Behandlung von Störungen der Darm-Hirn-Interaktion und der Stimmungslage1. September 2025 © LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com (Symbolbild) Affektive Störungen bzw. Stimmungsstörungen (mood disorders) und Störungen der Darm-Gehirn-Interaktion (DGBI) sind weit verbreitet und treten häufig als Komorbidität auf. Vollständig wirksame Therapien gibt es dafür nicht. Erste Wahl bei der pharmakologischen Behandlung dieser Störungen sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese können allerdings unerwünschte Nebenwirkungen auslösen, darunter bspw. Angstzustände, Anhedonie und Dysmotilität. Ergebnisse einer aktuellen Studie liefern nun grundlegende Erkenntnisse darüber, wie der Magen-Darm-Trakt emotionale Verhaltensweisen moduliert. Darüber hinaus offenbart die Arbeit einen neuen, auf den Darm abzielenden therapeutischen Ansatz zur Stimmungsmodulation und deutet auf einen neuen Zusammenhang zwischen einer In-utero-SSRI-Exposition und der Entwicklung von DGBI hin. SSRI wirken systemisch, indem sie den Serotonin-Wiederaufnahmetransporter blockieren und die serotonerge Signalübertragung im Gehirn, im Darmepithel und in den enterischen Neuronen verstärken. Die Kompartimente, die die therapeutischen und unerwünschten Wirkungen von SSRI vermitteln, sind jedoch unbekannt. Ebenso ist unklar, ob eine SSRI-Exposition während der Schwangerschaft direkt zur Entwicklung der DGBI beiträgt. Forschende aus den USA haben nun die Auswirkungen des intestinalen epithelialen Serotonin-Wiederaufnahmetransporters (SERT) oder von Serotonin auf die Stimmung und die gastrointestinale Funktion sowie die relevanten Kommunikationswege untersucht. Die Entfernung von SERT im Darmepithel förderte anxiolytische und antidepressive Wirkungen, ohne negative Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt oder das Gehirn zu haben. Umgekehrt verstärkte die Hemmung der epithelialen Serotoninsynthese Angst und depressives Verhalten. Es wurde festgestellt, dass die afferenten vagalen Bahnen die Kanäle sind, über die das Serotonin des Darmepithels das Verhalten beeinflusst. Bei Kindern, die in utero mit SSRI exponiert wurden, besteht ein erhöhtes Risiko für kognitive, stimmungsbezogene und gastrointestinale Störungen, unabhängig von den depressiven Symptomen der Mutter. Fazit Die Ergebnisse liefern grundlegende Erkenntnisse darüber, wie der Gastrointestinaltrakt emotionale Verhaltensweisen moduliert. Außerdem zeigen sie einen neuen, auf den Darm ausgerichteten therapeutischen Ansatz zur Stimmungsmodulation auf. (bi) Autoren: Hung LY et al. Korrespondenz: Mark S. Ansorge; [email protected] Studie: Intestinal Epithelial Serotonin as a Novel Target for Treating Disorders of Gut-Brain Interaction and Mood Quelle: Gastroenterology 2025;168(4):754–768. Web: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2024.11.012
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