Angststörungen vor allem bei Jüngeren auf dem Vormarsch19. November 2024 Foto: © Jeff Bergen/peopleimages.com – stock.adobe.com Daten der KKH Kaufmännischen Krankenkasse zufolge hat der Anteil der Versicherten, die wegen einer diagnostizierten Phobie in Behandlung sind, von 2013 auf 2023 um 57 Prozent zugenommen. Bei den 15- bis 29-Jährigen stieg der Anteil im Zehn-Jahres-Vergleich sogar um 114 Prozent. „Ängste sind Schutzmechanismen, die uns vor Gefahren warnen“, erklärt Dr. Aileen Könitz, Ärztin und Expertin für psychiatrische Fragen bei der KKH. „Doch wenn diese Ängste unser Verhalten und unsere Gedanken so stark dominieren, dass sie blockieren, zu sozialem Rückzug führen und die Lebensqualität beeinträchtigen, ist Hilfe notwendig.“ Das trifft laut Versichertendaten der KKH auf immer mehr Menschen zu. So nahm der Anteil der Patientinnen und Patienten, die wegen einer diagnostizierten Phobie in Behandlung sind, von 2013 auf 2023 um 57 Prozent zu. Entwicklung von Phobien bei KKH-Versicherten zwischen 2013 und 2023. (Quelle: KKH Kaufmännische Krankenkasse) Alarmierend: Bei den 15- bis 29-Jährigen stieg der Anteil im Zehn-Jahres-Vergleich um 114 Prozent, bei Frauen dieser Altersgruppe sogar um 133 Prozent. Die Daten der KKH zeigen in den vergangenen Jahren einen kontinuierlichen Anstieg behandlungsbedürftiger Phobien, wobei die Corona-Jahre diesen Trend weiter verstärkt haben – und das, obwohl Arztbesuche teilweise ausblieben. Vor allem für junge Menschen war es laut Könitz eine äußerst belastende Zeit: „Die Schließung von Schulen und Universitäten und die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen führten dazu, dass Schülerinnen, Schüler und Studierende oft nur online miteinander kommunizieren konnten. Der so wichtige direkte Austausch mit Gleichaltrigen, auch über Sorgen und Nöte, fiel weg. Dadurch entstanden Ängste, etwa vor sozialer Isolation, Krankheit oder der Zukunft.“ Angststörungen zählen wie Depressionen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentengebrauch zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. „Sie reichen von genetischen und neurobiologischen Faktoren bis hin zu soziokulturellen Einflüssen und traumatischen Erlebnissen. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen“, erklärt Ärztin Könitz. Nicht jede Phobie bedarf einer Behandlung. Führen Ängste jedoch zu Vermeidungsverhalten, und schränken sie den Alltag stark ein, ist professionelle Hilfe angezeigt. Betroffene wissen meist, dass ihre Furcht irrational ist und keine reale Bedrohung darstellt. Doch oft ist die Angst allein schwer zu überwinden. Die gute Nachricht: „Phobien sind in der Regel gut behandelbar. Viele Menschen behalten ihre Ängste jedoch aus Scham für sich“, weiß KKH-Expertin Könitz. Ihr Rat: „Wichtig ist, sich seinen Ängsten zu stellen und sie aktiv zu bewältigen. In der Praxis hat sich die Verhaltenstherapie bewährt. Hierbei werden Patientinnen und Patienten gezielt mit den Situationen konfrontiert, die sie normalerweise meiden, das bedeutet konkret: rein in den Fahrstuhl, ins Flugzeug oder die Spinne auf die Hand.“ So lernen Betroffene, dass die befürchtete Gefahr ausbleibt, und können Schritt für Schritt ihre Ängste überwinden. In manchen Fällen kann auch eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten, wie zum Beispiel Antidepressiva, unterstützend wirken. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es in jedem Fall wichtig, die Therapie individuell auf die Patientin oder den Patienten abzustimmen.
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