Affektive Störungen besser verstehen, besser erkennen, besser behandeln10. April 2025 Quelle: © Gondex – stock.adobe.com Bis Mitte 2028 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den neu eingerichteten Sonderforschungsbereich (SFB/TRR) 393 „Verlaufsformen affektiver Störungen“ mit 13,8 Millionen Euro. Anfang März 2025 wurde in Marburg nun die erste Probandin in die Kohorte eingeschlossen. Die mit psychischen Erkrankungen einhergehenden gesellschaftlichen Herausforderungen steigen kontinuierlich. In Deutschland erfüllen innerhalb eines Jahres etwa 25 Prozent der Erwachsenen die Kriterien für eine psychische Erkrankung. Affektive Störungen beginnen typischerweise im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Neben akuten Symptomen beeinträchtigen sie das Wohlbefinden, die psychosoziale Funktionsfähigkeit sowie die sozioökonomische Lage der Betroffenen über Jahrzehnte hinweg. Dabei sind die Verläufe sehr unterschiedlich. Typischerweise treten Symptome in Phasen auf, welche viele Jahre auseinanderliegen, mit Jahren und Jahrzehnten der psychischen Gesundheit dazwischen. Die genauen Ursachen für das erneute Auftreten von Symptomen, Phasen der Besserung und Chronifizierung sind jedoch nicht ausreichend erforscht. Genau hier setzt das Konsortium an und untersucht, welche umweltbedingten, psychosozialen und (neuro-)biologischen Faktoren den Krankheitsverlauf voraussagen, welche kognitiv-emotionalen und neurobiologischen Mechanismen Rückfällen und Remissionen zugrunde liegen und wie gezielte, auf diesen Mechanismen basierende Therapien entwickelt werden können. Dazu werden über einen Zeitraum von zwei Jahren kontinuierlich Mobiltelefondaten sowie viele weitere biologische und klinische Parameter einer großen Patientenkohorte gesammelt und mit modernen Methoden wie maschinellem Lernen analysiert. Einige der am Standort Marburg im Rahmen des SFB/TRR 393 tätigen Wissenschaftler und technischen Assistenten (hier in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg) am Tag des Einschlusses der ersten Probandin in die Patientenkohorte am Standort Marburg. (Foto: Tina Meller) An dem Sonderforschungsbereich sind neben der Philipps-Universität Marburg als Sprecherhochschule Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden, der Universitäten Münster und Bonn sowie des Karlsruher Instituts für Technologie beteiligt. Gemeinsam verfolgen die Mitglieder des auf bis zu zwölf Jahre angelegten Forschungsverbundes das übergeordnete Ziel, Krankheitsverläufe affektiver Störungen (Depression und Bipolare Störung) besser zu verstehen, zu erkennen und zu behandeln, um damit einen wichtigen Beitrag zur Behandlung und Prävention dieser Erkrankungen zu leisten. „Mit der Aufnahme der ersten Patientinnen und Patienten startet nun die entscheidende Phase des SFB/TRR 393 – ein Meilenstein für die psychiatrische und psychologische Forschung. Die Philipps-Universität Marburg und ihre Partnerhochschulen bündeln modernste Technologien und klinische Expertise, um affektive Störungen besser zu verstehen und gezielt zu behandeln. Dieses wegweisende Großprojekt eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Therapien und verbessert langfristig die Versorgung Betroffener. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit stärkt die internationale Spitzenforschung und setzt neue Maßstäbe in der Diagnostik und Therapie. Wir freuen uns, dass es nun losgeht, und sind stolz, als Sprecherhochschule mit Prof. Tilo Kircher dieses bedeutende Vorhaben zu führen“, erklärte Prof. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg.
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