Alkoholische Kardiomyopathie: Evaluation der Familie und Gentests ratsam

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Wenn Alkohol das Herz schädigt, spielt offenbar nicht nur der chronische, übermäßige Konsum an sich eine Rolle, sondern auch eine genetische Vorbelastung, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Wissenschaftler um Dr. James S. Ware vom Imperial College London verglichen 141 Fälle von alkoholischer Kardiomyopathie (ACM), 716 Fälle von dilatativer Kardiomyopathie (DCM) und 445 gesunde Freiwillige. Insbesondere die Prävalenz seltener, Protein-verändernder Varianten in 9 Genen, die mit ererbter DCM assoziiert sind, nahmen sie genau unter die Lupe und untersuchten die Auswirkungen von Genotyp und Alkoholkonsum auf den Phänotyp der DCM.

Dabei stellten sie fest, dass Varia­nten von gut charakterisierten DCM-verursachenden Genen bei Patienten mit ACM häufiger waren als bei Kontrollpersonen (13,5 % vs. 2,9 %; p=1,2×10-5). Bei Patienten mit ACM und DCM waren sie jedoch ähnlich häufig zu finden (19,4 %; p=0,12), darunter vor allem Varian­ten, die zur Trunkierung von Titin führen (TTNtv) (9,9 %). Unabhängig davon identifizierten sie eine Interaktion zwischen TTN-Genotyp und übermäßigem Alkoholkonsum in einer Kohorte von DCM-Patienten, die die ACM-Kriterien nicht erfüllten.

Darüber hinaus ergab die multivariate Analyse, dass DCM-Patienten mit einer TTNtv, die übermäßig Alkohol konsumierten, eine absolute Reduktion der Ejektionsfraktion um 8,7 % aufwiesen (95 %-Konfidenzintervall -2,3 bis -15,1; p<0,007), im Vergleich zu jenen ohne TTNtv und übermäßigen Alkoholkonsum.

Das Vorliegen von TTNtv prognostizierte bei ACM-Patienten jedoch nicht Phänotyp, Outcome oder funktionelle Erholung unter einer Behandlung.
TTNtv stellen eine verbreitete genetische Veranlagung für ACM dar und sind auch bei DCM-Patienten, die Alkohol oberhalb der empfohlenen Werte konsumieren, mit einer schlechteren linksventrikulären Ejektionsfraktion assoziiert, bilanzieren Ware und Kollegen. Bei Patienten mit ACM sollten eine familiäre Beurteilung und Gentests in Betracht gezogen werden, lautet ihr Rat.

Fazit
TTNtv stellen eine weitverbreitete genetische Veranlagung für ACM dar und sind auch mit einer schlechteren linksventrikulären Ejektionsfraktion bei DCM-Patienten assoziiert, die mehr Alkohol trinken als empfohlen.

Autoren: Ware JS et al.
Korrespondenz: Dr. Pablo Garcia-Pavia; [email protected]
Studie: Genetic Etiology for Alcohol-Induced Cardiac Toxicity
Quelle: J Am Coll Cardiol 2018;71(20):2293–2302.
Web: dx.doi.org/10.1016/j.jacc.2018.03.462