Allgegenwärtige Nährstoffe hemmen Appetit und fördern Bewegung25. April 2022 Foto: © tiburi /pixabay.com Forschende der Eidgenössischen Technische Hochschule (ETH) Zürich zeigen in Versuchen bei Mäusen, dass nichtessenzielle Aminosäuren appetithemmend wirken und den Bewegungsdrang fördern. Ihre Forschung gibt Einblick in den neuronalen Mechanismus, der diese Verhaltensweise steuert. Proteine können den Appetit hemmen. Eine proteinreiche Ernährung kann daher Personen helfen, ihr Gewicht zu reduzieren. Nicht zuletzt deshalb ist eine solche Ernährung in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Forschende der ETH Zürich haben nun in Mäusen einen neuen Mechanismus aufgezeigt, über welchen die Bausteine der Proteine – die Aminosäuren – den Appetit zügeln. Dabei geht es um die nichtessenziellen Aminosäuren. Bei Mäusen gezeigt Dass sowohl essenzielle als auch nichtessenzielle Aminosäuren den Appetit hemmen können, ist seit Längerem bekannt. Für die nichtessenziellen ist der Wirkmechanismus bisher jedoch noch nicht in lebenden Organismen nachgewiesen worden. Forschende unter der Leitung von Denis Burdakov, Professor für Neurowissenschaften an der ETH Zürich, haben nun zum ersten Mal in einem Lebewesen gezeigt, dass die nichtessenziellen Aminosäuren das Gehirn auf eine Weise beeinflussen, die appetitzügelnd und bewegungsfördernd wirkt. Die Wissenschaftler fütterten Mäusen zunächst entweder eine Mischung aus verschiedenen nicht-essenziellen Aminosäuren oder eine Zuckerlösung mit gleich vielen Kalorien (Kontrollgruppe). Anschließend konnten beide Mäusegruppen einen Milchshake trinken, den sie normalerweise gerne mögen. Während die Kontrollgruppe ausgiebig davon trank, mieden die Mäuse, die zuvor mit nichtessenziellen Aminosäuren gefüttert wurden, den Milchshake. Sie machten sich stattdessen in ihrem Gehege auf die Suche nach einer alternativen Nahrung. Ursprung in der Evolutionsgeschichte Mit weiteren Versuchen konnten die Forschenden den Mechanismus entschlüsseln, bei dem spezialisierte Nervenzellen im Gehirn – Orexin-Neuronen – die Hauptrolle spielen. Proteine, welche die Mäuse über die Nahrung aufnehmen, werden im Darm in ihre Aminosäuren verdaut, welche dort ins Blut gelangen. Über das Blut werden sie auch ins Gehirn transportiert. Die Orexin-Neuronen im Hypothalamus besitzen Rezeptoren, welche spezifisch die nicht-essenziellen Aminosäuren erkennen. Als Reaktion setzen sie einen neuronalen Schaltkreis in Gang, der die beschriebenen Verhaltensänderungen bewirkt. Der Ursprung dieses Mechanismus dürfte in der Evolutionsgeschichte liegen. „Heute stehen uns von allen Nährstoffen genügend zur Verfügung, und wir haben für die Nahrungsaufnahme ausreichend Zeit. Während der Urgeschichte, als sich dieser Mechanismus entwickelt hat, dürfte das anders gewesen sein“, sagt Paulius Viskaitis, Postdoc in Burdakovs Gruppe und Erstautor der Studie. „Damals war es für ein Individuum vorteilhaft, sich nur kurz mit einer Nahrungsquelle zu beschäftigen, die vor allem aus nicht-essenziellen Aminosäuren bestand.“ Wird durch das Essen von nichtessenziellen Aminosäuren der Bewegungsdrang gefördert, macht sich das Tier auf die Suche nach anderen Nahrungsquellen, die möglicherweise mehr essenzielle Nährstoffe enthalten und für das Individuum wichtiger sind. Die Forschungsergebnisse seien auf den Menschen und andere Tiere übertragbar, betont Viskaitis. Denn der Mechanismus betreffe eine evolutionsgeschichtlich sehr alte Hirnregion, die in allen Säugetieren und vielen weiteren Wirbeltieren gleichermaßen vorkomme. Personen, die abnehmen möchten, könne man eine Diät mit besonders vielen nicht-essenziellen Aminosäuren trotzdem nicht ohne Weiteres empfehlen, sagt der ETH-Wissenschaftler. Ernährungsempfehlungen müssten individuell erfolgen und gesundheitliche Aspekte mitberücksichtigen.
Mehr erfahren zu: "Zi-Studie: Zahl der MVZ deutlich gewachsen – Kliniken betreiben die meisten Standorte" Zi-Studie: Zahl der MVZ deutlich gewachsen – Kliniken betreiben die meisten Standorte Die Zahl der MVZ-Betriebsstätten ist zwischen 2017 und 2020 um 35 Prozent gestiegen und die Trägerarten unterscheiden sich je nach Region deutlich. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Analyse.
Mehr erfahren zu: "RAS-gerichtete Therapie verbessert Überleben bei metastasiertem Pankreaskarzinom" RAS-gerichtete Therapie verbessert Überleben bei metastasiertem Pankreaskarzinom Die zielgerichtete RAS-Therapie mit Daraxonrasib verlängerte in der Phase-3-Studie RASolute 302 das mediane Gesamtüberleben bei metastasiertem Pankreaskarzinom gegenüber einer Standardchemotherapie. Eine ergänzende Analyse zeigt Vorteile über verschiedene RAS-Mutationsgruppen hinweg.
Mehr erfahren zu: "Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Heidelberg unter neuer Leitung" Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Heidelberg unter neuer Leitung Seit 1. September 2026 ist Prof. Jun Oh Ärztlicher Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Zusammen mit der Klinikleitung hat der Transplantationsmediziner auch die neu eingerichtete […]