit Ergebnissen, die einen Überlebensvorteil bieten, werden Diagnostik und Therapie kontinuierlich verbessert. „Das Traumaregister ist für uns der Schlüssel, um die Qualität unserer Arbeit zu verbessern“, sagt Prof. Joachim Windolf, Präsident der DGU sowie Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie der Universitätsklinik Düsseldorf. Das TR-DGU existiert nunmehr seit 25 Jahren. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Der Unfallchirurg“ des Springer Medizin Verlages widmet sich dem Jubiläum mit sechs Fachbeiträgen. Mit seiner langen Laufzeit und über 270.000 dokumentierten Behandlungsverläufen von schwerverletzten Patienten ist das TR-DGU mittlerweile eines der größten Traumaregister der Welt – mit zunehmend internationaler Beteiligung. Erfasst werden beispielsweise Befund und Diagnose, Gerinnungsstatus und operatives Vorgehen. Die Daten dienen der Qualitätssicherung und Forschung, aber auch dazu, die Risikoprognose des Patienten zu berechnen – also seine Überlebenschancen in Anbetracht der Schwere seiner Verletzungen. „Mit dieser Datenerfassung können wir die realen Behandlungsabläufe in den Kliniken sichtbar machen und sie analysieren“, sagt Prof. Gerrit Matthes, Leiter der DGU-Sektion Notfall- und Intensivmedizin, Schwerverletztenversorgung (NIS) und Chefarzt der Unfallchirurgie und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum Ernst von Bergmann Potsdam. Die Ergebnisse werden im jährlichen TraumaRegister DGU®-Jahresbericht zusammengefasst. „Das hilft den Kliniken, ihre eigenen Prozesse zu prüfen und falls notwendig, Maßnahmen einzuleiten, um die Abläufe zu verbessern“, ergänzt Dr. Heiko Trentzsch, stellvertretender NIS-Leiter und Mitarbeiter am Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM) am Klinikum der Universität München. Darüber hinaus dient das TR-DGU als Forschungsinstrument: Über 300 Publikationen zu verschiedenen wissenschaftlichen Fragestellungen sind in den letzten 25 Jahren von forschenden Orthopäden und Unfallchirurgen auf Grundlage der TR-DGU-Daten veröffentlicht wurden. Darunter fallen Forschungsergebnisse, die einen wegweisenden Einfluss auf die Weiterentwicklung von Behandlungskonzepten hatten: Diese wurden in die Versorgungsleitlinien und Empfehlungen der DGU aufgenommen – beispielsweise in die S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung und das Weißbuch Schwerverletztenversorgung. Sie sind Handlungsgrundlage für Ärzte aus über 650 Traumazentren der Initiative TraumaNetzwerk DGU®. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erforschung der Rolle der Ganzkörper-Computertomographie (CT)1 bei der Schockraum-Diagnostik – das betrifft die ersten Untersuchungen, sobald der Schwerverletzte nach seiner Rettung in der Klinik eingetroffen ist. Eine Forschungsgruppe fand heraus, dass Patienten, bei denen ein Ganzkörper-CT durchgeführt wurde, häufiger lebend die Klinik verlassen als Patienten, bei denen darauf verzichtet wurde. Daraus resultiert die Weißbuch-Empfehlung, den CT-Scanner in unmittelbarer Nähe zum Schockraum aufzustellen. Heutzutage liegt in durchschnittlich 22 Minuten nach Eintreffen des Patienten ein Ganzkörper-CT vor – vor zehn Jahren dauerte das noch über eine halbe Stunde. „Das spart wertvolle Zeit. Innere Verletzungen wie Blutungen, die wir von außen nicht exakt lokalisieren können, können wir mit dem Ganzkörper-CT schneller erkennen und behandeln“, sagt Matthes. Literatur: 1. Huber-Wagner S et al. Lancet. 2009 Apr 25;373(9673):1455-61.
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