Antipsychotika unzureichend zur Behandlung von Delirium auf Intensivstation29. Oktober 2018 Foto: © Photographee.eu – Fotolia.com Schwerkranke Patienten profitieren nicht von antipsychotischen Medikamenten, die seit mehr als vier Jahrzehnten zur Behandlung von Delirium auf der Intensivstation eingesetzt werden, so eine neue im “New England Journal of Medicine” veröffentlichte Studie. Jedes Jahr erleben mehr als 7 Millionen Krankenhauspatienten in den Vereinigten Staaten ein Delirium, das sie desorientiert, zurückgezogen, schläfrig oder schwer zu erwecken werden lässt. Die große, standortübergreifende Studie MIND USA (Modifying the INcidence of Delirium) versuchte zu beantworten, ob typische und atypische Antipsychotika – Haloperidol oder Ziprasidon – Delirium, Überleben, Aufenthaltsdauer oder Sicherheit beeinflussten. “Wir haben nach eingehender Untersuchung in medizinischen Zentren im ganzen Land festgestellt, dass die Patienten, die diese potenziell gefährlichen Medikamente erhalten, keinerlei Verbesserungen bei Delirium, Koma, Verweildauer oder Überleben erfahren”, sagte Senior-Autor E. Wesley Ely, Professor für Medizin an der Vanderbilt University School of Medicine. Forscher untersuchten fast 21.000 Patienten in 16 medizinischen Zentren der USA. Von den 1183 Patienten, die unter mechanischer Beatmung oder unter Schock standen, erfuhren 566 ein Delirium und wurden in Gruppen randomisiert, die entweder intravenöses Haloperidol, Ziprasidon oder Placebo (Kochsalzlösung) erhielten. Die Wissenschaftler fanden keinen signifikanten Unterschied in der Dauer des Deliriums oder Komas zwischen den Teilnehmern auf Haloperidol oder Ziprasidon im Vergleich zu Placebo. Ebenso gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Teilnehmern auf antipsychotischen Medikamenten im Vergleich zu Placebo bei 30- und 90-tägiger Mortalität, der Zeit am Beatmungsgerät sowie auf Intensivstation und im Krankenhaus. “Jeden Tag erhalten viele tausend Patienten unnötige Antipsychotika in der Intensivmedizin, die Risiko und Kosten ohne Nutzen in Bezug auf die in dieser von der NIA geförderten MIND-USA-Studie gemessenen Ergebnisse bringen”, sagte Ely. Elys begleitende ICU Liberation Collaborative Studie, die nun von der Society of Critical Care Medicine veröffentlicht wurde, beschreibt, wie man mit Hilfe des ABCDEF-Schemas den besten Weg zur Versorgung schwerkranker Patienten auf der Intensivstation optimieren kann. Die Studie beobachtete 15.000 Patienten in 70 medizinischen Zentren in den Vereinigten Staaten und fand heraus, dass eine höhere Leistung des ABCDEF-Schemas Leben rettete, die Verweildauer verkürzte, das Delirium und Koma reduzierte, die Wiederaufnahme ins Krankenhaus und die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten in Pflegeheime verlegt wurden, geringer war, sagte Ely. “In der ICU Liberation Collaborative Studie haben wir ein Sicherheitspaket verwendet, ähnlich dem, was Flugzeugpiloten verwenden, um Ihnen zu helfen, sicher an Ihr Ziel zu gelangen”, sagte Ely. “Wir versuchen, die geringste Menge an Sedierung bereitzustellen, um die Menschen sicher und komfortabel auf der Intensivstation zu halten, während wir gleichzeitig ihr Delirium managen, indem wir ihre Familien einbeziehen, sie mobilisieren und herumlaufen lassen. Intensivpflegeteams auf der ganzen Welt arbeiten zusammen, um eine neue Kultur der Intensivpflege für Patienten und Familien zu schaffen.”
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