Epilepsie im Kindesalter: PET/MRT verbessert die präoperative Diagnostik17. September 2026 Foto: © romaset – stock.adobe.com Die Kombination von PET/MRT-Befunden mit EEG-Ergebnissen kann bei Kindern mit schwer zu diagnostizierender Epilepsie die Identifizierung des anfallauslösenden Hirngewebes verbessern und fundierte Behandlungsentscheidungen ermöglichen. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende im „Journal of Nuclear Medicine“. Kinder mit strukturell bedingter Epilepsie können von einem frühzeitigen chirurgischen Eingriff profitieren, allerdings sind diese Fälle oft komplex und schwer zu diagnostizieren. Aktuelle Studien zeigen, dass die Kombination aus Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und Magnetresonanztomogafie (MRT), die sowohl die Funktion als auch die Struktur des Gehirns abbildet, bei der Erkennung und Lokalisierung von Hirnläsionen, die Anfälle auslösen, von großem Wert sein kann. „Wir wissen, dass die PET/MRT ein nützliches bildgebendes Verfahren für Patienten mit Epilepsie ist. Die derzeitige wissenschaftliche Literatur ist jedoch begrenzt, da sie pädiatrische und erwachsene Probanden miteinander vermischt“, erklärte Dr. Diego Cecchin, Leiter der Abteilung für Nuklearmedizin und der postgradualen Schule für Nuklearmedizin in der Abteilung für Innere Medizin am Universitätsklinikum Padua in Italien. „In unserer Studie wollten wir die Rolle der PET/MRT bei der präoperativen Abklärung der pädiatrischen Epilepsie klären, auch bei sehr kleinen Kindern.“ Stufenweises Vorgehen führt zum Erfolg Die retrospektive Studie umfasste 79 Patienten im Alter von 18 Jahren oder jünger, bei denen eine fokale Epilepsie diagnostiziert worden war, die sich in der chirurgischen Abklärung befanden und deren MRT-Befund negativ oder nicht eindeutig war. Die Daten wurden in mehreren Phasen ausgewertet: (0) Auswertung früherer MRT-Aufnahmen; (1) verblindete Auswertung ausschließlich der im Rahmen der PET/MRT-Untersuchung aufgenommenen MRT-Bilder; (2) gemeinsame Beurteilung der PET- und MRT-Daten durch einen Nuklearmediziner und einen Neuroradiologen; und (3) Überprüfung der PET/MRT-Befunde im Vergleich zu den EEG-Ergebnissen. (A) Negativer Fall (PET-negativ/MRT-negativ). (B) Hypermetabolischer Bereich im rechten Frontalbereich (weißer Pfeil) bei einem PET-positiven/MRT-positiven Patienten. Im MRT wurde eine leichte Unschärfe zwischen Kortex und Subkortex festgestellt. Der Patient (männlich, 1,5 Jahre alt) unterzog sich einer rechtsfrontalen Disconnection, und es wurde eine fokale kortikale Dysplasie (FCD) Typ IIa diagnostiziert. (C) Großflächiger linksseitiger parietotemporookzipitaler Hypometabolismus (weiße Pfeile) in Verbindung mit einer Kleinhirndiaschisis (weißes Sternchen) bei einem PET-positiven/MRT-positiven Fall. Der Hypometabolismus war ausgedehnter als die im MRT festgestellte leichte Unschärfe im Temporallappen und diente als wichtige Entscheidungsgrundlage für den chirurgischen Eingriff. Der Patient (männlich, 12 Jahre alt) unterzog sich einer linksseitigen temporo-okzipitalen Disconnection, und es wurde eine FCD IIa diagnostiziert. (D) Hypometabolismus im Temporallappen (weißer Pfeil), der den MRT-Veränderungen (PET-positiv/MRT-positiv) in Form einer T2-Hyperintensität im Fluid-Attenuated Inversion