Adipositas könnte natürlichen Schutzmechanismus gegen Brustkrebs schwächen

Symbolbild Brustkrebs © Welly_Creates/stock.adobe.com

US-Forschende haben einen möglichen Mechanismus identifiziert, über den Adipositas das Brustkrebsrisiko erhöhen könnte. Eine Rolle spielt dabei das Lipid 9S-HODE, das bei Adipositas im Brustfettgewebe vermindert vorkommt.

„Wir haben die Rolle eines Moleküls aufgedeckt, das normalerweise in schlankem Gewebe vorkommt und das Wachstum von Brustkrebs hemmt, bei Adipositas aber weniger vorhanden ist“, berichtet Dr. Keren Hilgendorf, Forscherin am Huntsman Cancer Institute, Assistenzprofessorin für Biochemie an der University of Utah und Senior-Autorin der Studie. „Wir wissen, dass Adipositas häufig ein Treiber von Brustkrebs ist, und Forschende auf diesem Gebiet untersuchen meist, wie Adipositas die Erkrankung fördert. Wir hatten jedoch bislang kaum berücksichtigt, dass Adipositas auch mit dem Verlust eines natürlichen Schutzmechanismus einhergehen könnte.“

Hilgendorf und die Erstautorin Meghan Curtin, Doktorandin in Molekularbiologie an der University of Utah, veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Forschung in der Fachzeitschrift „Science“.

Fettzellen unterscheiden sich bei Adipositas

Die Brust besteht größtenteils aus Fettgewebe, insbesondere aus sogenannten Adipozyten. Diese Fettzellen unterscheiden sich abhängig vom Körpergewicht. Bei Adipositas sind sie größer als bei schlanken Menschen. Hilgendorf erklärt zudem, dass die unterschiedlichen Adipozyten zudem jeweils ein eigenes Mikromilieu für Krebszellen schaffen.

In präklinischen Modellen, darunter auch Untersuchungen an Brustgewebe von Spenderinnen und Spendern, identifizierten Hilgendorf und Curtin einen wichtigen Unterschied: die Produktion des Lipids beziehungsweise der Fettsäure 9S-HODE.

9S-HODE fördert den Zelltod von Krebszellen

9S-HODE spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung des Zelltods, insbesondere einer Form des Zelltods, die als Ferroptose bezeichnet wird. Dies ist ein Mechanismus, mit dem der Körper alte und geschädigte Zellen beseitigt, einschließlich solcher, die zu Krebszellen werden könnten.

„Wir haben festgestellt, dass die Adipozyten im schlanken Gewebe deutlich mehr 9S-HODE produzieren als die bei Adipositas. Dadurch sterben Krebszellen im schlanken Gewebe leichter ab“, sagt Curtin. „Durch die Produktion von mehr 9S-HODE schützt sich unser Körper unter schlanken Bedingungen aktiv – ein Schutz, der bei Adipositas nicht in gleicher Weise vorhanden ist.“

In präklinischen Mausmodellen führte eine Erhöhung der 9S-HODE-Menge in adipösen Fettzellen dazu, dass das Wachstum von Brustkrebstumoren gehemmt wurde. Nach Ansicht der Forschenden könnte das Verständnis dieses Mechanismus langfristig neue Therapieansätze ermöglichen.

„Aus klinischer Sicht ist diese Entdeckung äußerst ermutigend. Weil 9S-HODE natürlicherweise im Körper vorkommt, bei Adipositas aber verloren geht, könnten wir möglicherweise diesen Schutz wiederherstellen, indem wir 9S-HODE zurückführen“, sagt Hilgendorf. „Das könnte ein gut umsetzbarer therapeutischer Ansatz werden, um das Wachstum von Brustkrebs zu verlangsamen.“

Adipositas ist nur ein Risikofaktor

Die Forschenden betonen, dass Adipositas nur einer von mehreren Faktoren ist, die zur Entstehung von Brustkrebs beitragen. Die Erkrankung kann auch aus anderen Gründen entstehen.

9S-HODE wird den bisherigen Ergebnissen zufolge vor allem von den Fettzellen im Brustgewebe produziert. Möglich ist jedoch, dass auch andere Fettzellen im Körper eine ähnliche Schutzfunktion haben. Dies müsse in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

„Wir glauben, dass diese veränderte Sichtweise auf die Rolle schlanker und adipöser Adipozyten erst der Anfang ist. Dies ist nur eine Entdeckung und nicht das Ende des Weges“, sagt Curtin. „Sie hat unseren Blick auf neue wissenschaftliche Fragestellungen geöffnet. Hoffentlich können wir nutzen, was unser Körper bereits tut, um Fortschritte im Kampf gegen diese Erkrankung zu erzielen.“

(lj/BIERMANN)