Antibiotika helfen nicht gegen Wheezing21. Mai 2026 Foto: © Robert Kneschke – stock.adobe.com Atemwegsobstruktionen mit pfeifendem Atmen (Wheezing) sind eine der Hauptursachen für Krankenhausaufenthalte bei Kindern im Vorschulalter und werden häufig mit Antibiotika behandelt. Eine aktuelle Studie zeigt nun allerdings, dass das Antibiotikum Azithromycin schwere Wheezing-Episoden nicht wirksamer lindern kann als Placebo. Beobachtungsstudien hatten gezeigt, dass drei pathogene Bakterienarten (Streptococcus pneumoniae, Moraxella catarrhalis und Haemophilus influenzae) in Nasen-Rachen-Abstrichen von Kindern mit wiederkehrenden Wheezing-Episoden häufiger nachgewiesen werden als bei Kindern ohne solche Erkrankungen. In einer multizentrischen Studie, deren Ergebnisse im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurden, untersuchten Forschende daher, ob das Antibiotikum Azithromycin, das sowohl antiinflammatorisch als auch antibakteriell wirkt, geeignet ist, die Atemwegsobstruktion bei Kindern mit Wheezing zu lindern. Sind Bakterien für die Atemnot verantwortlich? Dazu randomisierte das Team um Fernando D. Martinez vom Asthma and Airway Disease Research Center in Tucson (USA) 840 Patienten im Alter von 18–59 Monaten, die sich mit einer mittelschweren bis schweren Episode von Atemnot in einer Notaufnahme vorstellten. Die Kinder erhielten randomisiert fünf Tage lang entweder Azithromycin (12 mg pro Kilogramm Körpergewicht) oder ein Placebo. Während dieser Zeit beurteilten die Eltern, basierend auf dem „Asthma Flare-up Diary for Young Children“ (ADYC), täglich Atmung, Husten, Appetit, Stimmung und andere Merkmale der Kinder. Eine der zentralen Fragen, die die Studie beantworten sollte, war, ob das Vorhandensein von Bakterien im Nasen-Rachen-Raum mit dem Wheezing in Zusammenhang stand. Sekundäre Endpunkte waren die Verweildauer in der Notaufnahme, die Dauer des Krankenhausaufenthaltes sowie erneute Notaufnahmen oder Krankenhausaufenthalte innerhalb von 72 Stunden. Die bakterielle Clearance und die Antibiotikaresistenz wurden bei Nachuntersuchungen ein bis drei Wochen nach der Randomisierung gemessen. In der Studie wurden 521 der 840 Kinder positiv auf mindestens eine Art potenziell schädlicher Bakterien getestet (Positivkohorte). Nachdem eine Zwischenanalyse darauf hindeutete, dass das Antibiotikum die Wheezing-Symptome nicht verbesserte, wurde die Studie vorzeitig abgebrochen. Die ADYC-Werte vor und nach der Behandlung unterschieden sich weder in der Positivkohorte (Median 9,59; Interquartilsabstand [IQR] 7,29–12,60; vs. 9,72; IQR 7,66–12,17; p=0,70) noch in der Negativkohorte (Median 9,30; IQR 6,97–11,62] vs. 9,10; IQR 7,19–11,45; p=0,69). In der Positivkohorte betrug die Bakterienclearance allerdings 58,7 Prozent in der Azithromycin-Gruppe und 11,4 Prozent in der Placebo-Gruppe. Die sekundären Endpunkte schienen in beiden Gruppen für beide Kohorten ähnlich zu sein, ebenso wie die Entwicklung bakterieller Resistenzen und die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse. Bakterienbefall durch geschwächtes Immunsystem „Wir können nun mit hoher Sicherheit sagen, dass Kindern, die mit einer schweren Wheezing-Episode in die Arztpraxis oder die Notaufnahme kommen, kein Azithromycin oder irgendein anderes Antibiotikum verabreicht werden sollte“, erklärte Martinez und fuhr fort: „Wir sagen schon seit Jahren, dass Antibiotika in diesen akuten Situationen nicht eingesetzt werden sollten, da das Wheezing durch Viren verursacht wird. Dennoch setzen Ärzte bei diesen kleinen Kindern in mindestens einem Viertel der Fälle weiterhin Antibiotika ein.“ Tatsächlich trugen auch die meisten der in der Studie untersuchten Kinder (86 %) einen oder mehrere Viren in sich, wobei 72,5 Prozent mit einem Erkältungsvirus infiziert waren. „Wenn man diese Kinder mit Antibiotika behandelt, obwohl sie bereits an einem Virus erkrankt sind, erzielt man keine Besserung“, betonte er. „Die Tatsache, dass die Kinder mit den pathogenen Bakterien nicht auf das Antibiotikum ansprachen – selbst wenn wir die Bakterien bekämpft haben – stellt die Vorstellung infrage, dass Bakterien das Wheezing verursachen. Die Bakterien sind wahrscheinlich vorhanden, weil das Immunsystem der Kinder bereits geschwächt ist.“ Martinez und sein Team führen nun weitere Studien durch, um den möglichen Zusammenhang zwischen Viren und Wheezing bei Kindern im Vorschulalter besser zu verstehen. „Wir wollen wissen, warum Erkältungsviren bei den meisten Kindern eine laufende Nase und andere Symptome verursachen, bei anderen aber zu Wheezing und Krankenhausaufenthalten beitragen“, erklärte er. (ej/BIERMANN)
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