Adipositaschirurgie: Aufklärung tut not17. Juli 2019 Bild: © sakramir – Adobe/Stock Studie zu Hürden auf dem Weg zur chirurgischen Behandlung von Adipositas veröffentlicht. In Deutschland ist ca. ein Viertel der Bevölkerung adipös (BMI >30kg/m²). Laut S3-Leitlinie zur Behandlung von Adipositas kommt ab einem BMI von 40 kg/m² oder einem BMI von 35 kg/m² und Diabetes mellitus eine Operation zur Behandlung der Adipositas in Frage. Zu diesen Operationen zählen eine Magenverkleinerung (Schlauchmagen) und Magenbypässe. Bei mindestens 1,4 Millionen Betroffenen, die für diese Operationen in Frage kommen, werden allerdings in Deutschland pro Jahr nur ca.12.000 dieser Operationen durchgeführt. Warum das so ist, hat vermutlich viele Gründe: Einige davon haben Prof. Claudia Luck-Sikorski und ihre Kollegen nun genauer untersucht. In ihrer Studie wurden 1000 Menschen aus der Allgemeinbevölkerung in einem telefonischen Interview befragt. Im Schnitt waren die Teilnehmer der Studie 50 Jahre alt und hatten einen BMI von 26 kg/m². Ungefähr jeder Fünfte war von Adipositas betroffen. Diese Teilnehmer wurden nun gebeten sich vorzustellen, dass sie sich für oder gegen eine chirurgische Maßnahme zur Adipositasbehandlung entscheiden müssten. Sie sollten dann die Wichtigkeit von sieben verschiedenen Gründen (z. B. „Es fühlt sich an wie betrügen“, „Ich weiß nicht genug darüber“) einschätzen. Die am wichtigsten und relevantesten eingeschätzten Gründe waren, dass die Befragten das Gefühl hatten, nicht genug über die operativen Maßnahmen zu wissen und Angst vor der OP selbst bzw. möglichen negativen Konsequenzen nach der OP. Diese wurden von ca. einem Viertel der Befragten als extrem wichtig eingestuft. Teilnehmer mit Adipositas gaben weniger häufig an, dass sie zu wenig über die OPs wussten, und dass es sich wie „betrügen“ anfühlte. Wichtiges Ergebnis der Studie ist auch, dass bestimmte Gründe von Teilen der Bevölkerung als besonders relevant eingestuft wurden: So waren Sorgen vor der Bürokratie des Eingriffs vor allem bei Menschen mit weniger Bildungsjahren und weiblichen Teilnehmern besonders verbreitet. Im Ergebnis der Studie zeigt sich, dass auch hier weiter Aufklärungsarbeit geleistet werden muss, um erstens die Krankheit Adipositas in den Fokus der Behandlung zu stellen und zweitens (Fehl-)Informationen zu dieser Behandlungsmethode zu korrigieren. Neben den konservativen Methoden zur Adipositasbehandlung, wie Ernährungsumstellung und Änderungen der Bewegungsgewohnheiten, ist die operative Maßnahme oft ein letzter Weg für die Betroffenen, um mit der Erkrankung umzugehen. Sie erfordert von den Patienten ein hohes Maß an Disziplin und Verantwortung, weil vor und nach der OP umfangreiche Änderungen des Lebensstils notwendig sind. Im Adipositaszentrum des SRH Wald-Klinikums Gera wird unter Leitung von Prof. Christine Stroh, Ko-Autorin dieser Studie, ein interdisziplinäres, multimodales Therapieprogramm für Adipositas angeboten und durchgeführt. Publikation: Luck-Sikorski C, Jung F, Dietrich A, Stroh C, Riedel-Heller SG. Perceived Barriers in the Decision for Bariatric and Metabolic Surgery: Results from a Representative Study in Germany. Obesity Surgery 2019. https://www.springermedizin.de/perceived-barriers-in-the-decision-for-bariatric-and-metabolic-s/16924624
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