ADHS: Studie findet charakteristisches Muster der Gehirnaktivität5. Januar 2026 Foto: © Siniehina – stock.adobe.com Eine internationale Studie hat bei Kindern mit ADHS ein charakteristisches Muster der Gehirnaktivität nachgewiesen, das sie von neurotypischen Altersgenossen unterscheidet. Ersten Anzeichen sprechen dafür, dass es veränderbar sein könnte. Die in „NeuroImage: Clinical“ veröffentlichte Studie konzentrierte sich auf ein subtiles, aber aussagekräftiges Merkmal der mit Elektroenzephalographie (EEG) gemessenen Gehirnsignale, das als aperiodische Aktivität bekannt ist. Im Gegensatz zu herkömmlichen EEG-Markern, die bei ADHS oft gemischte oder inkonsistente Ergebnisse liefern, unterschied diese neuronale Signatur Kinder mit ADHS zuverlässig von ihren normal entwickelten Altersgenossen. „ADHS ist sehr heterogen, und viele der neuronalen Marker, auf die wir uns bisher verlassen haben, erfassen diese Komplexität nicht konsistent“, erklärte Dr. Ornella Dakwar-Kawar von der Hebrew University (Israel). „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass aperiodische Gehirnaktivität einen sensibleren Einblick in die Funktionsweise des ADHS-Gehirns bieten könnte.“ Die Studie hatte Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren untersucht und ihr Verhalten und ihre Gehirnaktivität während Aufmerksamkeits- und Hemmungsaufgaben analysiert. Kinder mit ADHS zeigten dabei eine erhöhte aperiodische EEG-Aktivität, ein Muster, das mit einer verminderten neuronalen Effizienz in Verbindung gebracht wird. Effekte halten längerfristig an In der zweiten Phase der Studie nahm eine Untergruppe von Kindern mit ADHS an einer randomisierten, scheinkontrollierten Studie teil, in der kognitives Training mit einer transkraniellen Stimulation mit randomisiertem Strom (tRNS) kombiniert wurde. Bei der Aufzeichnung elektrischer Signale konzentrierten sich Forscher auf die frontalen Hirnregionen, die an der Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle beteiligt sind. Nach zehn Sitzungen zeigten Kinder, die eine aktive Stimulation erhielten, eine signifikante Verringerung des atypischen Gehirnsignals sowie Verbesserungen bei der Aufgabenausführung. Einige der neuronalen Effekte hielten auch drei Wochen nach Ende der Intervention noch an. „Es geht hier nicht nur darum, das Verhalten im Moment zu verbessern“, erklärten die Forscher. „Wir beobachten Veränderungen in der zugrunde liegenden Gehirndynamik, die sich offenbar typischen Entwicklungsmustern annähern.“ Potenzieller Ansatz für nicht medikamentöse Behandlung Den Forschenden zufolge könnte die Identifizierung eines robusten, biologisch fundierten neuronalen Markers dazu beitragen, präzisere Bewertungsinstrumente zu entwickeln und zukünftige Interventionen zu steuern. Die Studie stärke auch die wissenschaftliche Grundlage für nicht pharmakologische Behandlungen, die von Familien und Ärzten zunehmend nachgefragt werden. „Medikamente sind für viele Kinder nach wie vor wirksam, aber sie sind nicht der einzige Weg“, so die Forscher. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass gezielte, auf dem Gehirn basierende Interventionen dazu beitragen können, die neuronale Aktivität auf eine Weise wieder ins Gleichgewicht zu bringen, die wir nun objektiv messen können.“ Die Forscher betonen zwar, dass größere und längerfristige Studien erforderlich seien, sehen ihre Arbeit jedoch als wichtigen Schritt in Richtung personalisierter, mechanismusorientierter Ansätze zur Behandlung von ADHS. (ej/BIERMANN)
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