Aminosäuren unterscheiden2. Januar 2020 Simulation eines Aerolysinkanals. © Nature Biotechnology Forschende schaffen Grundlage für eine direkte Sequenzierung einzelner Proteine Nachdem es bereits gelungen ist, die Sequenz eines einzelnen DNA-Stranges zu lesen, besteht eine weitere große Herausforderung für die Bioanalytik darin, die Aminosäurresequenz einzelner Proteine direkt zu bestimmen. Ein Team aus Forscherinnen und Forschern der Universität Cergy-Pontoise/Frankreich, der Universität Freiburg und der Universität von Illinois/USA konnte nun erstmals mithilfe einer winzigen Pore von Nanometergröße einzelne Aminosäuren in kurzen Peptiden, also Bruchstücken von Proteinen, voneinander unterscheiden. Damit haben die Wissenschaftler die Grundlagen für eine direkte Sequenzierung einzelner Proteine gelegt. Ihr Ergebnis stellen sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature Biotechnology vor. Bisherige Techniken, wie die Massenspektrometrie, sind nicht empfindlich genug, um zum Beispiel die Proteinzusammensetzung einer einzelnen Zelle fehlerfrei bestimmen zu können. Deshalb wurde für die jetzt veröffentlichte Studie das porenbildende Protein Aerolysin in eine künstliche Zellmembran eingebaut und mithilfe von Elektroden ein Ionenstrom durch die Pore geschickt, erklärt der an der Studie beteiligte Prof. Dr. Jan C. Behrends vom Physiologischen Institut der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg. Bereits vor einigen Jahren hatten die Forscher der Universitäten in Freiburg und Cergy nachgewiesen, dass Blockaden dieses Stroms durch ein in die Pore eintretendes Molekül eine sehr empfindliche Messung seiner Größe ermöglichen. Darauf aufbauend konnte das Team nun zeigen, dass die Empfindlichkeit der so genannten Aerolysinpore so groß ist, dass Peptide, die nur in einer Position unterschiedliche Aminosäuren aufweisen, voneinander unterschieden werden können. Mit einer besonders hochauflösenden, an der Albert-Ludwigs-Universität entwickelten, elektrophysiologischen Messmethode gelang es sogar, die Aminosäuren Leucin und Isoleucin mit mehr als 90 Prozent Zuverlässigkeit zu unterscheiden. Diese beiden Aminosäuren besitzen die gleiche Zusammensetzung, also Masse, und weisen lediglich eine unterschiedliche räumliche Anordnung der Molekülgruppen auf. Die Unterscheidung solcher so genannter Strukturisomere mit Hilfe der Aerolysin-Pore beweist einerseits, dass das Stromsignal nicht ausschließlich von der Molekülmasse abhängt, wie bislang angenommen wurde. Gleichzeitig bedeutet dies, dass die neue Technologie der Massenspektrometrie prinzipiell überlegen ist. Die Forschenden in den USA zeigten in Simulationen, dass die hohe Auflösung auf einer Art molekularer Falle innerhalb der Pore basiert. Diese Falle stellt die Peptide für ungefähr eine Hundertstelsekunde ruhig, was die genaue Messung erst ermöglicht. Dadurch konnten für die jetzt veröffentlichte Studie elf der 20 am Aufbau von Proteinen beteiligten Aminosäuren mithilfe des Nanoporen-Stromsignals ohne zusätzliche chemische Veränderung zuverlässig unterschieden werden. Die Freiburger Untersuchungen wurden durch das Internationale Graduiertenkolleg Soft Matter Science der EUCOR-Universitäten Freiburg, Strasbourg, Mulhouse und Basel gefördert.
Mehr erfahren zu: "Parkinson: Hautbiopsien ermöglichen Unterscheidung der Body-first- und Brain-first-Subtypen" Parkinson: Hautbiopsien ermöglichen Unterscheidung der Body-first- und Brain-first-Subtypen Parkinson ist nicht gleich Parkinson: Forschende haben mithilfe von Hautbiopsien unterschiedliche Muster von α-Synuclein-Ablagerungen bei Brain-first- und Body-first-Subtypen identifiziert. Die Ergebnisse könnten den Weg zu einer individuelleren Diagnostik und Therapieplanung […]
Mehr erfahren zu: "Forschende erzielen möglichen Durchbruch bei antiviralen Medikamenten" Forschende erzielen möglichen Durchbruch bei antiviralen Medikamenten Eine unerwartete Beobachtung einer Forscherin der University of Queensland (Australien) könnte zu einer neuen Behandlungsmethode für virale Infektionskrankheiten führen – darunter COVID-19, Lungenentzündungen bei Säuglingen oder Ebola.
Mehr erfahren zu: "Erhöhter Behandlungsbedarf bei Pneumonie: Einfacher Blutwert gibt Hinweise" Erhöhter Behandlungsbedarf bei Pneumonie: Einfacher Blutwert gibt Hinweise Marburger Forschende haben einen Weg gefunden, um früher vorhersagen zu können, welche Patienten mit Pneumonie ein höheres Risiko für eine Behandlung auf der Intensivstation haben oder länger im Krankenhaus bleiben […]