App mit Chatbot soll Versorgung junger Menschen mit Depressionen verbessern21. November 2024 PD Dr. Robert Waltereit, Ärztlicher Direktor des LWL-Klinikums Marsberg und Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und Studienkoordinatorin Dr. Johanna Waltereit (beide vorne im Bild) mit ihrer Forschungsgruppe. (Foto: LWL/Julia Heuwedel) Die LWL-Kinder- und Jugendpsychiatrie in Marsberg nimmt noch Patienten für das neuentwickelte, dreimonatige Programm „iCAN“ (intelligente, Chatbot-assistierte ambulante Nachsorge) an. Das Programm soll 13- bis 25-jährigen Menschen mit Depressionen helfen, nach einer Klinikbehandlung gut in den Alltag zurückzukehren. Depressionen zählen weltweit zu den häufigsten und schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In Deutschland sind rund sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen. In schweren Fällen ist oft ein Klinikaufenthalt nötig. Nach der Entlassung aus der Klinik ist eine zeitnahe ambulante Nachsorge von entscheidender Bedeutung, in Form von ambulanter Psychotherapie und/oder psychiatrischer Weiterbehandlung. Ziel ist dabei, Rückfälle zu verhindern und die in der Klinik erzielten Fortschritte zu festigen. Programm als Antwort auf lange Wartezeiten für Therapieplätze Oft stellt der Übergang von einer stationären Depressionsbehandlung in die ambulante Nachsorge eine Herausforderung dar. Die langen Wartezeiten auf Therapieplätze von durchschnittlich sechs Monaten – in ländlichen Regionen oft noch länger – erschweren den Zugang. Auch zögern viele junge Betroffene aufgrund von Scham oder dem Wunsch, ihre Probleme selbst zu bewältigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hier setzt iCAN an: Junge Menschen mit Depressionen erhalten nach der Klinikzeit Zugang zur App, in der sie Übungen machen, die dabei helfen, im Alltag besser zurechtzukommen. Dabei werden sie von einem Chatbot, einem Dialogsystem, unterstützt, der regelmäßig nach der Stimmung fragt und motiviert, die Übungen nutzen. Zudem erleichtert der in der App eingebaute Navigator die Suche nach einer Anlaufstelle wie einer ambulanten Therapie. Zusätzlich erhalten die Patientinnen und Patienten eine persönliche Begleitung durch Telefongespräche mit Psychologinnen und Psychologen. Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit des Programms In einer großangelegten klinischen Studie wird untersucht, ob Teilnehmende nach drei bzw. sechs Monaten weniger depressive Symptome aufweisen als Studienteilnehmende, die die Standardversorgung erhalten. Zudem wird analysiert, ob iCAN-Teilnehmende schneller Nachsorgeangebote finden und seltener wieder in der Klinik behandelt werden müssen. Teilnehmen können junge Patienten zwischen 13 und 25 Jahren, die wegen Depressionen in einer der teilnehmenden Kliniken oder Tageskliniken behandelt werden, ein Smartphone besitzen und bei einer Gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind. Die Anmeldung erfolgt direkt in den teilnehmenden Kliniken beim Klinikpersonal. Weitere Informationen sind auf der Webseite ican-studie.de verfügbar. Die Wirksamkeit des iCAN-Programms wird noch bis Ende 2024 überprüft, an der auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie des LWL-Klinikums Marsberg (Hochsauerlandkreis) beteiligt ist. Bislang haben an der Studie 160 Patientinnen und Patienten teilgenommen. Erste Ergebnisse zeigen, dass das Programm sehr gut angenommen wird und die Betroffenen nach der Klinikzeit gut unterstützen kann. Hintergrund Die iCAN-Studie unter der Leitung von Prof. Eva-Lotta Brakemeier und Diplom-Psychologe Stefan Lüttke von der Universität Greifswald ist eine Kooperation der Universität Greifswald und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. An dem Projekt sind außerdem die beiden Unternehmen mentalis GmbH und 100 Worte Sprachanalyse GmbH sowie zahlreiche Krankenkassen (AOK Baden-Württemberg, AOK Nordost, AOK Rheinland-Pfalz / Saarland, Bahn BKK, mkk, HEK, Mobil Krankenkasse, Pronova BKK, Siemens-Betriebskrankenkasse, TK) beteiligt. Unterstützt wird das Projekt von 32 Kliniken in Deutschland sowie von Berufs- und Fachverbänden, der Bundespsychotherapeutenkammer und der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention.
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