Antikoagulation nach intrazerebraler Blutung bei Patienten mit mechanischer Herzklappe

EKG
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Wie genau sollte das Antikoagulationsmanagement bei Patienten mit mechanischer Herzklappe (MHV) aussehen, die eine intrazerebrale Blutung (ICB) erlitten haben? Dieser Frage gingen Wissenschaftler um Dr. Joji B. ­Kuramatsu von der Universität Erlangen-Nürnberg nach. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Wiederbeginn der therapeutischen Antikoagulation (TA) innerhalb von weniger als 2 Wochen nach der ICB mit erhöhten hämorrhagischen Komplikationen assoziiert war. Das Abwägen zwischen den geringsten Risiken für thromboembolische und hämorrhagische Komplikationen ergab einen frühesten Startpunkt der TA an Tag 6, der allerdings Patien­ten mit hohem thrombo­embolischen Risiko vorbehalten war.

In ihrer Studie hatten die Autoren Daten zu 2504 Patienten aus einer bundesweiten multizentrischen Kohortenstudie (RETRACE, durch­geführt in 22 deutschen Zentren) zusammengeführt und 137 MHV-Patienten mit antikoagula­tionsassoziierter ICB identifiziert. Der primäre Endpunkt bestand aus schwerwiegenden hämorrhagischen Komplikationen, die während des Krankenhausaufenthaltes entsprechend der Behandlungsexposition analysiert wurden (neu initiierte TA vs. keine TA). Zu den sekundären Endpunkten gehörten thrombo­embolische Komplikationen, der kombinierte Endpunkt (hämorrhagische und thromboembolische Komplikationen), der Zeitpunkt der TA und die Mortalität. Die adjustierten Analysen umfassten ein Propensity-Score-Matching und multivariable Cox-Regressionen, um das optimale Timing der TA zu identifizieren.

Wie die Wissenschaftler feststellten, wurde bei 66/137 Patienten (48 %) die TA erneut gestartet. Sie war mit vermehrten hämorrhagischen (TA: 17/66 (26 %) vs. ohne TA: 4/71 (6 %); p<0,01) und einem Trend hin zu weniger thromboembolischen Komplikationen (TA: 1/66 (2 %) vs. ohne TA: 7/71 (10 %); P=0,06) assoziiert. Bei der Kontrolle von Behandlungsübergängen kamen die Autoren auf ein Inzidenzratenverhältnis (Hazard Ratio [HR] 10,31; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 3,67–35,70; P<0,01) zum Nachteil von TA bei hämorrhagischen Komplikationen. Nach den Analysen des TA-Timings war bis zu Tag 13 nach der ICB mit signifikantem Schaden zu rechnen (HR 7,06; 95 %-KI 2,33–21,37; P<0,01). Die Gefahr für den zusammengesetzten Endpunkt – bei Abwägen beider Komplikationen – war bei erneuter TA bis zum 6. Tag erhöht (HR 2,51; 95 %-KI 1,10–5,70; P=0,03).

Fazit
Der Wiederbeginn der therapeutischen Antikoagulation (TA) innerhalb von weniger als 2 Wochen nach der ICB war in der Studie mit erhöhten hämorrhagischen Komplikationen assoziiert. Das Abwägen zwischen den geringsten Risiken für thromboembolische und hämorrhagische Komplikationen ergab einen frühesten Startpunkt der TA an Tag 6, der allerdings Patien­ten mit hohem thrombo­embolischen Risiko vorbehalten war.

Autoren: Kuramatsu JB et al.
Korrespondenz: Prof. Hagen B. Huttner; [email protected]
Studie: Management of therapeutic anticoagulation in patients with intracerebral haemorrhage and mechanical heart valves
Quelle: Eur Heart J 2018;39(19):1709–1723.
Web: dx d.oi.org/10.1093/eurheartj/ehy056