ADHS besser verstehen: Forscher entwickelt neues Erklärmodell EHDH8. Mai 2026 Symbolbild © ClareM/stock.adobe.com Eine aktuelle Studie liefert nun einen neuen Erklärungsansatz für ADHS: Die Störung könnte weniger ein Aufmerksamkeitsdefizit sein als vielmehr ein Problem der Energieversorgung im Gehirn. Ein Neurobiologe der Freie Universität Berlin stellt in der Fachzeitschrift „Neuroscience & Biobehavioral Reviews“ das Modell der „Energy Deficit Hyperactivity Disorder“ vor. Der Ansatz interpretiert ADHS als Folge einer instabilen neuronalen Energieverfügbarkeit. Der EDHD-Ansatz möchte zugleich einen Beitrag zur Entstigmatisierung von Betroffenen leisten. Perspektivwechsel: Von Aufmerksamkeitsdefiziten zu Energieregulation Das EDHD-Modell rückt die schwankende Energieversorgung des Gehirns in den Mittelpunkt. Demnach verfügen Menschen mit ADHS nicht grundsätzlich über weniger Aufmerksamkeit, sondern über eine instabile und schnell erschöpfbare mentale Energie. Diese Dynamik könnte erklären, warum Betroffene in manchen Situationen hochkonzentriert arbeiten, während ihnen in anderen Momenten selbst einfache Aufgaben schwerfallen. „Das Modell bietet eine neue Perspektive auf ein seit Jahrzehnten erforschtes Störungsbild“, erklärt Mohammad Dawood Rahimi vom Arbeitsbereich Cognitive Neuroscience der Freien Universität Berlin. Phänomene wie Hyperfokus oder starke Leistungsschwankungen ließen sich so besser verstehen. Warum Leistung schwankt Ein häufig beschriebenes Merkmal von ADHS ist die starke Schwankung der Leistungsfähigkeit: Viele Betroffene können sich über Stunden intensiv auf hochinteressante Tätigkeiten konzentrieren, haben jedoch erhebliche Schwierigkeiten mit monotonen und oder langandauernden Aufgaben. Das EDHD-Modell deutet dies als energieabhängige Regulation: Stimulierende Aufgaben stabilisieren kurzfristig die Energienutzung im Gehirn. Reizarme Tätigkeiten führen dagegen eher zu einem Abfall verfügbarer Ressourcen. Die Leistungsfähigkeit wird damit als kontextabhängig verstanden. In seiner Studie argumentiert der Forscher, dass neurobiologische Prozesse wie der Glukosestoffwechsel und die Funktion der Mitochondrien eine zentrale Rolle spielen könnten. Bestimmte Hirnregionen – etwa solche, die für Planung, Aufmerksamkeit und Selbstregulation zuständig sind – könnten demnach zeitweise nicht ausreichend mit Energie versorgt werden. Zugleich betont Dawood Rahimi: „Der EDHD-Ansatz versteht sich ausdrücklich als hypothesengenerierender theoretischer Ansatz – nicht als neue Diagnosekategorie oder klinisches Instrument. Ziel ist es, Befunde aus Neurowissenschaften, Bioenergetik, Kognitionsforschung und Computermodellierung in einem systemischen Erklärungsrahmen zusammenzuführen.“ Erholung und Struktur als Schlüsselfaktoren Im EDHD-Modell hängt stabile Aufmerksamkeit vor allem von ausreichender Erholung ab. Schlaf, Pausen und biologische Rhythmen bestimmen, wie viel kognitive Energie verfügbar ist. Fehlt diese Regeneration, können selbst einfache Aufgaben überfordern – ein möglicher Grund für typische Leistungsschwankungen. Auch Verhaltensweisen wie Unruhe oder Ablenkbarkeit erscheinen in diesem Licht anders: Sie könnten kurzfristige Strategien sein, um das Energieniveau zu stabilisieren. Bewegung oder neue Reize helfen dem Gehirn, leistungsfähig zu bleiben. Damit rückt ADHS weg von der Deutung als Disziplinproblem hin zu einer Frage des Ressourcenmanagements. Für die Praxis ergeben sich neue Ansatzpunkte – etwa ein stärkerer Fokus auf Schlaf, Ernährung und Stoffwechsel neben der medikamentösen Behandlung. Das könnte Sie zum Thema ADHS ebenfalls interessieren: Bewegung, die Gehirn und Körper trainiert, hilft bei ADHS-Symptomen Bildgebungsstudie identifiziert zwei verschiedene ADHS-Typen
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