Recovery-Verfahren entspricht und auf eine Hippocampussklerose hindeutet. Die Patientin (weiblich, 5 Jahre alt) war bei der Erstuntersuchung medikamentenresistent, hatte jedoch anschließend keine epileptischen Anfälle mehr, und ihre Familie entschied sich gegen eine Operation. (E) Hypometabolismus im rechten Frontalbereich im PET (weißer Pfeil) ohne MRT-Veränderungen (PET-positiv/MRT-negativ), was möglicherweise auf eine FCD hindeutet. Die PET-Daten waren hilfreich für die Steuerung der SEEG-Implantation. Bei der Patientin (weiblich, 5 Jahre alt) wurde eine Disconnection im rechten Frontalbereich vorgenommen, und es wurde eine FCD I diagnostiziert. (Quelle: Diego Cecchin, MD, Unit of Nuclear Medicine, Department of Medicine, University-Hospital of Padova, Italy) Keine der Aufnahmen aus Phase 0 war aussagekräftig, was mit den Einschlusskriterien der Studie übereinstimmte, in Phase 1 waren 36 reine MRT-Aufnahmen positiv. Die gemeinsame Auswertung von PET- und MRT-Daten in Phase 2 ergab, dass 46 Patienten PET-positive/MRT-positive Ergebnisse aufwiesen, 24 Patienten PET-positive/MRT-negative Ergebnisse und acht Patienten PET-negative/MRT-negative Ergebnisse. In Phase 3 zeigten PET-positive/MRT-positive Befunde im Vergleich zu den EEG-Ergebnissen eine hohe Genauigkeit bei der Identifizierung von Läsionen, insbesondere bei fokaler kortikaler Dysplasie. EEG- und Bildgbungsbefunde müssen übereinstimmen Die Studie identifizierte zudem zwei unterschiedliche Patientengruppen, die einen verminderten Hirnstoffwechsel aufwiesen. In der ersten hypometabolischen Gruppe ergab eine sorgfältige Neubewertung der MRT-Aufnahmen strukturelle Hirnanomalien. In der zweiten Gruppe waren die Bereiche mit abnormalem Hypometabolismus oft nur gering ausgeprägt, und selbst nach eingehender Überprüfung konnten im MRT keine eindeutigen Hirnläsionen festgestellt werden. Bei diesen Kindern war die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass ihre EEG- und klinischen Befunde nicht mit den bildgebenden Ergebnissen übereinstimmten, wodurch sie weniger geeignete Kandidaten für eine Epilepsieoperation waren. Auf der Grundlage der klinischen, bildgebenden und EEG-Daten wurden 24 Patienten operiert, und bei fünf wurde eine Thermokoagulation zur Entfernung von Hirngewebe durchgeführt. Von diesen Kindern waren 76 Prozent nach zwei Jahren Nachbeobachtung anfallsfrei. PET/MRT ist auch bei sehr jungen Patienten zuverlässig „Diese Ergebnisse unterstreichen die wichtige Rolle der molekularen Bildgebung und der Nuklearmedizin bei der Beurteilung von Kindern mit fokaler Epilepsie und zeigen, dass PET/MRT auch bei sehr jungen Patienten sicher und zuverlässig eingesetzt werden kann“, erklärte Dr. Concetta Luisi, Kinderneurologin und Epileptologin in der Abteilung für Neurologie, Epilepsie und Bewegungsstörungen des Bambino-Gesù-Kinderkrankenhauses in Rom, Italien. „Sobald weitere Daten vorliegen, könnte dieser Ansatz Ärzten dabei helfen, die Kinder zu identifizieren, die am ehesten von einer Epilepsieoperation profitieren, die unterschiedlichen Muster des Hirnstoffwechsels besser zu verstehen und die Integration von Bildgebungsbefunden mit klinischen und EEG-Daten zu verbessern, um Behandlungsentscheidungen zu leiten.“
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