Schwangerschaft zeigt künftiges kardiometabolisches Risiko auf20. Juli 2026 Symbolbild © natapetrovich/stock.adobe.com Eine Studie zeigt, dass ungünstigere Werte der kardiovaskulären Gesundheit während der Schwangerschaft – auch bei ausbleibenden Komplikationen – mit einem höheren Risiko für kardiometabolische Erkrankungen nach der Entbindung assoziiert sind. Die kardiovaskuläre Gesundheit während der Schwangerschaft ist offenbar damit assoziiert, wie früh nach der Entbindung kardiometabolische Erkrankungen diagnostiziert werden. Dies zeigt eine Studie von Forschenden der Rutgers University (USA). Die in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie untersuchte 1.225 Schwangerschaften und wertete dazu Daten aus elektronischen Patientenakten über einen Zeitraum von etwa sieben Jahren aus. Das Forschungsteam unter der Leitung von Ellen C. Francis, Assistenzprofessorin am Department of Biostatistics and Epidemiology der Rutgers School of Public Health, stellte fest, dass innerhalb von sieben Jahren nach der Entbindung bei 40 Prozent der Frauen eine kardiometabolische Erkrankung diagnostiziert wurde. Dabei erhielten Frauen, die während der Schwangerschaft schlechtere Werte für die kardiovaskuläre Gesundheit aufwiesen, diese Diagnose früher als Frauen mit besseren Werten. Dieses Muster zeigte sich auch bei Frauen mit unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf. Die Ergebnisse legen nahe, dass bei der Einschätzung des langfristigen Gesundheitsrisikos nicht nur klassische Schwangerschaftskomplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder hypertensive Schwangerschaftserkrankungen berücksichtigt werden sollten. „Schwangerschaftskomplikationen sind wichtige Indikatoren für das zukünftige Risiko. Wer sich jedoch allein auf diese Diagnosen stützt, übersieht möglicherweise Frauen, deren kardiovaskuläre Gesundheit bereits ungünstig ist“, erklärt Francis. „Eine umfassendere Beurteilung könnte zusätzliche Frauen identifizieren, die von Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen nach der Entbindung profitieren könnten.“ Kardiovaskulärer Gesundheits-Score während der Schwangerschaft Francis und ihr Team entwickelten auf Grundlage der Schwangerschaftsdaten einen angepassten Score zur Bewertung der kardiovaskulären Gesundheit. Dieser orientierte sich am Konzept „Life’s Essential 8“ der American Heart Association. Berücksichtigt wurden verschiedene Gesundheitsfaktoren und Verhaltensweisen während der Schwangerschaft, darunter Body-Mass-Index (BMI), Glukosestoffwechsel, Blutdruck beziehungsweise hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, Rauchen, Ernährung, körperliche Aktivität und Schlaf. Anschließend verknüpften die Forschenden diese Daten mit Informationen aus elektronischen Patientenakten über einen Zeitraum von etwa sieben Jahren. Ziel war es zu untersuchen, wie die kardiovaskuläre Gesundheit während der Schwangerschaft mit dem Zeitpunkt neuer Diagnosen von Bluthochdruck, Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach der Entbindung zusammenhing. Frauen, die während der Schwangerschaft keine chronische Erkrankung aufwiesen, aber schlechtere Werte im Gesundheits-Score erreichten, entwickelten chronischen Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen früher als Frauen mit günstigeren Werten. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, wenn Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes oder hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen aus der Analyse ausgeschlossen wurden. Schwangerschaft als Fenster für Prävention Da in der Studie nur wenige kardiovaskuläre Ereignisse auftraten, sollten die Ergebnisse laut Francis mit Vorsicht interpretiert werden. Dennoch weisen die Daten darauf hin, dass die Schwangerschaft eine wichtige Gelegenheit bieten könnte, frühe Anzeichen eines kardiometabolischen Risikos zu erkennen. „Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass eine Schwangerschaft die zugrundeliegende Anfälligkeit einer Frau für künftige kardiometabolische Erkrankungen offenbaren kann“, so Francis. „Unsere Ergebnisse ergänzen diese Erkenntnisse, indem sie zeigen, dass eine umfassendere Beurteilung der kardiovaskulären Gesundheit während der Schwangerschaft Informationen liefern kann, die über das bloße Vorhandensein oder Fehlen von Schwangerschaftsdiabetes oder schwangerschaftsbedingten Blutdruckerkrankungen hinausgehen.“ Die Ergebnisse stützen laut Francis zudem die Auffassung, dass die kardiovaskuläre Gesundheit als Kontinuum betrachtet werden sollte. „Frauen gelten nicht erst dann plötzlich als Hochrisikopatientinnen, wenn sie einen diagnostischen Grenzwert überschreiten“, erläutert sie. „Ungünstigere Werte bei verschiedenen Gesundheitsfaktoren und Verhaltensweisen können zusammengenommen auf ein erhöhtes Risiko hinweisen.“ Einige Bestandteile des an die Schwangerschaft angepassten Scores werden bereits im Rahmen der routinemäßigen Schwangerschaftsvorsorge erfasst, darunter BMI, Blutdruck, Rauchstatus, Schwangerschaftsdiagnosen und Glukosewerte. Andere Faktoren wie Ernährung, körperliche Aktivität und Schlaf werden zwar nicht durchgehend erhoben, könnten jedoch mithilfe kurzer Fragebögen erfasst oder in die elektronische Patientenakte integriert werden. Bedeutung für die Nachsorge nach der Geburt Laut Francis besteht das Ziel nicht einfach darin, den Frauen einen Score zuzuweisen. Vielmehr sollen diese Informationen genutzt werden, um sie nach der Entbindung an entsprechende Versorgungsangebote und Dienste zu vermitteln – beispielsweise an die hausärztliche Versorgung oder Ernährungs- und Bewegungsprogramme. Die Studie untersuchte keine konkrete Intervention. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, wie eine Bewertung der kardiovaskulären Gesundheit während der Schwangerschaft in bessere langfristige Gesundheitsergebnisse umgesetzt werden kann. Für medizinisches Fachpersonal bietet die Schwangerschaft laut Francis dennoch eine wichtige Gelegenheit: Da viele Frauen in dieser Phase regelmäßig Kontakt zum Gesundheitssystem haben, können Risiken früh erkannt, besprochen und präventive Maßnahmen eingeleitet werden. Doch eine bloße Beurteilung reiche nicht aus, betont Francis. „Eine umfassendere Beurteilung der kardiovaskulären Gesundheit kann einen bedarfsgerechteren Ansatz fördern, anstatt darauf zu warten, dass Frauen eine schwere Schwangerschaftskomplikation oder eine manifeste chronische Erkrankung entwickeln“, sagt sie. „Die Beurteilung muss jedoch mit zugänglichen, erschwinglichen und kulturell angemessenen Angeboten für die Zeit nach der Entbindung einhergehen.“ (lj/BIERMANN) Auch interessant: Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Geburt früh einleiten – oder besser abwarten? Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft beeinflusst das Risiko für Präeklampsie
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