Alkohol und Leberschäden: Gelegentlicher starker Konsum kann das Risiko verdreifachen21. April 2026 Foto: Malambo/peopleimages.com/stock.adobe.com Eine neue Studie legt nahe, dass nicht nur die insgesamt konsumierte Menge Alkohol, sondern auch das Muster des Konsums sogar bei moderatem Alkoholkonsum negative Effekt haben kann. Viele Menschen gehen davon aus, dass gelegentlicher starker Alkoholkonsum ausschließlich am Wochenende ihrer Leber nicht schadet – wenn sie unter der Woche nur wenig trinken. Neue Forschungsergebnisse von der Keck Medicine an der University of California (USC) deuten jedoch auf das Gegenteil hin. In einer neuen Publikation in „Clinical Gastroenterology and Hepatology stellen die Autoren dar, dass Menschen mit einer Stoffwechseldysfunktion-assoziierten Steatohepatitis (MASLD) ein deutlich höheres Risiko für eine Leberfibrose besitzen, wenn sie episodisch viel trinken. Als „episodisch viel“ gelten vier oder mehr alkoholische Getränke pro Tag für Frauen und fünf oder mehr für Männer, und dies mindestens einmal im Monat. Laut den neuen Forschungsergebnissen haben Menschen, die mindestens einmal im Monat große Mengen Alkohol an einem Tag konsumieren, ein dreimal höheres Risiko dafür, eine fortgeschrittene Leberfibrose zu entwickeln, als Menschen, die den Konsum der gleichen Menge Alkohol über einen längeren Zeitraum verteilen. Laut den Wissenschaftlern berichten jüngere Erwachsene und Männer häufiger von episodischem starkem Alkoholkonsum. Und: Je mehr Getränke bei einer einzigen Gelegenheit konsumiert wurden, desto häufiger trat eine Leberfibrose auf.„Diese Studie ist ein lautes Alarmsignal, denn traditionell betrachten Ärzte bei der Beurteilung des Leberrisikos eher die Gesamtmenge des konsumierten Alkohols als die Art des Konsums“, erklärt Dr. Brian P. Lee, Hepatologe und Spezialist für Lebertransplantationen bei Keck Medicine und Hauptautor der Studie. „Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Öffentlichkeit sich der Gefahren gelegentlichen starken Alkoholkonsums viel bewusster sein und diesen vermeiden sollte, selbst wenn sie ansonsten mäßig trinkt.“ Untersuchung von Trinkmustern, nicht der Menge Lee und seine Kollegen nutzten Daten der repräsentativen National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), einer langjährigen Gesundheitsstudie der US-Bevölkerung. Sie werteten Daten von mehr als 8000 Erwachsenen aus, die zwischen 2017 und 2023 erhoben wurden. Insbesondere untersuchten sie den Zusammenhang zwischen episodischem starken Alkoholkonsum und fortgeschrittener Leberfibrose, um zu verstehen, wie Trinkmuster – nicht nur die Gesamtmenge der konsumierten Getränke – selbst moderaten Trinkern schaden können. Als moderater Konsum gelten sieben Getränke pro Woche für Frauen und maximal 14 für Männer.Das Forschungsteam konzentrierte sich aufgrund ihrer Häufigkeit in den USA auf die MASLD. Obwohl die MASLD nicht als alkoholbedingt definiert ist, wollten Lee und seine Kollegen untersuchen, ob Alkohol tatsächlich eine Rolle bei dieser Erkrankung spielt. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer berichteten von episodischem, starkem Alkoholkonsum, und fast 16 Prozent der MASLD-Patienten tranken episodisch viel Alkohol. Die Wissenschaftler verglichen MASLD-Patienten gleichen Alters, Geschlechts und mit gleichem durchschnittlichen wöchentlichen Alkoholkonsum und teilten sie in episodische und nicht episodische starke Trinker ein. Sie kamen zu dem Schluss, dass episodische starke Trinker mit MASLD ein fast dreimal höheres Risiko für fortgeschrittene Leberfibrose hatten. Brian P. Lee, ist Hepatologe und Spezialist für Lebertransplantationen bei Keck Medicine der USC und Hauptautor der Studie. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Brian P. Lee) Lee vermutet, dass episodischer, starker Alkoholkonsum die Leber sowohl direkt als auch indirekt schädigen kann. Der Konsum großer Mengen Alkohol auf einmal kann die Leber überlasten und Entzündungen verstärken, was zu Vernarbungen und Leberschäden führt. Menschen mit MASLD sind möglicherweise besonders gefährdet, da ältere Forschungsarbeiten von Lee gezeigt haben, dass Übergewicht, Bluthochdruck und andere mit MASLD assoziierte Erkrankungen das Risiko für Lebererkrankungen mehr als verdoppeln können.Laut Lee hat sich die Zahl der alkoholbedingten Lebererkrankungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Er führt diesen Trend auf den pandemiebedingten Anstieg des Alkoholkonsums und die Zunahme von Menschen mit Risikofaktoren für MASLD, wie Adipositas und Diabetes, zurück. „Obwohl sich diese Studie auf Patienten mit MASLD konzentrierte, könnten die Ergebnisse auch für eine breitere Patientengruppe relevant sein“, so Lee. „Da mehr als die Hälfte der Erwachsenen gelegentlich starken Alkoholkonsum angibt, verdient dieses Thema mehr Aufmerksamkeit von Ärzten und Forschern, um Lebererkrankungen besser zu verstehen, vorzubeugen und sie zu behandeln.“
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