Bedeutung von Prävention und Sport für die Gesellschaft8. Juni 2026 Foto: Drazen/stock.adobe.com Was braucht es, um Deutschland fit zu machen und welche Rolle spielen Sport und Bewegung für die Prävention – darüber referiert Prof. Martin Engelhardt auf dem 41. Jahreskongress der GOTS vom 11. bis 13. Juni in Osnabrück. „Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht an einem Wendepunkt. Immer höhere Ausgaben zwingen zu immer rigideren Sparmaßnahmen. Gleichzeitig wird die Gesellschaft immer kränker“, konstatiert die Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS) in einer Mitteilung. Es sei an der Zeit von einer „Verwaltung der Erkrankungen“ zu einer Prävention zu kommen. Zahlen und Fakten sprechen für sich: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland betragen laut GOTS inzwischen über 500 Milliarden Euro pro Jahr (>12% des Bruttoinlandsprodukts). Die Kosten durch Tabakkonsum belaufen sich 97 Milliarden Euro und für Adipositas auf 63 Milliarden Euro. 80 Prozent der Krankheiten sind Zivilisationserkrankungen. Bewegungsmangel und körperliche Inaktivität sind vierthäufigster Risikofaktor für globale Mortalität. Übergewicht und Bewegungsmangel statt Prävention und Sport Im Public Health Index 2025 (vergleicht Umsetzungsgrad wissenschaftlich empfohlener Präventionsprogramme) belegt Deutschland Rang 17 von 18 Ländern Nord- und Zentral-Europas. Nur 26 bis 29 Prozent der Erwachsenen erfüllen die WHO-Empfehlungen von 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche. Beim UNICEF „Kinderwohl-Index“ belegt Deutschland Platz 25 von 43 OECD- und EU-Ländern. Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher zwischen 11 und 17 Jahren liegt bei rund 38 Prozent, wovon rund 20 Prozent sogar adipös sind. Bei Erwachsenen leiden 50 Prozent an Übergewicht, 19 Prozent sind adipös, wie aus dem Mikrozensus für das Jahr 2025 des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. „Dies ist ein zentraler Risikofaktor für chronische Erkrankungen (Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartige Tumore) und schwererer Infektionsverläufe“, betont Engelhardt, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Osnabrück Und weiter: „Deutschland wird zukünftig die Kosten für das Gesundheitssystem in Höhe von 500 Milliarden Euro nicht mehr ausgeben können. Die Profiteure des bisherigen Systems werden weiter versuchen an kranken Menschen zu verdienen. Die sogenannte ‚Krankenhausstrukturreform‘ wird bei gleichbleibender Ausrichtung des Systems als Sozialabbau für den Bürger zu Leistungseinbußen führen.“ Prävention und Sport: Vision „Deutschland wieder fit machen“ Die GOTS plädiert daher für eine Änderung der Ausrichtung von einer rein kurativen zu einer präventiven Medizin. Als sinnvoll erachtet die Fachgesellschaft folgende Maßnahmen: Schaffung von Gesundheitskompetenz in der Schule durch Einführung des Faches „Gesundheit“ (Gesundheits-Aufklärung, gesunde Ernährung, Motivation zum lebenslangen Sporttreiben). Schaffung einer Umgebung, die das Gehen, Radfahren und aktives Unterwegssein im Alltag einfach und selbstverständlich macht. Steuern auf Nikotin und Alkohol erhöhen und bei Zucker einführen. Umfassende Werbebeschränkungen bei Alkohol, Tabak und zuckerhaltigen Getränken politische Maßnahmen, für eine Chancengleichheit alle Kinder 60 Minuten qualifizierter Sportunterricht pro Tag, verbindlich durch gesetzliche Festlegung. Die GOTS fordert eine Aufnahme von sportlichen Leistungsanforderungen in die Schulpläne, die Vorhaltung und Weiterentwicklung von Sportstätten und ungehinderten Zugang zu diesen. Zudem sei eine kompetente Ausbildung und adäquate Bezahlung von Sportlehrern und Trainern nötig, um Prävention und Sport zu verankern. Weiterhin brauche es eine Akzeptanz des Leistungssports und Unterstützung für Sportler(innen) außerhalb der Eliteschulen des Sports und an den Universitäten. „Damit dies erreicht werden kann, ist ein politischer Wille parteiübergreifend erforderlich“, betont die GOTS. Der GOTS-Kongress findet vom 11. bis 13. Juni in Osnabrück statt. Auch ein Thema auf dem Kongress ist die sensorbasierte Bewegungsanalyse bei Musikern und Tänzern: https://biermann-medizin.de/sensorbasierte-bewegungsanalyse-fuer-musiker-und-taenzer/
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