Bei bestimmten Antikörpern gegen Migräne den Blutdruck im Blick behalten22. Februar 2023 © LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com (Symbolbild) Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder dessen Rezeptor werden zur Migräneprävention eingesetzt. In jüngster Zeit wurden aufgrund der retrospektiven Analyse einer Postmarketing-Fallserie Bedenken geäußert, dass bestimmte zur Wirkklasse gehörende Substanzen den Blutdruck erhöhen könnten. In die aktuelle prospektive Follow-up-Studie aus den Niederlanden wurden alle Migränepatienten eingeschlossen, die zwischen Januar 2019 und Januar 2021 im Leidener Kopfschmerzzentrum mit Erenezumab und Fremanezumab behandelt wurden. Blutdruckmessungen wurden von der Erstuntersuchung (T0) bis zur 12-monatigen Nachbeobachtung mit einem 3-monatigen Intervall (T1–T4) erhoben. Die Auswertung erfolgte über gemischte lineare Modelle mit der Zeit als festem Effekt und dem Patienten als zufälligem Effekt. Sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck waren zu allen Zeitpunkten T1–T4 im Vergleich zu T0 erhöht (p<0,001). Der maximale geschätzte Anstieg des mittleren systolischen Blutdrucks betrug 5,2 mmHg (95%-KI 3,1–7,5). Der geschätzte maximale Anstieg des mittleren diastolischen Blutdrucks lag bei 3,5 mmHg (95%-KI 2,0–4,9). In der Erenumab-Gruppe (n=109) waren sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck zu allen Zeitpunkten im Vergleich zu T0 erhöht (alle p<0,001). Bei Fremanezumab (n=87) war der systolische, nicht aber der diastolische Blutdruck im Vergleich zu T0 an den Zeitpunkten T1 (p=0,006) und T2 (p=0,004) erhöht. Eine antihypertensive Behandlung nach Beginn der Behandlung mit Erenumab benötigten 4 Patienten (3,7%) mit normalem Blutdruck zu Studienbeginn. Fazit Die Studie liefert nun Belege der Klasse III dafür, dass die CGRP(Rezeptor)-Antikörper Erenumab und Fremanezumab den Blutdruck erhöhen, wenn sie zur Behandlung von Migränepatienten eingesetzt werden. Zwar blieb die Mehrheit der Patienten innerhalb der normalen Blutdruckgrenzen, aber Ärzte sollten sich nach Ansicht der Studienautoren darüber im Klaren sein, dass bei Migränepatienten ein Risiko für die Entwicklung von Bluthochdruck besteht, wenn sie mit CGRP(Rezeptor)-Antikörpern behandelt werden. Sie fordern, dies in die nationalen und internationalen Behandlungsrichtlinien aufzunehmen. (ah) Autoren: de Vries Lentsch et al. Korrespondenz: Gisela M Terwindt; [email protected] Studie: Blood Pressure in Patients With Migraine Treated With Monoclonal Anti-CGRP (Receptor) Antibodies: A Prospective Follow-up Study Quelle: Neurology 2022;99(17):e1897–e1904. Web: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000201008
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