ASH 2025: Zusatz von Ianalumab verlängert bei vorbehandelter ITP die Zeit bis zum Therapieversagen15. Dezember 2025 Bild: ©Saiful52 – stock.adobe.com Patienten mit Immunthrombozytopenie (ITP), die zusätzlich zur Standardtherapie ein neuartiges Prüfpräparat erhielten, blieben in der aktuellen VAYHIT2-Studie länger ohne behandlungsbedürftige Blutungsereignisse oder ohne Notwendigkeit einer weiteren ITP-Therapie als jene mit Placebo-Zusatz. VAYHIT2 ist die erste Studie, die einen neuen Wirkstoff für ITP im Frühstadium der Erkrankung untersucht. Sie wurde auf der 67. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) vorgestellt, die vom 6.−9.12.2025 in Orlando, USA, stattfand. Zusatz ermöglicht langfristige Krankheitskontrolle „Bei Patienten, bei denen die Erstlinientherapie nicht mehr wirksam war, führte die Behandlung mit vier monatlichen Infusionen von Ianalumab zusätzlich zur Standardtherapie zu einer langfristigen Krankheitskontrolle, ohne die Notwendigkeit einer dauerhaften Therapie und ohne erhöhtes Infektionsrisiko“, unterstrich Studienleiter Dr. Hanny Al-Samkari, Inhaber des Peggy S. Blitz Lehrstuhls für Hämatologie/Onkologie am Mass General Brigham Cancer Institute und außerordentlicher Professor für Medizin an der Harvard Medical School in Boston, USA. „Je länger die ITP besteht, desto schwieriger wird die Behandlung“, erklärte Al-Samkari. „Ein dringender Bedarf in der ITP-Behandlung besteht in der Entwicklung einer Therapie, die den Krankheitsverlauf nachhaltig verändert.“ Ianalumab wirkt gegen B-Zellen, wenn diese überreagieren und fälschlicherweise den eigenen Körper angreifen. Indem das Medikament die Signale blockiert, die diese B-Zellen zum Wachstum und zur Aktivierung benötigen, hilft es, die problematischen Zellen aus dem Körper zu entfernen und die Entstehung neuer Zellen zu verhindern. Studie in insgesamt 24 Ländern VAYHIT2 war eine randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie, die in den USA und 23 weiteren Ländern durchgeführt wurde. 152 Patienten mit ITP, die entweder nicht auf die Standard-Erstlinientherapie angesprochen oder danach einen Rückfall erlitten hatten, nahmen daran teil. Etwa zwei Drittel der Patienten waren Frauen. Alle Patienten hatten zu Studienbeginn eine Thrombozytenzahl von unter 30.000/µl. Eltrombopag ist eine einmal täglich einzunehmende Tablette, die von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zur Behandlung der ITP nach Versagen der Erstlinientherapie zugelassen ist. Es stimuliert das Knochenmark zur vermehrten Thrombozytenproduktion. Jeder Patient erhielt Eltrombopag über einen Zeitraum von 16 bis 24 Wochen. Zusätzlich wurden die Patienten randomisiert einer von drei Behandlungsgruppen zugeteilt: vier monatliche Infusionen mit einer niedrigeren Dosis Ianalumab (3 mg/kg Körpergewicht), einer höheren Dosis Ianalumab (9 mg/kg) oder einem Placebo. Der primäre Endpunkt der Studie war die Zeit bis zum Therapieversagen, definiert als die Zeitspanne bis zum Auftreten einer Blutungsepisode, die eine Notfalltherapie (schnell wirksame Behandlung mit Steroiden oder Antikörpern) oder eine neue ITP-Behandlung nach Absetzen der Studientherapie erforderlich machte. Der wichtigste sekundäre Endpunkt war ein stabiles Ansprechen nach sechs Monaten, definiert als mindestens 75 Prozent der Thrombozytenwerte zwischen Woche 19 und 25 über 50.000/µl, ohne Notfalltherapie oder neue ITP-Behandlung. Die mediane Nachbeobachtung betrug 12,9 Monate in der Gruppe mit der höheren Ianalumab-Dosis, 13,6 Monate in der Gruppe mit der niedrigeren Dosis und 11,6 Monate in der Placebogruppe. Zeit bis zum Therapieversagen verlängert bzw. nicht bestimmbar Die Zeit bis zum Therapieversagen lag bei 13 Monaten bei Patienten mit der höheren Ianalumab-Dosis und war bei Patienten mit der niedrigeren Dosis „nicht bestimmbar“, verglichen mit 4,7 Monaten in der Placebogruppe. „Nicht bestimmbar“ bedeutet laut Al-Samkari, dass die Anzahl der Patienten in der Gruppe mit der niedrigeren Dosis, bei denen es zu problematischen Blutungsereignissen oder anderen primären Endpunktereignissen kam, zu gering war, um die Zeit bis zum Therapieversagen zu berechnen. Von den Patienten mit der höheren Ianalumab-Dosis erreichten nach sechs Monaten 62 Prozent und von jenen mit der niedrigeren Dosis 56,9 Prozent ein stabiles Ansprechen, verglichen mit 39,2 Prozent in der Placebogruppe. Weniger Fatigue, Infektionen weder häufiger noch gravierender Nach 24 Wochen gabe Patienten beider Ianalumab-Gruppen im Vergleich zur Placebo-Gruppe in einem Fragebogen zur Lebensqualität niedrigere Werte für Fatigue an – nach Blutungen das zweithäufigste Symptom der ITP. Patienten, die mit Ianalumab behandelt wurden, wiesen häufiger eine vorübergehende Neutropenie auf als jene in der Placebo-Gruppe. Diese Neutropenie klang in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Sie erkrankten jedoch nicht an einer Infektion. Zudem wiesen die Patienten der ITP-Gruppe keine höhere Infektionsraten auf als jene in der Placebo-Gruppe. Auch verliefen die Infektionen nicht schwerwiegender als in der Placebo-Gruppe. Eine Einschränkung der Studie besteht darin, dass die Patienten zuvor nur eine Behandlung der ITP erhalten hatten. Daher lässt sich nicht feststellen, ob die Behandlung mit Ianalumab die Zeit bis zum Therapieversagen bei Patienten mit mehreren Vorbehandlungen verlängert. Zudem reicht die Nachbeobachtungszeit noch nicht aus, um zu zeigen, ob die Behandlung mit Ianalumab die Progression auf lange Sicht tatsächlich aufhält. „Wir werden die Patienten 39 Monate lang nachbeobachten, um die Langzeitwirkung der Ianalumab-Behandlung zu untersuchen“, erklärte Al-Samkari. Eine randomisierte Studie mit Ianalumab plus Steroiden oder Placebo bei zuvor unbehandelten Patienten mit ITP – bekannt als VAYHIT1 – läuft derzeit. Die Ergebnisse dieser Studie wurden zeitgleich online im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Sie wurde von Novartis, dem Entwickler von Ianalumab, finanziert. Referenz: LBA-2: Primary results from VAYHIT2, a randomized, double-blind, phase 3 trial of ianalumab plus eltrombopag versus placebo plus eltrombopag in patients with primary immune thrombocytopenia (ITP) who failed first-line corticosteroid treatment
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