Baveno VIII: Neue internationale Standards für Leberzirrhose und Portale Hypertension1. September 2026 Abbildung: Rasi/stock.adobe.com Der neu veröffentlichte Baveno-VIII-Konsensus setzt international neue Standards für die Versorgung von Patienten mit fortgeschrittener chronischer Lebererkrankung und Pfortaderhochdruck. Seit der ersten Baveno-Konsensuskonferenz im Jahr 1990 werden etwa alle fünf Jahre internationale Experten zusammengebracht, um die wissenschaftliche Evidenz zum Pfortaderhochdruck und fortgeschrittenen chronischen Lebererkrankung zu bewerten und daraus Empfehlungen für die klinische Praxis abzuleiten. Die Baveno-Empfehlungen hätten die Behandlung der Leberzirrhose in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich geprägt, teilt die maßgeblich an Baveno VIII beteiligte Medizinische Universität Wien (MedUni Wien/Österreich) mit. Frühere Konsensusberichte – insbesondere Baveno VI und Baveno VII – zählten mit jeweils mehreren tausend Zitierungen zu den international einflussreichsten Publikationen auf dem Gebiet der Hepatologie. Nach der aufgrund der COVID-19-Pandemie virtuell abgehaltenen Baveno-VII-Konferenz fand Baveno VIII im März dieses Jahres wieder als internationale Präsenzveranstaltung in Baveno (Italien) statt. Insgesamt waren 84 Experten aus aller Welt beteiligt. In neun Panels wurden die seit Baveno VII neu gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse systematisch bewertet. Daraus entstanden 272 Konsensus-Statements und Empfehlungen sowie eine Forschungsagenda mit 153 prioritären Fragestellungen für zukünftige Studien. Früher erkennen, gezielter vorbeugen Ein wesentlicher Schwerpunkt von Baveno VIII liegt auf der verbesserten, möglichst nicht invasiven Risikoeinschätzung. Blutbasierte Biomarker und bildgebende Verfahren wie die Messung der Lebersteifigkeit sollen dazu beitragen, Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung beziehungsweise klinisch signifikantem Pfortaderhochdruck frühzeitig zu identifizieren. Gleichzeitig geht der neue Konsensus einen Schritt weiter: Im Mittelpunkt steht zunehmend die Frage, welche Patienten tatsächlich Gefahr laufen, eine erste schwere Komplikation ihrer Lebererkrankung zu entwickeln. Dadurch sollen präventive Therapien gezielter und früher eingesetzt werden können. „Das zentrale Ziel ist heute nicht mehr nur, Komplikationen einer fortgeschrittenen Lebererkrankung zu behandeln, sondern sie möglichst zu verhindern“, erklärt Prof. Thomas Reiberger von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien sowie wissenschaftlicher Sekretär des Baveno VIII Konsensus Meetings. Prof. Mattias Mandorfer, ebenfalls von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien und Vorsitzender des Panels über nicht invasive Risikostratifizierung, ergänzt: „Mit verbesserten nicht invasiven Verfahren können wir das individuelle Risiko von Patient:innen besser einschätzen, womit die Präzisionsmedizin Einzug in die klinische Praxis hält. Eine medikamentöse Therapie mit Carvedilol kann bei Hochrisikopatient:innen das Auftreten von schwerwiegenden Komplikationen verhindern.“ Zu den weiteren Neuerungen gehören aktualisierte Empfehlungen zur Behandlung von Varizenblutungen, Aszites und anderen Folgen des Pfortaderhochdrucks sowie zum Einsatz des transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS). Auch Kriterien für die Rekompensation wurden weiterentwickelt. Erstmals enthält der Konsensus außerdem spezifische Empfehlungen für Kinder. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf seltenen Gefäßerkrankungen der Leber. Von der Behandlung von Komplikationen zur Prävention Die Baveno-Konsensuskonferenzen haben das Verständnis der Leberzirrhose und des Pfortaderhochdrucks seit mehr als drei Jahrzehnten entscheidend verändert, kommentiert die European Association for the Study of the Liver (EASL). Während ursprünglich insbesondere die Behandlung von Blutungskomplikationen im Mittelpunkt stand, entwickelte sich zunehmend ein präventiver Ansatz: Risiken sollen möglichst früh erkannt und schwere Komplikationen verhindert werden. Baveno VIII setzt diese Entwicklung fort. Durch präzisere Risikostratifizierung soll es möglich werden, Hochrisikopatienten früher zu behandeln und gleichzeitig unnötige und mitunter invasive Untersuchungen bei Betroffenen mit niedrigem Risiko zu vermeiden. Damit könnten potenziell Krankenhausaufenthalte und Todesfälle reduziert und Ressourcen im Gesundheitssystem gezielter eingesetzt werden.
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