Barfen – ein nicht ganz risikofreier Ernährungstrend15. September 2026 (Symbolbild) Foto: © Alejandro – stock.adobe.com Die Ernährung ist ein wichtiger Baustein für Gesundheit und Wohlbefinden von Hunden und Katzen. Wie die Ernährung beim Menschen unterliegt auch die Fütterung von Haustieren einem stetigen Wandel – ein hartnäckiger Trend bleibt das Barfen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse fließen in Ernährungsstrategien ein und neue Ernährungskonzepte werden von vielen Tierhaltenden aufgegriffen. Dazu gehört auch die Fütterung mit rohem Fleisch. Doch diese Ernährungsform erfordert fundiertes Wissen über den Nährstoffbedarf der Tiere sowie einen sorgfältigen Umgang mit den verwendeten Lebens- und Futtermitteln, wie der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT e. V.) informiert. Eine ausgewogene Ration und strikte Hygiene sind entscheidend Viele Tierhaltende entscheiden sich für die Fütterung mit Rohmaterialien: rohem Fleisch, Innereien und Knochen, da sie diese als besonders naturnah empfinden. Oder sie versprechen sich davon eine Ernährung, die den natürlichen Fressgewohnheiten ihrer Tiere möglichst nahekommt. Doch damit Hunde und Katzen langfristig gesund bleiben, muss die Ration sorgfältig geplant werden. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Energie, Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen ist unerlässlich. Fehler bei der Zusammenstellung können zu einer Unter- oder Überversorgung mit wichtigen Nährstoffen führen und schwere gesundheitliche Folgen haben. Dies betrifft insbesondere die Versorgung mit den Spurenelementen wie Kupfer, Zink und Jod, die Vitamine A und D sowie das Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Für Katzen ist die Aminosäure Taurin essenziell. Verfütterung von Innereien, die Schilddrüsengewebe enthalten (sog. Schlund) kann zu einer Erhöhung der Schilddrüsenwerte führen. Dies ist insbesondere bei Hunden problematisch, da vorgefertigte Mischungen für diese Tierart häufiger Schlund enthalten. Eine tierärztliche Ernährungsberatung kann helfen, den individuellen Bedarf des Tieres zu berücksichtigen und Mangelerscheinungen vorzubeugen. Geflügel -und Schweinefleisch nicht roh verfüttern Neben einer ausgewogenen Nährstoffversorgung muss auch auf die Sicherheit der verwendeten Lebens- bzw. Futtermittel besondere Aufmerksamkeit gelegt werden. Rohes Fleisch kann mit Krankheitserregern belastet sein. Dazu zählen Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter oder bestimmte Escherichia-coli-Stämme sowie Parasiten wie der Hundebandwurm oder Toxoplasmen, die potenziell auch für den Menschen gefährlich sein können. Auch Viren können über rohes Fleisch übertragen werden. Ein aktuelles Beispiel ist die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest). In den vergangenen Jahren wurden vor allem in Asien und den USA, aber auch in einigen europäischen Ländern, Infektionen mit diesem Virus bei Katzen nach dem Verzehr von kontaminiertem rohem Geflügel oder entsprechenden Rohfuttermitteln beschrieben. Hunde gelten als weniger empfänglich, Infektionen wurden bei Hunden zumeist auf Kontakt mit toten Wildvögeln zurückgeführt. Wegen möglicher Kontaminationen mit dem Virus der Aujeszky´schen Krankheit sollten Hunde und Katzen grundsätzlich kein rohes Schweinefleisch erhalten. Zwar ist die Erkrankung in deutschen Schweinebeständen seit langem getilgt, in anderen europäischen Ländern und bei Wildschweinen kommt sie jedoch noch vor. Für den Menschen ist dieses Virus ungefährlich, für Hunde und Katzen aber eine tödliche Bedrohung. Besonders gefährdet sind Jagdhunde, die Kontakt zu erlegten Tieren haben oder gar Fleisch oder Innereien von diesen erhalten. Hygiene und Parasitenprophylaxe sind wichtig für die Gesundheit von Mensch und Tier Wer sich für die Rohfütterung entscheidet, sollte auf eine sorgfältige Hygiene bei Lagerung, Zubereitung und Fütterung achten. Fleisch sollte aus zuverlässigen Quellen stammen sowie sachgerecht gekühlt oder gefroren gelagert werden. Arbeitsflächen, Näpfe und Küchenutensilien sind nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich zu reinigen. Auch das gründliche Waschen der Hände mit warmem Wasser und Seife gehört dazu, da ein Infektionsrisiko für Menschen besteht. Wenn man das Fleisch durch Einfrieren „parasitenfrei“ machen will, ist es wichtig darauf zu achten, dass es mindestens 1 Woche bei -17° bis -20°C tiefgefroren bleibt. Nur so können enthaltene Parasitenstadien sicher abgetötet werden. Darüber hinaus haben Hunde und Katzen, die rohes Fleisch als Futter erhalten, besondere Anforderungen an die Parasitenprophylaxe. Entwurmungsmaßnahmen sollten regelmäßig überprüft und individuell an das Tier angepasst werden. Die tierärztliche Praxis kann hierzu beraten und einen geeigneten Prophylaxeplan empfehlen, so der BfT. Gut informiert füttern – Hygieneregeln streng beachten Die Fütterung mit rohem Fleisch kann eine geeignete Ernährungsform für manche Hunde und Katzen sein, auch wenn Studien Infektionspotenzial für Mensch und Tier beschreiben. Eine Grundvoraussetzung ist in jedem Falle, dass die Rationen ausgewogen zusammengestellt sind und grundlegende Hygieneregeln konsequent eingehalten werden. Ebenso wichtig sind eine an die Fütterung angepasste Parasitenprophylaxe sowie regelmäßige tierärztliche Kontrollen. Wer sich im Vorfeld gut informiert und fachlich beraten lässt, schafft bessere Voraussetzungen für eine sichere und bedarfsgerechte Ernährung seines Tieres. Wichtige Informationen zur Rohfütterung vom European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP): ESCCAP-Factsheet „Rohfleisch-basierte Ernährung“
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