Ansteckung mit Masernviren: Andocken an zwei Zellrezeptoren notwendig6. Juni 2018 Masernvirus (Quelle: Cynthia S. Goldsmith; William Bellini/CDC) Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben an einem Tiermodell nachvollzogen, was für die hohe Ansteckungsrate des Masernvirus verantwortlich ist. Wie sie zeigen konnten, spielt die effiziente Interaktion mit zwei zellulären Rezeptoren eine entscheidende Rolle bei der Übertragung der Infektionskrankheit. Das Masernvirus gehört zur Gruppe der Morbilliviren. Bekannt ist, dass die Viren bei der Infektion und Vermehrung im infizierten Wirt mit zwei unterschiedlichen Rezeptoren auf den Zellen des Wirts interagieren. Es wird angenommen, dass Masernviren bei der Ansteckung erst an einen Rezeptor auf Immunzellen andocken, sich hier weiter vermehren und später an einen zweiten Rezeptor auf Zellen der Atmungswege andocken und über diese auf den nächsten Wirt übertragen werden. Wenig ist dagegen darüber bekannt, inwieweit die Interaktion zwischen Virus und einem oder beiden Zellrezeptoren für die Übertragung des Erregers erforderlich ist. Die Erforschung der zugrundeliegenden Mechanismen bei Masern ist auch deshalb schwierig, weil der Mensch der einzige Wirt des Masernvirus ist. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts um Dr. Veronika von Messling, Leiterin der Abteilung Veterinärmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts, haben für die Erforschung der Morbilliviren ein Ersatzmodell entwickelt: Sie nutzen Frettchen, die hochempfänglich für den engen Verwandten des Masernvirus, das Hundestaupevirus, sind. Um die Bedeutung der Rezeptorinteraktionen für die Übertragung zu ermitteln, infizierten die Forscher in Zusammenarbeit mit Forschern der Mayo Clinic, Rochester, Minnesota, USA, Frettchen mit dem natürlichen Hundestaupevirus oder mit Virusmutanten, die nicht länger in der Lage waren, mit einem der beiden zellulären Rezeptoren zu interagieren. Wie erwartet infizierten sich die Frettchen, die mit dem natürlichen Hundestaupevirus in Kontakt kamen, und erkrankten. Dabei übertrugen bereits erkrankte Tiere das Virus am effizientesten. Dagegen wurden genetisch veränderte Viren, die nur an einen der beiden Rezeptoren andocken konnten, nur in Einzelfällen übertragen und erzeugten keine Krankheit. Die Forschungsergebnisse belegen die Bedeutung der Interaktion mit den zellulären Rezeptoren für die Übertragung von Morbilliviren. Sie ist für die Weiterverbreitung der Erkrankung von zentraler Bedeutung. Klinisch könnten diese Erkenntnisse genutzt werden, um Wirkstoffe zu entwickeln, die gezielt diese Interaktion unterbinden. Ein Vorteil einer solchen Strategie: Hier ist die Entwicklung von Resistenzen unwahrscheinlich. Profitieren könnten hiervon Ungeimpfte nach Kontakt mit Masernerkrankten. Originalpublikation: Sawatsky B et al.: Canine Distemper Virus Spread and Transmission to Naive Ferrets: Selective Pressure on SLAM-Dependent Entry. J Virol, 23. Mai 2018
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