Ältere Geschwister behinderter Kinder benötigen häufiger psychologische Unterstützung

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Die Belastung durch ein Kind mit Behinderung wirkt sich auf die ganze Familie aus. Vor allem zweitgeborene Kinder, deren jüngeres Geschwisterkind eine Behinderung hat, benötigen öfter selbst psychologische Unterstützung. Staatliche Unterstützung kann die negativen Folgen jedoch abmildern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von der Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) veröffentlicht wurde.

„Da Behinderungen in Familien mit niedrigerem sozioökonomischem Status häufiger vorkommen, könnte eine Behinderung ein unterschätzter Faktor sein, der sozioökonomische Benachteiligungen über Generationen hinweg verstärkt“, erklärt Co-Autorin Janet Currie, Research Fellow bei RFBerlin und Professorin an der Yale University.

Die Studie untersuchte über einen Zeitraum von 30 Jahren mehr als 60.000 dänische Familien mit drei oder mehr Kindern. Etwa jede vierzehnte dänische Familie hat ein Kind mit einer körperlichen Behinderung wie einem Herzfehler, Epilepsie oder einer Zerebralparese.

Bildung und Sozialleistungen mildern die negativen Auswirkungen

Die Forscher stellten im Laufe der Zeit Verbesserungen bei der Unterstützung für Familien fest. Nachdem die dänische Regierung 1998 ihre Sozialleistungen für Eltern schwer kranker Kinder ausgeweitet hatte, sank die Inanspruchnahme psychologischer Hilfe bei Zweitgeborenen von 21 Prozent auf neun Prozent.

Zweitgeborene waren stärker betroffen als Erstgeborene, da sie zum Zeitpunkt der Geburt des behinderten Kindes jünger waren. Die Zahl der Besuche dieser zweitgeborenen Kinder bei Psychiatern stieg um 23 Prozent, während die Verschreibungen von Psychopharmaka um 18 Prozent zunahmen. Diese Geschwister suchten zudem elf Prozent häufiger psychologische Beratung auf. Die Auswirkungen zeigten sich, als die Geschwister etwa neun Jahre alt waren, und verstärkten sich dann im Laufe ihrer Teenagerjahre. Besonders ausgeprägt waren die Auswirkungen in Familien, in denen die Mütter nur über eine Grundschulbildung verfügten. In diesen Familien sank die Erwerbsquote der Mütter um 13 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Eltern zusammenblieben, war um sechs Prozent geringer.